Tauchen – in der Praxis

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[singlepic id=87 w=320 h=240 float=right]Als wir unsere Helden das letzte Mal sahen, hatten Sie gerade Theorie und praktische Übungen eines Tauchkurses hinter sich gebracht und warteten mehr als nervös auf den nächsten Tag – der Praxis…

Für den Tag der Meerwassertauchgänge hatte man uns verschiedene Tipps gegeben. Man sollte zum Beispiel am Morgen nicht zu schwer frühstücken. Aber das war, was mich betrifft, sowieso umöglich. Ich war viel zu nervös, um mir den Bauch vollzuschlagen. Immer noch spukte diese Zahl in meinem Kopf, 10 Meter. Der einzige, der Zuversicht ausstrahlte, war unser Tauchlehrer. Nicht mal ein anderer Mensch, der an unseren Übungen teilgenommen hatte, war weniger nervös als wir. Und der hatte nur das „Einsteigerpaket“ gebucht, bei dem man nur einen Tauchgang im Meer macht und nur bis 5 Meter Tiefe geht, also sich das Ganze quasi einfach mal so anschaut. Diesen „Discover Scuba-Diving“ genannten Kurs kann man innerhalb einer gewissen Frist fortsetzen, um „Scuba Diver“ oder „Open Water Diver“ zu werden.

Nach einer Fahrt von etwa zwei Stunden erreichten wir den ersten Tauchplatz. Der erste Tauchgang sollte keine Übungen beinhalten. Das haben diejenigen, die den Kurs entworfen haben, schon recht gut erkannt: Als Anfänger ist man beim ersten Freiwassertauchgang überhaupt mit vielen, vielen anderen Dingen beschäftigt, als sich unbedingt noch um irgendwelche Übungen zu kümmern. Der Tauchgang dient dazu, sich selbst zu orientieren, sich an das Gefühl zu gewöhnen. Schließlich war es soweit: Der Moment, ins Wasser zu springen, zu wissen, dass man hier – anders als beim Pooltraining – nicht eben mal schnell einfach so an die Oberfläche konnte. Nervosität.

Dann Regulator und Maske festhalten… reinspringen. Zum ersten Mal von der eigenen Tarierweste an der Oberfläche gehalten und zu wissen, dass es unter einem etwa 20 Meter in die Tiefe geht. Und letztlich: das Abtauchen. Hier macht man die Erfahrungen, von denen die Lehrbücher schon erzählt haben. Auch wenn es sich teilweise anders anfühlt, als man es sich vorgestellt hat. Der Druckausgleich war auf den ersten fünf Meter schwieriger, später wurde er leichter und lief fast „so nebenher“. Allein, wir konnten es gar nicht fassen, bis auf fünf Meter Tiefe gegangen zu sein. Was Entfernungen betrifft, unterschätzt man sich unter Wasser gewaltig, vor allem als Anfänger. Das einzige, das einem sicher bestätigt, wie tief man ist, ist der eigene Tauchcomputer.

Die ersten fünf Meter waren wir senkrecht unter unseren Tauchboot nach unten getaucht, entlang einer Leine. Nun ging es von der Leine weg auf ein Riff zu, in dessen Nähe das Boot lag. Und unter uns breitete sich ein Schiffswrack aus. Wir tauchten tiefer, je näher wir dem Riff kamen, das merkte man an der Notwendigkeit, immer wieder einen Druckausgleich zu machen. Aber wie schon erwähnt, es war leichter als zuvor. Außerdem gab es so viel zu sehen, die Korallen, das Riff, das Wrack, Fische…

[singlepic id=88 w=320 h=240 float=right]Während wir kontinuierlich tiefer gingen, schwammen wir an der Steuerbordseite des Wracks in Richtung Bug. Als wir auf desssen Höhe waren, waren wir auch in der Tiefe, in der dieser Lag, unmittelbar am Riff. Von hier aus konnte man zurückblicken auf das Schiff, das seit über 20 Jahren an der Stelle lag. Und der Anblick war beeindruckend, das kann man wohl sagen. Die gute Sichtweite im Roten Meer tat ihr übriges dazu, man konnte nicht nur bis zur Oberfläche sehen, sondern weit bis zu den Aufbauten des Schiffes. Doch genau in dem Moment, da wir beide vor dem Bug schwebten, fiel mir etwas ein. Vor dem Tauchgang wurde – wie es so üblich ist – ein so genanntes „Briefing“ gemacht. Der Tauchplatz wurde besprochen, was man dort so findet, wo man vorsichtig sein muss, und es wurde eine „Route“ ausgemacht. Hatte es da nicht geheißen, der Bug des Wracks läge auf 10 Metern Tiefe? Ich blickte auf die Anzeige meines Tauchcomputers.

