Unterwegs im Naturschutzgebiet „Taubergießen“ – Eine Bootstour

Anzeige

Blick zum Europa-Park

In Rust liegen Welten direkt beieinander. Hier der Europa-Park, Fahrattraktionen, Achterbahnen und viele Menschen. Dort die Natur. Wenig Lärm, Pflanzen und Tiere. Ich habe eine zweistündige Bootstour mit einem so genannten „Stocherkahn“ gebucht. Der Treffpunkt, so hieß es, sei um 14.00 Uhr an der „Zuckerbrücke“. Diese liegt ein Stück außerhalb des Ortes, erklärt mir der freundliche Chef des Hotels, in dem ich diesmal abgestiegen bin. Eigentlich gut ausgeschildert. Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, mich auf dem Weg zum Haupteingang des Europa-Parks dort vorbei zu fahren. Damit ich den Weg mal sehe. Auf diese Weise kann ich auch abschätzen, wie weit außerhalb die Zuckerbrücke liegt. Ich hatte nämlich vor, das Auto stehen zu lassen. Die Strecke ist, wie ich erfreut feststelle, nicht allzu lang. Dann steht der Tour ja nichts mehr im Weg.

Etwa 13.15 Uhr mache ich mich dann vom Haupteingang des Europa-Parks auf den Weg und laufe in Richtung des Tipi-Dorfes. Dort prangt bereits das erste Schild, das mich zur Zuckerbrücke geleitet. Auch wenn man mir die Örtlichkeit nicht gezeigt hätte, sie wäre einfach zu finden gewesen. Ich laufe an Indianerzelten und Blockhütten vorbei, die hier natürlich etwas fremdartig wirken, aber Charme haben. Gleich danach kommt der große Campingplatz des Park Resorts, auf dem sich einge Camper versammelt haben. Das Wetter passt auch, es ist ein warmer Junitag mit ein paar Wolken und der Wind geht. Das ist trügerisch. Der Wind gaukelt einem vor, dass es kälter wäre als es eigentlich ist und man neigt dazu, die Kraft der Sonne zu unterschätzen. Sicherheitshalber habe ich eine Baseballmütze mitgenommen, damit ich keinen Sonnenstich bekomme.

Der Weg biegt nach dem Campingplatz links ab. Wieder ein Schild. Nun laufe ich zwischen zwei Wiesen hindurch, die ich auch schon kennengelernt habe. Wenn besonders viel los ist im Park, dann werden diese als Behelfsparkplätze verwendet. Aber im Moment sind sie leer. Ich folge der Straße und lasse die Wiesen und eine Obstplantage hinter mir.

Die Geräusche werden weniger. Ab und zu hört man noch den Aufschrei der Menschen, die mit dem Silverstar in die Tiefe stürzen. Ansonsten tritt die Natur immer mehr in den Vordergrund, Grillen zirpen, Vögel singen. Ich erreiche eine Kreuzung mit einem weiteren Hinweisschild. Die Zuckerbrücke ist nicht mehr fern. Nun laufe ich auf einer gewundenen Straße zwischen Maisfeldern entlang. Ich befinde mich nun an einem Ort, wo man den Kontrast zwischen den zwei Welten besonders gut sehen kann. Ich drehe mich um und sehe die Schienen des Silverstar, die die Silhouette der Landschaft dominieren. Als ich mich wieder in Richtung meines Zieles wende, liegt dort das genaue Gegenteil. Die höchsten Erhebungen sind Bäume. Ich komme an einem Schild vorbei, das mich darauf aufmerksam macht, das hier das Naturschutzgebiet „Taubergießen“ beginnt.

Das Naturschutzgebiet wurde 1979 eingerichtet und besteht hauptsächlich aus Wiesen und Auenwaldlandschaft. Es ist dreizehn Kilometer lang und wird bis zu zwei Kilometer breit. Es gibt verschiedene Flüsse in dem Gebiet, die Tour, auf die ich gehen werde, folgt dem Lauf der „blinden Elz“ und der „alten Elz“. Die Elz kommt aus dem Elztal, sie entspringt im Gebiet des Brend und des Rohrhardsbergs nordwestlich von Furtwangen. Sie fließt an Elzach und Gutach vorbei in den Kanal bei Riegel, bevor sie in Richtung Kenzingen in die Ortenau geht.

