Koral Blue Airline – eine ungefärbte Meinung

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Flugzeug der Koral Blue Airline auf dem Rollfeld.
Flugzeug der Koral Blue Airline auf dem Rollfeld.

Sie haben Ihren Urlaub gebucht und stellen fest, dass Sie die unbekannte Airline “ Koral Blue“ erwischt haben?

So oder so ähnlich wird es vielen Urlaubern gehen, unter anderem auch mir. Bisher flog ich nach Ägypten ausschließlich mit Condor, so wie dieses mal auch – dachte ich zumindest.

Am Vorabend des Fluges von München nach Hurghada wollte ich online nochmals die Abflugtafel einsehen. Ich suchte nach einem Condorflug – vergeblich. Ich suchte entnervt die Unterlagen raus und stellte fest, dass ich offenbar geschlafen hatte als ich buchte – denn ich hatte mit Koral Blue gebucht. Ich fliege relativ häufig, ich habe auch keine Angst davor, aber irgendwie bin ich doch Anhänger einer namenhaften Airline, und als ich das dann las wurde es mir mulmig. Was ist das für eine Airline?

Ich gab den Begriff „Koral Blue Airline“ bei einer Suchmaschine ein und wurde fündig. Laut Wikipedia scheint es sich um eine neuere Charter Airline aus Ägypten zu handeln, die 2006/2007 an den Start ging und von Ägypten aus Ziele in Europa anfliegt. Andere Seiten behaupten, es sei ein ägyptisch-türkischer Flieger, andere wiederum schreiben von einer ägyptisch-algerischen Kooperation. Wie auch immer, es erscheint auf den ersten „Blick“ ja nicht vertrauenserweckend. Wenn man dann noch die Bewertungsliste öffnet und “ nie wieder“, “ Horror pur“ liest, dann drückt das doch heftig auf das Gemüt.

Zum Glück machte ich mir die Mühe, die ein oder andere Bewertung dann doch auch zu lesen bevor ich alle Hebel in Bewegung setzte und eine Umbuchung erreichen wollte. Mir fiel auf, dass die Mehrheit sich über fehlende Bordunterhaltung und schlechtes Essen beschwerte, aber das sind für mich nicht die Ausschlag gebenden Dinge eines Fliegers. Insofern – zugegeben mit gemischten Gefühlen- beließ ich den Flug bei Koral Blue.

Ich möchte hier stichpunktartig meine Meinung zu den beiden Flügen abgeben:

1. Flug:

DAS finde ich das Wichtigste überhaupt. An dem Flug gab es überhaupt nichts auszusetzen. Man hatte keinen Moment das Gefühl, dass die Maschine unsicher sei. Start und Landung waren sehr, sehr angenehm. Ich möchte sogar soweit gehen, dass ich behaupte, selten eine so gute Landung gehabt zu haben wie bei Koral Blue. Meine Freundin, die bei Landungen Schwierigkeiten mit ihren Ohren hat, war begeistert. Bei der Landung in München war überhaupt NIX. Der Flieger begann seinen Landeanflug sehr früh und so unmerklich, dass man erstaunt war, schon so weit unten zu sein. Das Aufsetzen bei beiden Flügen auf die Landebahn war nur deshalb spürbar, weil man darauf geachtet hat. Bei anderen Airlines ist Klatschen nach der Landung nicht mehr üblich, bei beiden Flügen mir der Koral Blue klatschten alle Passagiere mit voller Überzeugung.

2. Beinfreiheit

Die Koral Blue verfügt über mehrere Flugzeugtypen. Wir hatten beide Male eine Maschine mit 3-3 Sitzen. Auf dem Hinflug war die Beinfreiheit etwas eingeschränkt. Ich bin 1,76  m groß und stieß mit den Knien am Vordersitz an. Ich könnte mir vorstellen, dass ein XL Mensch hier schon Probleme haben kann. Die Sitze selber hatten die übliche Breite. Auf dem Rückflug hatten wir einen Airbus A 320, da waren die Sitze schön weich und die Beinfreiheit vergleichbar mit jedem anderen Flieger auch. Trotzdem ist das für die Distanz auch mit geringerer Beinfreiheit machbar.

