Sich nicht wie ein „Tourist“ benehmen

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„Herr Maier find in Thailand
Nur Essen nicht sehr leiwand.
Mag Curry nicht, und Sojakeim,
Mag Wiener Schnitzel, wie daheim!“
EAV: „Samurai“

Es gibt vermutlich kein Land der Erde, über dessen Einwohner es nicht bestimmte Klischees gibt, wie sie sich – angeblich oder tatsächlich – verhalten. Bis zu einem gewissen Punkt mag das ja alles noch ganz lustig sein, aber es gibt einen Punkt, ab dem das Verhalten nur noch nervt. Halten Sie also einen Moment inne bei folgenden Punkten in Ihrem Urlaub:

Lautstark das Urlaubsland mit der Heimat vergleichen

Sie fahren also in ein fremdes Land – und dort ist es nicht so wie zu Hause? Na hoppla, wie konnte den das passieren? Oder andersherum gefragt: Warum sind Sie überhaupt dorthin gefahren? Natürlich sind die Zustände in anderen Ländern anders als zu Hause, und es gibt Länder, in denen man sie sogar getrost als „katastrophal“ bezeichnen kann. Aber wenn Ihnen das nicht liegt, dann besuchen Sie diese Länder nicht. Der Kellner, der Sie möglicherweise etwas langsamer bedient, kann nichts damit anfangen, wenn Sie ihm erklären, wie das in einem deutschen Fünf-Sterne-Restaurant so läuft. Da sind Sie nämlich gerade nicht, schon vergessen?

Kleidungssünden begehen

Laut einer Untersuchung kleiden sich 26 % aller Menschen im Urlaub so, wie sie es zu Hause nie tun würden. Nun, das erklärt einiges. Kleidung soll eine Botschaft nach außen tragen. Die Kleidung mancher Menschen im Urlaub jedoch trägt die Botschaft „Ich ziehe mich im Dunkeln an“. Abgesehen davon, dass es in extremen Fällen wirklich unmöglich aussieht, kann man in unangenehme Situationen kommen. So gibt es für manche Restaurants einen gewissen Dresscode und es kann sein, dass man abgewiesen wird. Besonders gilt das auch für Kirchen und andere Gotteshäuser, in denen „angemessene“ Kleidung verlangt wird.
Niemand hat etwas gegen „legere“ Kleidung. Schließlich ist Urlaub, richtig. Aber in bestimmten Situationen sollte man doch darauf achten, wo man sich befindet.

ALL-INCLUSIVE- / Buffett-Orgien feiern

„All Inclusive“ bedeutet, dass man einmal zahlt und dafür eine unbegrenzte Auswahl an Speisen und Getränken hat – zumindest im Rahmen des jeweiligen Hotels. Bietet Ihre Unterkunft bei den Hauptmahlzeiten ein Buffet an, so haben Sie auch hier eine unbegrenzte Auswahl. Leider gibt es Zeitgenossen, die dabei jegliches Maß und Ziel verlieren. Obwohl ich bisher noch kein Hotel erlebt habe, das beim Buffet Teller mit hochstehendem Rand ausgegeben hätte, gibt es Gäste, die sich die Teller so volladen, als wäre das so. Da wäre ja noch nicht mal was zu sagen, allein: Wenn diese Zeitgenossen das alles, was sie sich aufgeladen haben, dann auch essen würden! Oftmals geht aber die Hälfte oder noch mehr zurück. Bitter empfinde ich das besonders in Ländern, in denen es für die Bevölkerung nicht einfach ist, für den eigenen Unterhalt zu sorgen. Was mag so ein Angestellter über die Fremden denken, die so respektlos mit Nahrungsmitteln umgehen? Ist das das Bild, das Sie von Ihrem Land abgeben wollen, dass dort selbstgefällig Fresssäcke leben, die kein Maß haben? Ich bitte zu bedenken: Essen Sie, soviel sie wollen, Sie müssen deswegen nicht Hunger darben. Aber ich sagte „essen“, nicht „auf den Teller aufladen“. In einigen Ländern sind Gäste gewisser Nationalitäten mittlerweile berüchtigt dafür, auf diese Weise Unmengen an Lebensmitteln zu verschwenden.