Die Alte Elz

Dort kommt sie bei Rust hinter dem Hotel Colosseo entlang und unterquert die Hauptverkehrsstraße, bevor sie am spanischen Themenbereich ganz in den Europa-Park fließt. Auf dem Gelände des Parks teilt sie sich auf in die „Blinde Elz“ und die „Alte Elz“. Die „Alte Elz“ fließt parallel zum Ort weiter zum Schloss Balthasar und dort aus dem Park wieder heraus. Ihr Lauf ist relativ gerade durch Rust hindurch, aus dem Dorf heraus und weiter Richtung Kappel-Grafenhausen.

Die Blinde Elz

Die „Blinde Elz“ spaltet sich zwischen dem englischen Themenbereich und dem Kinderland ab, fließt zwischen dem Schweizer und dem französischen Themenbereich hindurch zunächst auf den Parkplatz zu, macht aber vor der Straße einen Knick läuft von da ab parallel zur „Alten Elz“ in Richtung des Naturschutzgebiets. Sie unterquert dabei den Rheinweg und geht schließlich in das Waldgebiet „Auf der Allmend“ und von dort aus weiter, bis sie von der „Zuckerbrücke“ überspannt wird.

An der

Die „Zuckerbrücke“ habe ich mittlerweile auch erreicht. Direkt bei ihr befindet sich ein Parkplatz, nicht nur für die Leute, die mit den Fischerbooten mitfahren wollen, sondern auch für Wanderer und Freunde des „Nordic Walking“. Eine Übersichtskarte zeigt fünf verschiedene Strecken durch das Taubergießen in verschiedenen Längen und mit verschiedenen Themen, die mit Schildern ausgestattet sind. Neben der Brücke befindet sich der Einlassbereich für die Boote.

Einige der typischen Flachkähne liegen auch schon bereit, am Ufer vertäut. Ich bin zu früh, stelle ich fest. Es ist etwa zwanzig Minuten vor zwei, und ich bin nicht allein. Ein Ehepaar und eine Dame warten auf den gleichen Bootsführer wie ich. Außerdem ist der Parkplatz voller Autos. Wie sich herausstellt, sollen noch zwei Boote zu einer Tour starten. Aber auch Wanderer und Radfahrer sind hier anzutreffen.

Die Dame, die zu unserer Gruppe gehört, ist ebenfalls Radfahrerin. Sie ist, so erzählt sie, vom Bodensee mit dem Rad gekommen. Vor einer Woche ist sie von Biberach aufgebrochen, ist mit dem Schiff nach Ludwigshafen übergesetzt und von da ab in Richtung Rhein gefahren. Einen Tag Pause hat sie zwischendurch gemacht, doch ansonsten war sie unterwegs. Heute wollte sie an der Bootstour teilnehmen.

Das Ehepaar hat den Termin als erstes gebucht gehabt. Sie wollten die Fahrt unbedingt machen; dass sie den Fahrtpreis von 75,00 Euro dann hätten allein zahlen müssen, hätte sie nicht weiter gestört. Doch nun wird der Betrag immerhin durch vier geteilt. So ist übrigens die Regel bei allen Bootstouren, der Preis steht pro Boot fest, sollten es allerdings mehr als fünf Personen sein, bleibt es bei 15,00 Euro pro Person. Maximal können zehn Leute in ein Boot. Für Einzelreisende wie mich gibt es immer mal wieder solche „Sammeltermine“, diese kann man bei der Tourismusgesellschaft in Rust erfragen.

Dann ist es soweit: Unser Bootsführer kommt. Er stellt sich kurz vor, dann macht er gleich das Boot klar. Er möchte, dass wir möglichst zügig ablegen können. Zunächst muss er den Bootskörper von Regenwasser befreien und die Sitzbänke auflegen. Dann können wir zusteigen. Er selbst nimmt am Ende des Bootes Platz. Sein Werkzeug: Paddel, wie man sie von Kanus kennt, und Stocherpadel. Diese sehen den „normalen“ Paddel sehr ähnlich, haben allerdings ein rechteckiges Blatt, an dessen Ende eine Metallleiste mit zwei Stacheln befestigt ist. Dieses bohrt er in den Grund des Flusses und stösst so das Boot vorwärts. Schnell sind wir, der Strömung folgend, um die ersten Biegungen verschwunden.

