Thorsten Reimnitz: „Mein Europa-Park“

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Wie kommt es zu einem Text mit einem derart übertriebenen Titel? Der Europa-Park gehört mir nicht (leider), wie also komme ich dazu, ihn als „meinen“ Park zu bezeichnen? Das ist sehr schnell erklärt: Als ich ein Fan des Europa-Park geworden war, sind mir immer wieder unzählige Fragen gestellt worden. Eine kam von meinem guten Freund Alex, der im Hinblick auf die Bücher, die ich geschrieben hatte, wissen wollte, welchen Titel ich wohl einem Buch über den Europa-Park geben würde, sollte ich je eins schreiben. Ich sagte darauf: „Da kann ich nur pathetisch antworten: ‚MEIN Europa-Park‘.“ Nun, ein Buch ist es nicht geworden, aber immerhin ein Artikel, der in die gleiche Richtung geht. Warum ich ihn heute und hier veröffentliche? Weil heute mein Geburtstag ist und ich – wie der Europa-Park – ein Jubiläum zu feiern habe. Insofern ist dieser Artikel also ein Geburtstagswunsch, den ich mir selber erfülle.

Nun ist mein Erklärung über den Titel dieses Textes nur die Hälfte der Erklärung. Wie der Titel zustande kam, ist damit erläutert, aber das Warum fehlt noch. Und das hat auch mit Fragen zu tun, denn wenn jemand erfahren hatte, dass ich Fan vom Europa-Park bin und dort sehr viel Zeit verbringe, kam sehr häufig eine Nachfrage: „Warum der Europa-Park? Du fährst doch keine Achterbahnen!“ Das stimmt. Weiß der Geier, was das ist, auf Achterbahnen wird mir schlecht. Und zwar schon auf den kleinen Versionen, an die großen hab ich mich aus diesem Grund nie rangetraut. Das Problem ist ja, wenn man einmal drin ist, muss man die Fahrt bis zum Ende mitmachen. Dennoch besuche ich den Europa-Park wieder und wieder. Und ich möchte mit diesem Text versuchen, so ein bisschen zu erklären, was die Faszination dieses Parks für mich ausmacht. Deswegen „MEIN Europa-Park“. Ich muss Sie allerdings warnen, das ist hier keine Dokumentation oder dergleichen, nur eine persönliche Reflektion, und ich werde von einem Gedanken zum anderen springen, so wie ich mich kenne.

Zuallererst muss ich sagen, dass ich ein kreativer Mensch bin. Aber Kreativität kommt nicht einfach so. Es entsteht nichts aus einem Vakuum heraus, es muss zuerst immer was „da“ sein. Am Europa-Park arbeiten unzählige kreative Menschen mit, man weiß gar nicht, wo man bei einer Aufzählung anfangen soll: Die Kreativen, die die Gebäude planen und entwerfen (allen voran ist hier natürlich der bereits verstorbene Ulrich Damrau zu nennen, der dem Park seinen Stempel aufgedrückt hat), die Kreativen, die die Fahrgeschäfte thematisieren und sich immer was Neues einfallen lassen, die Choreografen, Schreiber und Komponisten, die die Shows entwickeln und schließlich auch die Künstler selber, die das alles mit Leben füllen. Dabei wird auf jedes noch so kleine Detail geachtet und sich ständig weiter entwickelt.

Mein erster Besuch im Europa-Park war 1984 bei einem Schulausflug. Der Park war natürlich wesentlich kleiner damals und sah auch noch anders aus. So stand etwa die Minigolf-Bahn noch, ebenso wie der Streichelzoo. Die Strecke der Panorama-Bahn war jedoch schon wie heute, nur ging sie durch zwei Tunnels, an deren Stelle sich heute der Spanische und der Russische Themenbereich befinden.

Der nächste Besuch fand erst 1991 statt. Seit dem ersten Besuch wollte ich immer wieder mal hin, aber das war nicht so ganz einfach. 1991 ging ich mit zwei Kollegen vom Rettungsdienst. 1992 hatte ich dann mein eignes Auto und die Besuche entwickelten sich zur Regelmäßigkeit. Das lag daran, dass ich schon bei dem Besuch 1991 „Feuer gefangen“ hatte für den Park. Endgültig in dessen Bann gezogen war ich, als 1994 der Spanische Themenbereich eröffnet wurde. Spanien wurde sehr detailreich wiedergegeben – und die Ritterspiele, die in der Arena stattfanden, wurden einer meiner persönlichen Favoriten.

