Reise buchen – Katalogsprache

Anzeige

Nun wissen Sie also, wo es hingehen soll, Sie haben sich über Einreisemodalitäten informiert und über Land und Leute. Sie wollen buchen. Aber was? Im Katalog klingt alles so toll.

Katalogsprache, besonders bei Reisen, ist immer positiv abgefasst. Sie dürfen daher nicht so direkt auf das eingehen, was das steht, sondern müssen sehr genau hinschauen. Lesen Sie ganz genau, wie die Unterkunft beschrieben wird und versuchen Sie, zwischen den Zeilen zu lesen.

Die Lage

Bei der Lage einer Unterkunft werden gern Attribute wie „zentrumsnah“, „ruhig“ oder „am / an der…“ benutzt. „Zentrumsnah“ deutet darauf hin, dass man sich direkt am Stadtzentrum befindet, Ruhe ist dort, vor allem auch Nachts, nicht unbedingt zu erwarten. „Ruhig“ könnte auch bedeuten, dass das Hotel weit außerhalb liegt und man weite Strecken zurücklegen muss, um irgendwohin zu kommen (gern auch mit „idyllisch gelegen“ umschrieben). Liegt ein Hotel „am Flughafen“, hat man zwar von dort aus keine weite Fahrt, muss aber mit Fluglärm rechnen. Ähnliches gilt natürlich auch für Lagen „an / in der Nähe der Autobahn / Schnellstraße“, die eine gute Erreichbarkeit suggerieren wollen, aber damit auch den möglichen Lärm herunterspielen.
Wenn das Hotel eine Strandlage hat, müssen Sie ebenfalls genau lesen, wie diese beschrieben ist. „Oberhalb“ eines Strandes heißt unter Umständen, dass das Hotel auf einer Steilküste liegt (auch umschrieben mit „Strand ist über Treppen bequem zu erreichen“). „Über der Straße“ heißt, dass Sie eine unter Umständen stark befahrene Straße überqueren müssen – und wie weit das Hotel von dieser Straße wegliegt, ist nicht gesagt. Ein „naturbelassener“ Strand heißt vielleicht, dass sich einfach niemand darum kümmert und dieser entsprechend aussieht.
Und wenn das Hotel „Meerblick“ hat, heißt das noch lange nicht, dass das Ihr Zimmer auch haben muss (nur wenn es ausdrücklich heißt „Zimmer mit Meerblick“). Ein „seitlicher Meerblick“ bedeutet übrigens, dass man das Meer nicht direkt sieht – nur wenn man zur Seite schaut (etwa auf dem Balkon oder wenn man den Kopf aus dem Fenster hält). Und was man dann sieht, ist damit auch noch nicht gesagt.
Wird der Ort, in dem das Hotel liegt, als „aufstrebend“ beschrieben, heißt das, dass man noch keine große touristische Infrastruktur erwarten kann. Außerdem sollte man damit rechnen, auf viele Baustellen zu treffen.

Im Pool

Die Ausstattung

Unlängst war ich mit Freunden im April in einem Hotel, das über einen „beheizbaren Pool“ verfügte. Nach einem anstrengenden Tag freuten wir uns darauf, eine runde schwimmen zu gehen, obwohl mir das etwas komisch vorkam – als wir zum Pool kamen, waren wir nämlich die einzigen. Niemand sonst war da. Also hielt ich meine Hand in das Wasser. Es fühlte sich nicht wirklich warm an. Ich blickte hoch und wollte das gerade sagen, als ich sah, dass die drei jungen Damen unserer Gruppe sich am schmalen Ende des Pools aufgestellt hatten und zu zählen begannen: „Eins, zwei…“
Kennen Sie diese Szenen in dramatischen Filmen, in denen jemand eine gefährliche Situation vorhersieht, in Zeitlupe aufspringt und dazu sowas ruft wie: „Neeeeeeeeiiiiiin!“? Kennen Sie? Schön. So war es in der Situation nämlich nicht. Ich war so verblüfft, dass mir zwar der Mund aufklappte, aber bevor ich etwas sagen konnte, hieß es schon: „…drei!“ Und platsch! Verschwanden sie in den Fluten. Doch schon Sekundenbruchteile später erschienen ihre Köpfe wieder an der Oberfläche, und die drei Heldinnen bibberten und froren. Dennoch durchquerten Sie den Pool in seiner ganzen Länge, bevor sie wieder aus dem Wasser stiegen. Dann allerdings zogen sie sich rasch zurück. Die junge Dame, die mit ihrem damaligen Freund sich das Zimmer mit mir teilte, blockierte die nächste halbe Stunde die Dusche und verbrauchte das ganze Warmwasser, um selbst wieder auf Temperatur zu kommen.
Also: Vorsicht bei allen Umschreibungen, die die Silbe „-bar“ enthalten. Ein „beheizbarer Swimmingpool“ ist etwas grundsätzlich anderes als ein „beheizter Swimmingpool“. Wenn ein Hotel „Sportanlagen“ hat, ist das keine sehr konkrete Aussage. Eine „familiäre Atmosphäre“ spricht möglicherweise dafür, dass das Hotel sehr einfach eingerichtet ist, ebenso wie die Umschreibung „zweckmäßig“. Wird das Personal als „unaufdringlich“ bezeichnet, könnte es sein, dass man selbiges vor Ort suchen muss, wenn man einen Wunsch hat.