Taubergiessen: Natur mit Prachtlibellen

Schon jetzt, auf den ersten Metern, ergeben sich faszinierende Eindrücke. Fast lautlos gleiten wir über das Wasser, lediglich die Schläge des Paddels sind zu hören. Die Natur um uns herum lässt sich von uns kaum stören. Blaue Prachtlibellenmännchen schweben über das Wasser. Wasserläufer sind gruppenweise versammelt. Ab und zu taucht ein Libellenweibchen auf, dessen grüne Farbe unter seinen blauen Artgenossen heraussticht. Sofort umschwirren mehrere Männchen das Weibchen.

Nachdem wir ein paar Meter weit gekommen sind, stellt sich der Bootsführer nochmals vor und begrüßt uns „offiziell“ auf unserer Tour. Er erzählt von seiner Familie, die eine lange Fischertradition hat, wobei das Fischen heutzutage allerdings mehr ein Hobby ist. Aber die Gemeinden greifen gern auf die Fischer zurück, um solche Bootstouren zu machen. Er selbst sei von Kindesbeinen an mit dem „Taubergießen“ verbunden und wisse daher, worauf man achten müsse. Dann lässt er die Geschichte Revue passieren, wie die Fischer in früheren Zeiten hier ihren Lebensunterhalt verdienten. Doch die ständigen Überschwemmungen der Elz führten im 19. Jahrhundert zum Bau des Leopoldskanals, der den Wasserstand des Flusses regulierte. Gleiches geschah mit dem Rhein. Das Resultat war, dass die Elz verlandete, weil sich Sand und andere Schwebteilchen absetzen konnten und nicht mehr durch Hochwasser weggespült wurden.

Mit dem Naturschutzgebiet geht man nun den umgekehrten Weg und renaturiert den Fluss wieder. Die Natur beginnt, sich zu erholen. Der Name „Taubergießen“, so erfahren wir weiter, komme von den vielen Quellen, die immer wieder seitlich der Elz auftauchen. Man sieht an diesen Stellen deutlich, wie sich das klare Wasser mit dem grünlich-blauen Wasser des Flusses mischt. Das Quellewasser ist deswegen so klar, weil es kaum Nährstoffe und Sauerstoff enthalte. Daher „taube gießen“, „taube (nährstoffarme) Quellen“.

Der Zufluss einer Quelle.

Den ersten Beleg dafür, dass die Natur sich erholt, zeigt uns der Bootsführer dann: An einer Stelle ist die Uferbewachsung durchbrochen. Im Schlamm sind Spuren zu sehen. „Das haben Wildschweine gemacht“, wird uns erklärt. „Die kommen Nachts her, schwimmen über den Fluss und gehen auf der anderen Seite in die Maisfelder.“ Wildschweine seien sehr gute Schwimmer, schickt er hinterher und macht uns auf einen sehr gut getarnten Hochsitz aufmerksam. Die Jäger überwachen die Population des Schwarzwilds, damit in den Maisfeldern nicht zu viel Schaden entsteht. Es kämen sogar Wildschweine aus Frankreich her, die schwimmend den Rhein überqueren.

Auf der anderen Seite steht das Gebüsch sehr hoch und wir erfahren, dass dort eine Rehfamilie Unterschlupf gefunden hat. Tagsüber könne man sie leider nicht sehen, nur am Abend. Es gäbe auch spezielle Bootstouren, die in der Abenddämmerung gemacht werden, aber diese müssen extra beim Regierungspräsidium beantragt werden. Daher finden sie nicht so häufig statt.