Ich weiß nicht, wie oft ich schon im Europa-Park war (ich habe irgendwann zu zählen aufgehört), aber es ist immer noch jedes Mal etwas besonderes, zu Beginn des Tages durch den Haupteingang zu gehen und all diese Eindrücke zu bekommen, die auf einen einstürmen: Bilder, Geräusche, Musik und Gerüche. Letzteres ganz besonders, es kann durchaus sein, dass ich irgendwo an einem Süßigkeitenstand oder einem Fastfood-Laden vorbeikomme und allein der Geruch mich sofort an den Europa-Park erinnert. Bevor wir jedoch den Park betreten (jedenfalls geistig), muss ich noch ein wenig auf das „Drumherum“ eingehen. Ich war auch schon sehr oft für zwei oder mehr Tage in Rust und habe in den verschiedensten Unterkünften übernachtet. Zu den Hotels des Parks selber komme ich noch, ich möchte erstmal auf Rust und seine Bewohner eingehen. Denn ich bin begeistert, begeistert über so viel Gastfreundschaft, die ich erfahren habe. Es gibt keine Unterkunft, sei es nun eine Pension, ein kleines Hotel oder anderes, über die ich etwas Negatives zu sagen hätte. Man wird immer freundlich aufgenommen, die Leute sind hilfsbereit und wenn man ein Problem hat, wird nach einer Lösung gesucht, die dem Gast zugute kommt. Leider hänge ich bei den Artikeln ein wenig hinterher mit der Vorstellung der kleinen Hotels und Pensionen in und um Rust. Ich bitte um Nachsicht, das wird nachgeholt, so schnell wie möglich.

Ich habe viele angenehme Begegnungen mit den Menschen gehabt und könnte viel erzählen, was den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Vielleicht werde ich das auch noch später tun… eigentlich eine gute Idee, sowas wie „Ruster Anekdoten“. Mal sehen, was ich daraus mache. Rust ist ein kleiner Ort, wo der Satz „jeder kennt jeden“ noch zutrifft, und wenn man zum Beispiel wissen möchte, wo man am Abend essen gehen kann… dann gibt es das EP-Blog, das einem das sagt! 🙂 Ja, okay, darum soll es hier nicht gehen, natürlich haben die Ruster da den einen oder anderen Tipp. Wer jedoch Rust wirklich kennenlernen will, dem empfehle ich das Gasthaus „Ochsen“ in der Ortsmitte, direkt gegenüber dem Schloss Balthasar. Es könnte dort allerdings etwas voll sein und es kann passieren, dass man zu anderen Leuten mit an den Tisch gesetzt wird, aber eben – so lernt man die Leute kennen.

Nach diesem kleinen Ausflug nach Rust gehen wir nun in den Park selbst. Wenn ich die ersten Eindrücke verarbeitet habe, bin ich wirklich dort „angekommen“. Dann ist meine erste Aktion, dass ich mir den für diesen Tag gültigen Show-Plan anschaue und entscheide, welche Shows ich gerne sehen würde. Nach deren Anfangszeiten richte ich so grob meinen Tagesablauf. Nachdem das erledigt ist, führt mich mein Weg zumeist direkt in den italienischen Themenbereich und dort in die Geisterbahn. Die zählt zu den ältesten Attraktionen des Parks, sie war schon bei meinem ersten Besuch 1983 da. Natürlich kenne ich die Bahn mittlerweile in- und auswendig. Aber da gibt es einen besonderen Reiz: Nach Neuem Ausschau halten. Sicher, komplette Neuheiten (wie etwa „Blue Fire“) werden vom Park schon vorher beworben, so dass man Bescheid weiß. Aber an den Attraktionen werden beständig Änderungen und Verbesserungen vorgenommen. Mal größer, mal kleiner. Mal werden Figuren einfach nur repariert, mal werden sie durch etwas zusätzliches verbessert, mal kommen Figuren und Elemente neu dazu. Oder es wird auch komplett umgebaut. Zum Beispiel die eine Passage mit der langen Fensterwand, wo man heute verschiedene Projektionen sieht. Ursprünglich standen am Eingang der Passage ein paar Figuren, die flüsterten: „Wir fahren jetzt mit!“ Anstatt der Fenster waren halbtransparente Spiegel angebracht, und durch einen Trick sah es so aus, als würde eine der Figuren neben einem sitzen.

Ergänzungen waren zum Beispiel die ganzen Gemälde im Eingangsbereich, wie diese zwei hier – und ich finde, der Typ auf dem Bild rechts hat frappante Ähnlichkeit mit Londo Mollari aus der Serie „Babylon 5“, oder?

