Halloween und die „Terenzi Horror Nights“ – eine Rezension

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Halloween 2007

Halloween entstammt Samhain, dem Tag, an dem es um die Toten ging. Vor allem in den USA wurde der Tag mit Kostümierung begangen, was ihn in Deutschland lange Zeit nicht sehr attraktiv machte, denn hier gab es mit Fastnacht / Fasching / Karneval bereits eine Zeit für Kostüme im Jahr. Dann jedoch kam Anfang der 1990er Jahre der Krieg im Irak. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg waren auch deutsche Soldaten wieder in aktive Kampfhandlungen verwickelt, daher wurde der Beschluss gefasst, die „fünfte Jahreszeit“ ausfallen zu lassen. Da dies jedoch für einen Gewinneinbruch bei Herstellern von Kostümen und Partybedarf sorgte, wurde damit der Grundstock für ein zweites Kostümfest gelegt: Halloween, das von Europa in die USA ausgewandert war und nun nach Deutschland kam.
Langsam kamen auch die Freizeitparks darauf, Halloween als Herbstjahreszeit zu gestalten. Der Europa-Park beschränkte sich bisher allerdings darauf, Halloween mit einem gemäßigten Gruselfaktor auszustatten, so dass Familien mit kleinen Kindern trotzdem noch kommen konnten. Doch das sollte sich dieses Jahr ändern…

Terenzi Horror Nights: Hell's Inn

Mark Terenzi, ehemaliger Sänger der Gruppe „Natural“, hat ein besonderes Verhältnis zum Europa-Park: Hier hat er seine spätere Frau Sarah Connor kennengelernt. Und er kennt die Familie Mack. An Michael Mack, Sohn des Geschäftsführers Roland Mack, trat er dann mit einer Idee heran. Man könnte doch für ältere Parkbesucher eine extra Abendveranstaltung aufziehen, Zutritt erst ab 16 Jahren, in der der Gruselfaktor nochmal erhöht wird. So entstanden die „Terenzi Horror Nights“, die 2007 erstmals stattfinden.

Terenzi Horror Nights: Telefonzelle des Grauens

Und was mussten Veranstalter und Organisatoren bereits im Vorfeld nicht alles an Kritik einstecken. Ausgerechnet Mark Terenzi, von überkritischen Kommentatoren völlig auf sein Boy-Band-Image reduziert, solle sowas wie „Horror Nights“ organisieren? Die erste Version der Homepage der Horror Nights wurde als „unterstes Niveau“ bezeichnet und sähe so aus, als hätten sich ein paar Fans einen Spaß erlaubt. Und immer wieder hieß es, an diese oder jene andere Halloween-Veranstaltung käme Terenzi sowieso nicht ran. Interessant, dass die Leute alles das schon wussten, noch bevor überhaupt die Kulissen standen oder die Möglichkeit bestanden hätte, die Veranstaltung zu besuchen.

Und dann war es soweit…

Terenzi Horror Nights: Blutbad-Bar

Die „Terenzi Horror Nights“ beginnen Abends ab 19.30 Uhr und gehen bis ca. 23.30 Uhr, bei großem Andrang auch länger. Für sie ist der italienische Themenbereich und die Französische Filmstraße abgesperrt. Die Euro-Sat, umdekoriert zum „Pumpkin Coaster“, dem größten Kürbis der Welt, läuft noch, genauso wie die Geisterbahn. Was die Euro-Sat betrifft, so habe ich von mehreren Besuchern gehört, dass diese Abends „anders“ sei, es fühle sich so an, als ob sie schneller fahre. In der Filmstraße treiben Gruselgestalten ihr Unwesen, Zombies, Horrorclowns und Figuren mit Kettensägen, die so aussehen, als hätten sie ihr Werkzeug zuallererst an sich selbst ausprobiert. Überhaupt, die Masken der Mitwirkenden sind hervorragend, genauso wie ihre Spielfreude. Sie tauchen ein in ihre Rolle und verlassen sie auch nicht, egal was passiert. Im Gegenteil, wenn der Besucher mitspielt, drehen sie sogar noch etwas mehr auf.
Das Kino in der Filmstraße spielt „Haunted House“, den 4D-Film der Halloween-Saison, in dem eine Katze ein altes Spukhaus besucht, allerdings nur, bis die Abendvorstellung des Kinos beginnt. Und das Bistro „La Cigale“ ist umfunktioniert zur „Blutbad-Bar“. Hier gibt es neben allerlei auf Halloween getrimmten Getränken auch passende Snacks. Das ganze Bistro ist aufwändig dekoriert, und der arme Kranke, den man sonst leidend im Bett eines der Chalets im Schweizer Themenbereich findet, muss sich von einer Horror-Krankenschwester mit einer Infusion von „blauer Ersatzflüssigkeit“ quälen lassen.
Im Italienischen Themenbereich ist neben der Geisterbahn auch noch der Raum geöffnet, der sonst die Ausstellung über die Firma und Familie Mack beherbergt, doch er wurde umfunktioniert zum „Speicher des Grauens“. Dort herrscht absolute Dunkelheit, während man sich langsam vortastet und nicht weiß, was einen erwartet.
Doch nun zum Höhepunkt: das „Hell’s Inn“. Dabei handelt es sich um ein altes Hotel. Die Geschichte erzählt, dass sich dort, in Raum 1013, einst ein Gast umbrachte. Der Hotelmanager, der um den Ruf seines Hauses fürchtete, ließ die Leiche verschwinden und verbrannte den Abschiedsbrief. Der Gast nahm ihm das übel und kehrte als Untoter zurück, und er brachte ein paar Freunde mit. Zusammen machen sie das Haus seither unsicher. Die Besucher gehen in das Hotel hinein, um ein paar Geisterjäger zu begleiten, dabei gelangen sie von Raum zu Raum – und in jedem geht etwas Unheimliches vor sich. Wem das zu viel wird, für den gibt es unterwegs einen Raum, in dem man das Hotel vorzeitig verlassen kann. Und der Rest? Tja…