Enten im

Ein Stück weiter hören wir Krähen rufen. Sie hocken in den Bäumen am Ufer, weit über uns. Warum sie sich versammelt haben, wird klar, als wir an einer Entenfamilie vorbeikommen. „Die Krähen holen die Jungen“, sagt der Bootsführer. „Die sitzen nicht ohne Grund genau über uns.“ Ob es unsere Anwesenheit macht, dass die jungen Enten plötzlich aus der Deckung des Ufers kommen und dicht an uns vorbeischwimmen? Riskant ist es trotzdem, die Krähen brauchen nur herabzustoßen. Und an uns würden die sich nicht stören. Die Eltern quaken nervös und die Jungen gleiten eilig in den Schutz des Uferschilfs zurück. Die Krähen aber sind noch lange zu hören.

Wir fahren in das Gebiet ein, das die Familie des Fischers gepachtet hat. Er berichtet, wie die Fischer an der Elz ebenfalls für die Umwelt sorgen. Einmal im Jahr fahren sie aus und „reinigen“ den Flusslauf. Allerdings handelt es sich um ein anderes „Reinigen“, als man zunächst vermuten mag. Die Fischer entfernen Äste und Bäume, die in den Flusslauf gestürzt sind und die Rinne blockieren können. Ab und zu fällen sie Bäume, die von Wind und Wetter so beschädigt wurden, dass die Gefahr besteht, dass sie bald umstürzen. Das Holz wird allerdings nicht geholt, sondern in den Uferwäldern liegengelassen. Dort bietet es Kleinlebewesen Lebensraum und verrottet langsam.

Ein Nutria in der Deckung des Schilfs

„Sehen Sie, dort im Schilf?“ Der Bootsführer macht uns auf eine Bewegung im Schatten aufmerksam. Kaum zu erkennen sitzt dort ein Tier.Nutria im Schilf Es sieht aus wie eine übergroße Ratte. „Das ist ein Nutria.“ Der Nutria, auch Biberratte genannt, stammt eigentlich aus Südamerika. Wegen seines Fells hat man ihn nach Europa importiert und in Farmen gezüchtet. Dabei sind immer wieder einzelne Exemplare entkommen und teilweise heimisch geworden. Allerdings nicht überall, da der Nutria ein stabiles Klima braucht, wie es Mitteleuropa mit seinen Jahreszeiten nicht immer bieten kann. Aber hier ist der Nutria heimisch geworden. Was sonst für ein Ökosystem eine Katastrophe bedeuten könnte, stellte sich dabei als Glücksfall heraus: Der Nutria macht der Bisamratte die Nahrung streitig und sorgt so dafür, dass deren Bestände nicht überhand nehmen. Die Bisamratte, die aus Nordamerika eingeführt wurde, ist ein Höhlengräber. Wenn sie ihre Gänge ins Erdreich gräbt, beschädigt sie oft das Wurzelwerk von Pflanzen und sorgt so für einen ziemlichen Schaden. Der Nutria gräbt keine Gänge und hilft dabei, die Bestände an Bisamratten zu regulieren. Seine Bestände hingegen regulieren sich von selbst, was ein Eingreifen des Menschen nicht nötig macht.

Doch der Nutria ist auch scheu. Als er uns kommen sieht, zieht er sich eilig zurück und verschwindet im Schilf. Auf der Fahrt treffen wir noch weitere Nutrias an, die meisten sitzen irgendwo, pflegen ihr Fell oder fressen.

Eine Bisamratte

Und wie aufs Stichwort macht uns der Bootsführer auf eine Bewegung im Wasser aufmerksam. Ein kleines, braunes Tier, das eilig vor uns davonschwimmt. „Die Bisamratte.“ Eigentlich ist es ja keine Ratte, sondern gehört zu den Wühlmäusen. Auch sie wurde wegen ihres Fells nach Europa auf Pelzfarmen importiert. Teilweise entkamen Tiere, teilweise wurden sie bewusst ausgewildert. „Nicht nur der Fressschaden der Bisamratte ist bedrohlich“, erzählt der Fischer. „Der Bisam überträgt Krankheiten, zum Beispiel auch auf Fischzuchten. Das kann eine ganze Fischpopulation wertlos machen.“

Ein Stück weiter kommen wir an einer Fischzucht vorbei. Die Zuchtbecken sind nicht zu sehen, aber die Netze, die über sie gespannt sind. Sie sollen auch Vögel abhalten, die ebenfalls Krankheiten einschleppen können. Zuchtfische werden untersucht, bevor sie in den Handel kommen. Wird eine Krankheit nachgewiesen, muss die ganze Zucht vernichtet werden. Schadensersatz gibt es nicht.