Bilder aus dem Eingangsbereich der Geisterbahn
Bilder aus dem Eingangsbereich der Geisterbahn

Mein Tag im Europa-Park verläuft ab dann und bis auf die Shows sehr spontan. Oft bin ich allein unterwegs, da geht das recht gut. Aber in Gesellschaft macht es natürlich noch mehr Spaß. Da ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis irgendwann als „Experte“ für den Park galt, war es an mir, diverse Ausflüge dorthin zu organisieren. Auf diese Weise konnte ich bei anderen auch diese Begeisterung für den Europa-Park wecken. Da die meisten Menschen aus meinem Bekanntenkreis jedoch etwas weiter vom Park weg wohnen, kam ich nicht umhin, einen Mehr-Tages-Aufenthalt mit Übernachtung zu buchen. Hier waren wir in einer der vielen privaten Unterkünfte, und auch in den Hotels des Europa-Park Resort. In diesen setzt sich konsequent fort, was der Park vorgibt. Faszinierend zum Beispiel, wie das Castillo Alcazar einer Ritterburg nachempfunden ist. Die Möbel rustikal, die Fenster mit Rundbögen und ein großer Speisesaal im Erdgeschoss, der den alten Rittersleut zur Ehre gereicht hätte. Auch hier merkt man die Kreativität und den Willen, gute Arbeit abzuliefern. Es geht nicht darum, den Gast „halt irgendwie“ zufrieden zu stellen, man möchte ihm ein einzigartiges Erlebnis verschaffen. Und das gelingt.

Ich könnte die letzten zwei Sätze nun einfach wiederholen und sagen, dass sie genauso auf die Shows zutreffen, aber das wäre mir zu wenig. Ich schrieb ja bereits schon, dass ich meinen Aufenthalt so ein bisschen an den Showzeiten orientiere. Ich sehe die Shows immer wieder gern, mein unbestrittener Favorit war lange Zeit die Ritter-Show in der spanischen Arena. Seit die anderen Shows mit Musik gemacht werden, gibt es da bei mir so ein bisschen Konkurrenzkampf. Ich kann es nicht mehr entscheiden. Die Stuntleute in der spanischen Arena zeigen unglaubliche Fertigkeiten, beim Reiten und beim Kämpfen. Gerade in den Zweikämpfen dreschen die Kontrahenden so aufeinander ein, dass man befürchten muss, kein Stein bleibt auf dem anderen, wenn da mal ein Schlag daneben geht. Sie werfen sich gegenseitig vom Pferd und Treppen herunter, hängen im Kopfstand im Sattel ihres Pferdes und hantieren mit den Waffen, dass man Schwierigkeiten hat, mit den Bewegungen mitzukommen. Und das ganze wirkt dazu noch, als wäre es leicht und würde keinerlei Anstrengung brauchen.

Die Idee mit den Musicals hat sich langsam entwickelt. Zuallererst gab es das „Kinder-Musical“, eine bekannte Kindergeschichte wie „Pinocchio“ oder „Die kleine Meerjungfrau“ wurde genommen und mit neuen Liedern auf die Bühne des „Kinder-Musical-Theater“ im Holländischen Themenbereich gebracht. Hierbei wurde von Anfang an auf gute Darsteller gebaut. Unvergessen sind für mich die Improvisionen von Otto Scholtze, etwa wenn er sich in seiner Rolle auf der Bühne beschwert, wer denn die Bäume da in den Weg gestellt hätte, „bestimmt die Baumschule Grawunder!“ (Anmerkung: Ulrich Grawunder ist für die Shows des Europa-Park verantwortlich, bei den Kinder-Musicals führt er Regie und schreibt diese auch) Oder Carmen Strohecker, die in einer Aufführung von „Pinocchio“ mit einen kaputten Mikrofon zu kämpfen hatte und einfach lauter sang, so dass man sie im Publikum trotzdem gut verstand (und sie und Otto Scholtze haben das kaputte Mikrofon gleich in die Szene mit eingebaut). Diese Shows laufen zwar unter der Prämisse „Kinder-Musical“, aber das kann man nur unter dem Punkt sehen, dass die erzählten Geschichten eben „Kinder-Geschichten“ sind. Aber sie sind sehr schön umgesetzt und mit hervorragenden Sängern besetzt, so dass sie auch Erwachsenen empfohlen werden können.