Das Essen bemängeln

Zur Kultur eines Landes oder einer Region gehören auch ganz bestimmte kulinarische Spezialitäten oder Art und Weisen der Zubereitung von Speisen. In einem islamisch geprägten Land werden Sie beispielsweise kein Schweinefleisch bekommen – Punkt. In orientalischen Ländern bekommt man Süßspeisen, die für Europäer beinahe „übersüß“ schmecken. Das ist so. Und wenn Sie beim Essen etwas entdecken, das so aussieht wie eine Spezialität aus Ihrer Heimat, heißt das noch lange nicht, dass es das auch ist – oder falls doch, ist das immer noch keine Garantie dafür, dass es genauso zubereitet wurde, wie Sie es kennen. Und schon gar nicht können Sie davon ausgehen, dass Sie im Restaurant oder Hotel überhaupt etwas bekommen, das Sie aus Ihrer Heimat kennen.
Es wäre so einfach, man muss es nur als spannende Angelegenheit sehen, mehr von dieser anderen Kultur kennen zu lernen. Doch es gibt Menschen, die wollen es lieber so haben wie zu Hause.

Warnungen in den Wind schlagen

In Ägypten scheint die Sonne. An den Stränden der Isla Margarita gibt es Unterströmungen. In Rio de Janeiro gibt es Gegenden, in die sich Touristen besser nicht wagen sollten. Binsenweisheiten, sollte man meinen. Sind sie aber leider nicht. In Ägypten sind mir Touristen begegnet, die nach einem Tag in der Sonne so rot waren, als wollten sie bei einem Hummer-Ähnlichkeits-Wettbewerb mitmachen. Aber um das gleich klar zu sagen: Einen solchen Wettbewerb gibt es nicht – in keinem Hotel! Warnungen dieser Art werden aus einem bestimmten Grund herausgeben, und nicht, um den Touristen den Urlaub zu verderben. Und in vielen Fällen ist es so einfach, der Warnung zu folgen. Und warum tut man’s nicht?

Das 21. Jahrhundert mit dem Kolonialzeitalter verwechseln

Der belgische Comiczeichner Hergé hat in späteren Jahren unter anderem das Album „Tim im Kongo“ als eins der nicht so gelungenen Werke bezeichnet. Das hat unter anderem damit zu tun, dass er die ganze Geschichte aus einem stark europäischen Blickwinkel gezeichnet hat, die der Situation und dem Land, in dem die Geschichte spielt, nicht gerecht wurde. Kongo hieß damals noch „Belgisch-Kongo“ und war Kolonie von Belgien. Die Afrikaner sah man im „belgischen Mutterland“ als unterentwickelt an, mehr wie große Kinder, nicht wie Menschen, die man Ernst nehmen durfte.
Entsprechend ist das Bild, das von ihnen gezeichnet wird. Sie haben Schwierigkeiten mit der Sprache, sagen häufiger mal „Dingsbums“ und sind völlig überfordert von den technischen Apparaten, die Tim aus seiner Heimat mitbringt (unter anderem ein Grammophon und eine Filmkamera).
Hergé aber hat in seinem Leben ein paar wichtige Entwicklungen mitgemacht, so dass er sein Bild von der Welt „da draußen“ korrigieren konnte.

Leider trifft das nicht auf alle Menschen zu. Es gibt genügend, die immer noch der Ansicht sind, bestimmten Regionen des Planeten seien „rückständig“ und führen sich auf, als seien sie die Herren der Welt. Damit machen sie es leider anderen Reisenden schwer, die danach kommen. Denn wie schon erwähnt, unser Verhalten prägt das Bild, das man in anderen Ländern von uns hat. Und hier nochmal in fetten Buchstaben: Das Kolonialzeitalter ist vorbei! Sie sind Gast in einem fremden Land, also benehmen Sie sich entsprechend!

Unter der Kategorie „Sich nicht wie ein ‚Tourist‘ benehmen“ werden in Zukunft weitere Artikel erscheinen, die einem helfen sollen, im Reiseland unangenehm aufzufallen. Ich hoffe, Sie finden unsere Hinweise nützlich.

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