Brückenunterquerung

„Vorsicht! Jetzt bitte mal ducken!“ Wir steuern auf eine Brücke zu, unter der nicht allzu viel Platz ist. Wir müssen uns bücken, aber ansonsten geht die Passage problemlos. Neben dem Fluss taucht in der Luft ein Graureiher auf. Er steuert das Wasser an, und kurz darauf wird klar, wieso: Dort sitzt ein weiterer Reiher und macht ihm das Revier streitig. Ein kurzes Geschrei ist zu hören, dann fliegt der sitzende Reiher auf und davon. Der Sieger landet, aber als er bemerkt, dass wir uns nähern, fliegt auch er davon. Große Kolonien von Graureihern findet man vor allem in Norddeutschland. Dass er auch in der Rheinebene wieder heimisch wurde, ist verschiedenen Maßnahmen zu verdanken. Zum einen wurde er unter Schutz gestellt, als seine Population stark abgenommen hatte. Zum anderen findet er durch die Renaturierung nun wieder die Art von Gewässer vor, die er bevorzugt.

Schwäne

So geht die Fahrt weiter, immer begleitet von den Tieren, den Graureihern, dem Nutria und der Bisamratte. Hier und da sind auch Fische zu sehen, wie etwa die Brachse. Die Durchbrüche von den den Quellen werden immer größer und Schilder weisen darauf hin, dass die Einfahrt mit dem Boot den Fischern vorbehalten bleibt. Immer häufiger Fallen Holzpfähle auf, die knapp aus dem Wasser ragen. Dabei handelt es sich um Befestigungen von Barrieren, die den Weg des Wassers etwas vorgeben sollen. Da die Elz wegen des Kanals und den ausbleibenden Überschwemmungen verlandete, wollte man diesem Effekt entgegen wirken. Aus dem nahen Kanal wird nun bei Hochstand Wasser eingeleitet, das wie eine Überschwemmung wirkt und den aufgehäuften Sand mitreißt. Damit das Wasser aber auf einigermaßen geregelten Bahnen fließt und nicht gleich das ganze Ufer mitnimmt, wurden die Barrieren gebaut. Sie geben eine Richtung vor, ohne zu kanalisieren.

Auf einmal taucht neben dem Boot ein Schwanenpaar mit einem Jungschwan auf. Dieses Paar hat im Schilf gebrütet, erkärt der Bootsführer, und an der dunklen Gefiederfärbung könne man erkennen, dass der Jungschwan männlich sei. Weibliche Jungschwäne sind von Anfang an weiß. Die Schwäne im Taubergießen sind allesamt Höckerschwäne. Den Namen haben sie von einem Höcker auf dem Schnabel. Dieser ist bei den männlichen Schwänen größer, so könne man das Geschlecht von erwachsenen Tieren auseinander halten. Außerdem haben die Männchen einen dickeren Hals.

Die Schwäne verhalten sich anders als die bisherigen Tiere. Anstatt davon zu schwimmen, kommen sie näher. Der männliche Schwan hat die Flügel aufgestellt, dann faucht er uns an. „Der wird gleich ins Boot beißen“, stellt der Fischer ruhig fest, „das macht der immer, wenn wir hier vorbeikommen.“ Schwäne verteidigen ihre Brut sehr aggressiv. Ein anderer Schwan habe vor kurzem ein Kanu umgestoßen. Denn wenn die Drohgebärde nicht hilft, beißt ein Schwan zuerst zu, und dann schlägt er mit seinen riesigen Flügeln um sich. Da steckt Kraft dahinter, denn die Flügel können den eigentlich recht schweren Körper zum Fliegen in die Luft heben.

Tatsächlich beißt der Schwan in die Umrandung des Bootes. „Na komm“, spricht der Bootsführer ruhig, „wir tun Dir doch nichts.“ Er holt noch mal Schwung mit dem Paddel, worauf der Vogel versucht, in dieses zu beißen. Schließlich scheinen wir uns weit genug entfernt zu haben, denn er fällt zurück, dann schwimmt er mit seiner Partnerin und dem Jungschwan davon. Schwäne binden sich ein Leben lang an denselben Partner und können über 20 Jahre alt werden.