Das erste Musical außerhalb dem „Kinder-Musical“ wurde während einer Winteröffnung im „Globe Theater“ dargeboten.  Dann gab es zeitenweise eine Musical-Show während einer Hauptsaison. Immer häufiger gab es Live-Gesang, man erinnere sich nur an Ornella de Santis, die die „Bubble Show“ begleitete. Dann wurde die ganze Show im „Globe Theater“ mit Liedern gestaltet, nach „Musical on Board“ gibt es dieses Jahr „An English Love“ zu sehen und zu hören. Und auch hier sind die Sänger wieder hervorragend. Sie scheinen auch ein gutes Verhältnis untereinander zu haben, soweit ich das bei einer Aufführung im letzten Jahr miterleben durfte. Ich saß im „Globe Theater“ und wartete darauf, dass die Show beginnt, als ich von irgendwoher eine Version von „Happy Birthday“ hörte, bei der die Lautstärke auf Kosten einiger richtiger Töne ging. Ich fragte mich, wo das wohl herkam. Von hinter der Bühne? Konnte nicht sein, dafür war es zu schlecht gesungen. Ich drehte mich um. Hinter mir war ein Fenster offen und ich nahm an, dass der Gesang von dem Imbiss nebenan gekommen sei. Warum auch nicht, der Europa-Park ist ein toller Ort, um seinen Geburtstag zu feiern. Dann begann die Show – und durch kleine Anmerkungen einer Sängerin stellte sich heraus, dass einer der Darsteller, O. J. Lynch, an dem Tag Geburtstag hatte. Tatsächlich war das „Happy Birthday“ von hinter der Bühne gekommen. Was lernen wir daraus? Auch Sänger, die es eigentlich richtig können, können richtig falsch singen, wenn sie wollen. Zum Glück gilt das aber nicht für die Show auf der Bühne selbst. Ich sehe mir die Musicals immer wieder gerne an – aber ich mag Musicals sowieso generell.

Es kommt hin und wieder vor, dass mir einiges in meinem Leben zu viel wird. Dass der Akku leer wird. Auch bei solchen Gelegenheiten besuche ich den Europa-Park, um mich selbst wieder aufzuladen. Zum einen bin ich einen ganzen Tag „raus“ aus dem, was ich üblicherweise so mache. Mein Geist kann sich auf andere Dinge konzentieren oder mal „abschalten“. Zum anderen gibt es einen Ort im Europa-Park, an dem ich dann während meines Besuchs für ein paar Minuten gerne bin…

Die norwegische Stab-Kirche
Die norwegische Stab-Kirche

Im skandinavischen Themenbereich steht eine nachgebaute norwegische Stabkirche. Das Gebäude hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Es ist – wie sein originales Vorbild – komplett aus Holz gebaut. Kein Kunststoff oder dergleichen, der so aussieht wie Holz – echtes Holz. Etliche Handwerker haben die Kirche mit Verzierungen versehen, geschnitzt und gemalt. Hier kann ich ein paar Minuten Ruhe finden, so merkwürdig das auch klingt, denn natürlich ist die Kirche eingerahmt von den verschiedensten Attraktionen. Ich kann das Gebäude auf mich wirken lassen, den Holzgeruch und die Atmosphäre, und Gedanken sortieren. Neben der Kirche besitzt der Park noch einige andere „ruhige Flecken“, wo man manchmal auch mit einem der Mitarbeiter ins Gespräch kommen kann.

Schließlich und endlich hat auch der Europa-Park für einen „Nicht-Achterbahn-Fahrer“ wie mich ein paar weitere Attraktionen bereit. Die Geisterbahn habe ich schon genannt, die „Piraten von Batavia“ sind eine weitere, Fjord Rafting, Wildwasserbahn, Atlantica, „Universum der Energie“, „Abenteuer Atlantis“, „Fluch der Kassandra“… kurz, alles, bei dem es nicht zu wild und hoch hergeht. Genügend, damit auch ein Mehr-Tages-Ausflug gefüllt wird.

Den Abschluss des Tages bildet bei mir fast immer die Show im „Teatro dell’Arte“ im italienischen Themenbereich, aber das hat eigentlich ganz praktische Erwägungen: die Show ist eine von den letzten, die am Tag läuft. Außerdem ist man dann schon in der Nähe vom Ausgang des Parks. Wenn ich diesen ansteuere, bin ich zwar meistens müde, weil ich den ganzen Tag gelaufen bin, aber ich habe wieder jede Menge neue Eindrücke gesammelt und habe meinen „Akku“ neu aufgeladen. Um meine Faszination für diesen Park weiterzugeben habe ich vor fünf Jahren mit diesem Blog angefangen, aus dem seither so viel mehr wurde. Und ich hoffe, dass mir das Weitergeben meiner Faszination gelungen ist.

Ja, und das war „mein Europa-Park“, der Europa-Park, wie ich ihn sehe, jedes Mal, wenn ich ihn besuche. Vielleicht hat Ihnen dieser ganz persönliche Eindruck gefallen und ich habe Ihnen nicht zu viel von Ihrer Zeit gestohlen. Natürlich war das längst nicht alles, aber möglicherweise kann dieser Artikel Auftakt sein für eine ganze Reihe von persönlichen Eindrücken und Erlebnissen aus Deutschlands größtem Freizeitpark. Schließlich ist das hier ja die ErlebnisPostille. 😉

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