Hotelgäste

Andere Gäste

Wird auf „Stammgäste“ hingewiesen, sollte man vorsichtig sein: Stammgäste haben die Tendenz dazu, sich so zu benehmen, als gehöre ihnen der Laden. Nennt sich ein Hotel „familienfreundlich“, muss man damit rechnen, dass auch Familien – mit Kindern – dort sind und der Geräuschpegel entsprechend. Allerdings gibt es hier Hotels, die extra Bereiche für die Kinder haben. „Internationale Gäste“ bedeutet, dass man sich darauf einstellen muss, dass man mit anderen Gästen aufgrund der Sprachbarriere eventuell nicht ins Gespräche kommen kann (und nicht überall ist es selbstverständlich, Englisch zu sprechen).

Hotelbewertungen durch die Gäste

Ein guter Weg, sich Enttäuschungen zu ersparen, sind Erfahrungsberichte von anderen Gästen auf Hotelbewertungs-Webseiten oder im SPACE CRUISE Forum. Allerdings sind auch hier ein paar Dinge zu beachten.
Die Berichte, die auf diesen Seiten stehen, sind rein subjektiv und ohne journalistischen Anspruch verfasst. Man darf sich von einer einzelnen negativen Bewertung nicht verunsichern lassen, sondern sollte diese genauer ansehen – was genau wird bewertet und warum wird es als negativ betrachtet? Auch sollte man diese die Bewertung in Relation zu anderen Kritiken sehen. Wenn sich diese ausdrücklich widersprechen, kann es sein, dass der Gast, der eine negative Erfahrung gemacht, vielleicht einfach nur Pech gehabt hat.
Auch sollte man versuchen, zwischen den Zeilen zu lesen. Welche Ansprüche hat der Bewertende an sein Hotel gestellt – und sind diese realistisch? Wer eine Zwei-Sterne-Unterkunft bucht, darf sich nicht wundern, wenn er keinen Komfort bekommt, manche Menschen erwarten das aber trotzdem. Kritisiert der Bewertende vielleicht etwas, das aber in dem entsprechenden Reiseland als „normal“ anzusehen ist (zum Beispiel dass für jede Handreichung ein Trinkgeld erwartet wird)?
Wer solche Hotelbewertungen aufmerksam liest, kann aus ihnen wertvolle Hinweise erfahren. Zu einer Bewertungsseite von verschiedenen Hotels weltweit geht es hier.

Anzeige

Natürlich muss man sich bei der Auswahl der Unterkunft von seinem gesunden Menschenverstand leiten lassen. Für 15 € pro Nacht mit Frühstück können Sie kein Fünf-Sterne-Hotel erwarten. Da werden Sie schon etwas mehr anlegen müssen. Mehr zu den verschiedenen Arten von Unterkünften erfahren Sie übrigens hier. Im EP-Blog werden in Zukunft weitere Erlebnisse zur „Katalogsprache“ veröffentlicht werden. Eine Übersicht dieser Beiträge finden Sie hier.



Travelscout24: Frübucherangebote Mallorca, Ibiza, Türkei

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.