Terenzi Horror Nights: Patient


Kommen wir damit zum Resümee. Die kritischen Stimmen, die schon vor Beginn der „Horror Nights“ wussten, was nicht gut war bzw. nicht funktionieren würde, habe ich ja schon erwähnt. Und wieder einmal zeigt sich, dass man sich davon nicht beeindrucken lassen sollte, denn was hier auf die Beine gestellt wurde, ist beachtlich. Allen Beteiligten, allen voran Mark Terenzi, ist der Spaß an der Sache anzumerken, und die Veranstaltung wurde professionell aufgezogen. Es ist nicht „halt einfach was“ gemacht worden, es hat Hand und Fuß. Ob es sich mit anderen Halloween-Veranstaltungen, zum Beispiel die anderer Freizeitparks, messen kann, weiß ich nicht, denn die keine ich nicht und kann daher keinen Vergleich ziehen. Die Frage ist, ob man das überhaupt kann, denn auch eine solche Veranstaltung ist letztlich Geschmackssache, der eine mag es lieber so, der andere so. Doch auch in den Fanforen wird begeistert vom Besuch in der „Terenzi Horror Night“ berichtet.
Natürlich gibt es auch die berühmen Wermutstropfen. Vermutlich hat man mit nicht ganz so viel Ansturm gerechnet, denn es sich zwar Zeitkarten für den Besuch im „Hell’s Inn“ vorbereitet worden, doch es wurde notwendig, wegen der vielen Besucher die Zeit auf nach 23.30 Uhr auszudehnen. Entsprechend wirkte der Platz, auf dem das ganze stattfand, auch sehr beengt. Vielleicht sollte man sich für das nächste Mal überlegen, ob man den Französischen Themenbereich ganz und nicht nur teilweise öffnet. Möglicherweise lässt sich ja mit den Veranstaltungsräumen in der französischen Straße über den Geschäften auch noch etwas anfangen? Auch dass man die Leute für ihre „Zeitfenster-Karte“ nicht unbedingt am Durchgang zwischen Italienischen Themenbereich und Filmstraße anstehen lassen sollte, sollte überdacht werden, denn das ist der einzige Durchgang zwischen den beiden Bereichen (die zweite Verbindung zwischen Italien und Frankreich gehört zum abgesperrten Bereich). Da bildet sich für einige Zeit ein ziemlicher Stau, bis auch der letzte seine Zeitkarte hat.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es trotz der Dinge, die nicht so ganz reibungslos laufen, ein gelungener Auftakt war. Und wir dürfen berechtigter Hoffnung sein, dass der Europa-Park diese kleinen organisatorischen Mängel auch noch ausbügeln kann. Von offizieller Seite gibt es noch keinen Kommentar, ob es auch im nächsten Jahr wieder die „Horror Nights“ geben wird, ich schätze, da müssen wir mindestens noch bis zum Saisonende nächsten Sonntag warten müssen, wenn man abschätzen kann, wie erfolgreich sie dieses Jahr waren. Natürlich ist ein Besuch der „Terenzi Horror Nights“ nicht jedem zu empfehlen, wer mit Horror und ähnlichem nichts anfangen kann, für den ist es auch nichts. Aber wer mit dem Gedanken gespielt hat, vielleicht doch hinzugehen: es ist noch Zeit bis zum Sonntag. Dann ist es erst einmal vorbei.

Für diesmal…

[Bilder: selbst / Mehr Bilder – von der ganzen Saison 2007 – gibt es hier]

4 Gedanken zu „Halloween und die „Terenzi Horror Nights“ – eine Rezension

  • 18. Dezember 2007 um 15:17
    Permalink

    WOW! Ich muss sagen, das ist ein sensationell guter Blog, vor allem der Bericht über die Halloween-Nights war spitze. Ich selbst war heuer Ende August/Anfang September für 2 Tage das erste Mal im Europapark (nachdem ich im Sommer eine Park-Tour durch Florida hinter mir hatte) und Halloween ist sich leider nicht mehr ausgegangen (komme aus Wien).

    Aber mein Resumee über den Park ist ein klares: erstens ist er viel relaxter als die Amerikanischen Parks wärend der Hauptsaison. Auch die Eigenentwicklungen wie Poseidon, EuroMir und Silverstar halten jeden Vergleich mit den großen Bahnen mit. Wenn da nicht die teilweise „billigen“ Kopien a la Pirates of the Caribeen oder das Haunted Mansion gewesens wären – das hätte der Europapark nicht nötig.

    Aber ich komme definitiv wieder und Deinen Blog werde ich sicher regelmäßig lesen.

    Schöne Grüße aus Wien
    Martin

  • 27. Dezember 2007 um 23:52
    Permalink

    @ Martin:

    Vielen Dank für die Komplimente. Was die Kopien von Disney-Attraktionen betrifft, die man im Park findet: In den Anfangsjahren orientierte man sich stark an den amerikanischen Parks, da man selbst ja noch keine Erfahrung hatte. Die neueren Attraktionen sind eher im ganz eigenen Stil gemacht. Möglicherweise sähen sowohl das Geisterschloss als auch die „Piraten von Batavia“ ganz anders aus, wären sie Attraktionen von heute.
    Bei den Fans allerdings sind diese Fahrten gerade auch wegen des „Nostalgie-Faktors“ beliebt. Und was die Piraten betrifft, da soll in der Pause zwischen Winter-Saison und Hauptsaison 2008 eine Erweiterung bzw. Änderung stattfinden.

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