Das Vorwärtskommen wird nun schwieriger. Große Trauben von Wasserhahnenfuß kommen vom Grund herauf an die Oberfläche. Das Boot sitzt auf den Pflanzen fasst auf. Der Fischer muss ordentlich Schwung holen, dass wir vorwärts kommen. Der Wasserhahnenfuß kann bis zu zwei Meter lange Stängel ausbilden. Er ist giftig, so wie alle hahnfußartigen Pflanzen (Ranunculus). Einmal jedoch bleiben wir bewusst stehen, direkt neben einem Feld von runden, auf dem Wasser schwimmenden Blättern, in dem einige weiße Blüten zu sehen sind. Seerosen.

Dann kommen wir zu dem Punkt, an dem die „Blinde Elz“ auf die „Alte Elz“ trifft. Sehr deutlich sind an der Stelle die unterschiedlichen Gewässer zu sehen. Links des Bootes die „Blinde Elz“, die blau-grünlich schimmert, rechts des Bootes die „Alte Elz“, deren Wasser bräunlicher ist. Die Färbung der „Blinden Elz“ kommt natürlich von den vielen Quellen.

Die

Das Wasser der „Blinden Elz“.

Die

Das Wasser der „alten Elz“.

Als wir schließlich am Ziel, einer weiteren Bootsanlegestelle, ankommen, sind knapp zwei Stunden vergangen. Zwei Stunden auf dem Wasser, mitten in der Natur, zu keinem Zeitpunkt langweilig, was vor allen Dingen an der Kompetenz unseres Bootsführers lag. Die ganze Gruppe war sich einig, dass es erstaunlich ist, so eine vielfältige Natur eigentlich „direkt vor der Haustür“ zu finden. Wer einen längeren Aufenthalt in Rust oder seiner Umgebung plant, sollte eine solche Bootstour vielleicht ins Auge fassen. Es gibt eine Kurztour, die etwa eine Stunde geht, und eine längere, über zwei Stunden, die ich beschrieben habe. Wichtig ist, dass man die Tour vorher reserviert. Nicht immer hat man so viel Glück wie die Dame mit dem Fahrrad, die mehr oder minder spontan mit dazu gekommen ist. Glück hatten wir auch mit dem Wetter, der Sonnenschein blieb beständig und es wehte ein leichter Wind. Den Rücktransport zum Ausgangspunkt übernahm unser Bootsführer in einem kleinen Bus.

Und so stand ich schließlich wieder an der Zuckerbrücke, und konnte wieder die beiden Welten sehen, nur diesmal umgekehrt: in meinem Rücken das Naturschutzgebiet „Taubergießen“, vor mir, in einiger Entfernung, das Stahlgerüst des Silverstar – der Europa-Park. Ich war sicherlich nicht das letzte Mal hier, denn es gibt noch mehr zu sehen. Aber davon wird ein andermal berichtet.

Wer mit einer Gruppe unterwegs ist, kann ein ganzes Boot direkt beim Veranstalter mieten. Diese bieten verschiedene Strecken und Möglichkeiten an, zum Beispiel, dass man am Ziel bei einem Grillplatz hält. Diese Möglichkeiten sind von Veranstalter zu Veranstalter verschieden, genauso wie die Preise. Wer einzeln oder zu zweit reist, kann sich bei der Touristinfo in Rust nach einem Sammeltermin erkundigen, wobei auch hier gilt: Je mehr Personen mitfahren, desto billiger wird es für den einzelnen.

Hier kann man sich über Taubergießen-Bootstouren informieren:

www.taubergiessentour.de
www.taubergiessenbootsfahrt.de
www.taubergiessenfahrt.de
www.taubergiessen-bootsfahrten.de
www.antons-taubergiessen-bootsfahrten.de
www.rust-taubergiessen-bootsausfluege.de
www.taubergiessenfahrten.com

Sammeltermine für Einzelreisende / kleine Gruppen gibt es von Zeit zu Zeit unter:
www.touristinforust.de

6 Gedanken zu „Unterwegs im Naturschutzgebiet „Taubergießen“ – Eine Bootstour

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.