10,2 Meter.

Es sind solche Momente, die sich einprägen. Einerseits, weil die Tatsache, in 10 Metern Tiefe zu sein sich als nicht so drastisch herausstellte, wie man sich das anhand der Schilderungen aus dem Lehrbuch vorgestellt hatte. Andererseits, weil es einem klarmachte, dass man sich nicht auf das verlassen konnte, was man sah oder abzuschätzen glaubte. Hätte man mich gefragt, ich hätte die Entfernung zur Wasseroberfläche in dem Moment auf etwa fünf oder sechs Meter geschätzt. Der Tauchcomputer bestätigte, dass wir doppelt so tief waren.

Unser Weg führte uns an der Backbordseite des Schiffes entlang zur Brücke. Da das Riff an der Stelle abfiel und damit das Wasser tiefer wurde, mussten wir immer mehr über dem Boden schweben, um die Tiefe von 12 Metern nicht zu überschreiten, die für den „Scuba Diver“ die festgelegte Grenze war. Es war trotzdem ein faszinierender Anblick und unzählige Eindrücke, die auf einen einströmten. Nicht dass man das nicht schon aus irgendwelchen Dokumentarfilmen kannte, aber es tatsächlich selbst zu sehen und zu erleben, das war etwas völlig anderes. Die 45 Minuten, die der Tauchgang letztlich dauerte, vergingen dann auch wie im Flug. Schneller als gedacht war der Inhalt meiner Flasche in der Nähe der Reserve angekommen und wir wieder an der Oberfläche.

Die Pause zwischen den zwei Tauchgängen, die dadurch kam, dass das Boot den zweiten Tauchplatz anfahren musste, brauchten Annette und ich, um ansatzweise verarbeiten zu können, was wir da gerade erlebt hatten. Ich will nicht sagen, dass sich unsere Nervosität, die wir am Morgen noch hatten, komplett in Luft aufgelöst hatte, aber sie war auf ein erträgliches Maß zurückgegangen, so dass wir nun sehr gespannt waren auf den nächsten Tauchgang und was es da so zu sehen geben würde. Der Hauptteil der noch vorhandenen Nervosität kam durch die Übungen, die bei diesem Tauchgang absolviert werden müssten.

[singlepic id=91 w=320 h=240 mode=watermark float=right]Der zweite Tauchgang führte uns zu einem Riff in einer Gegend, die auch als „Dolphin House“ bezeichnet wurde. Warum, das merkten wir schon bei der Ankunft, als in der Ferne die ersten Delphine (nach neuer Rechtschreibung: „Delfine“) auftauchten. Dann ging es herunter an das Riff, wo unser Tauchlehrer sich offenbar genötigt sah, das Versprechen einzuhalten, das einem die Tauchschulen so leichtfertig geben: „You will see Nemo!“ Ja, so schreitet die Disneyfizierung der Ozeane fort, das arme Tier heißt nicht mehr „Clownfisch“, sondern „Nemo“. Jedenfalls durften wir das Tier, das bei Disney „Nemo“, bei einigen „Clownfisch“, bei anderen „Harlekinfisch“ und wissenschaftlich „Amphiprion ocellaris“ heißt, aus der Nähe betrachten, wie er aus einer Anemone hervorlugte. Und ach ja, daher nennt man ihn auch „Orangeringel-Anemonenfisch“. Dieses Erlebnis wurde jedoch bald darauf übertroffen, als zwei Delphine auf der Bildfläche erschienen, die in unserer Nähe blieben, während wir die Übungen durchführten. Offenbar fanden sie interessant, was wir machten. Oder vielleicht wollten sie nur sagen „Macht’s gut und danke für den Fisch!

Beide Tauchgänge hatten bei uns einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Offenbar so nachhaltig, dass das auch unserem Tauchlehrer auffiel, der uns folgende mahnenden Worte mit auf den Weg gab: „Ihr werdet schon bald anfangen, Eure eigene Ausrüstung anzuschaffen.“ (aber bitte, wieso denn gleich eine eigene Ausrüstung??) und „Als ‚Scuba Diver‘ dürft Ihr nur tauchen, wenn ein Aufpasser mit dabei ist, und das wird Euch bald nerven.“ (ach was, 12 Meter ist doch tief genug und so’n Aufpasser sorgt doch auch für zusätzliche Sicherheit). Wir hingegen waren uns zu dem Zeitpunkt nur sicher, dass wir irgendwie weitermachen wollten. Urlaubstaucher… ja… ist doch ganz nett… so ab und zu mal…

Oder?

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Fortsetzung folgt!

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