3. Sauberkeit

In Berwertungen las ich was von „Essensresten über den Sitzen“ und so weiter, das kann ich so nicht bestätigen. Der Flieger war im Allgemeinen sauber, auf dem Hinflug lag schon mal ein Papierchen herum aber was daran lag, dass der Flieger erst spät kam und die Crew kaum Zeit hatte, gründlich sauber zu machen. Auf dem Rückflug gab es keine Beanstandungen. Toiletten haben wir nicht benutzt.

4. Essen

Ok. Das Essen, darüber kann man sich streiten.Wir flogen beide Male morgens, so dass wir über das Mittagessen nichts sagen können. Das Frühstück bestand aus zwei etwas lapprigen Brötchen, eins mit Streichkäse, eins mit Marmelade, einem Pudding und einer warmen Aluschale, in der Mais, Bohnen, Tomaten, Pilze und zwei Kleckse Kartoffelbrei waren. Seltsame Zusammenstellung und nicht schmackhaft, aber krank wird man davon auch nicht. Zu trinken gibt es nur beim Essen einmal ein kleiner Becher. Wenn man das aber weiß, so wie wir, dann kann man sich auch am Flughafen noch etwas mitnehmen.

5. Unterhaltung an Bord

Gibt es nicht. Punkt. 🙂 Es gibt keinen Fernseher und kein Radio. Wer sich unterhalten will, muss sich entweder unterhalten oder was zu Lesen mitnehmen.

6. Pünktlichkeit

Wir hatten beide Male Verspätung beim Abflug, kamen aber pünktlich an. Ich nehme an, dass das am Flughafen in Hurghada liegt. Denn dort bin ich die 5 Mal, die ich bisher mit Condor geflogen bin, auch nie pünktlich weggekommen. Auf dem Rückflug hatten wir nur 15 min Verspätung beim Abflug und kamen pünktlich in München an. Das ist für „egyptian time“ schon wenig. Auf dem Hinflug hatten wir 45 min Verspätung beim Abflug, weil der Flieger eben erst aus Hurghada kam. Offenbar liegt da das Problem in Ägypten, nicht an der Fluggesellschaft.

7. Freundlichkeit des Personals

Kritiker beschweren sich über Unfreundlichkeit, und dass das Kabinenpersonal kein Deutsch spricht. Unfreundlich waren die Leute ganz und gar nicht. Weder beim Hin- noch beim Rückflug. Dass sie kein Deutsch sprechen, find ich auch nicht schlimm, mit englisch kann man sich verständigen, man muss sich eben etwas bemühen und den Menschen auch entgegenkommen. Englisch mit arabischem Akzent ist ab und zu etwas schwierig zu verstehen, aber wenn man freundlich nachfragt, wenn man etwas nicht verstanden hat, bekommt man auch eine freundliche Antwort.

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Fazit:

Das Wichtigste am Fliegen ist doch, dass man sicher von A nach B kommt. Und diese Erwartungen erfüllt die Koral Blue Airline wie jede andere Airline auch. Was das angeht, gibt es keinen vernünftigen Grund, sich in Unkosten für eine teure Umbuchung zu stürzen. Wenn man allerdings Wert auf Unterhaltung, gutes Essen und viel zu trinken legt, dann wird man hier sicher enttäuscht. Weiß man das allerdings vorher, kann man sich selber etwas mitnehmen und somit ist der Flug wie jeder andere auch. Ich habe mich fast verrückt machen lassen von den schlechten Bewertungen, muss aber im Nachhinein sagen, dass das wirklich umsonst war. Ich habe das bekommen, was ich wollte – nämlich einen sicheren und angenehmen Flug. Essen und Unterhaltung find ich nicht so wichtig, das hab ich am Urlaubsort dann zur Genüge. Lassen Sie sich also nicht den Urlaub schon vor dem Flug verderben. Das ist vollkommen überflüssig.

2 Gedanken zu „Koral Blue Airline – eine ungefärbte Meinung

  • 17. Oktober 2010 um 08:40
    Permalink

    Ich bin im Oktober 2010 zum ersten Mal mit Koral Blue geflogen. Kannte die Fluggesellschaft nicht, und hab auch die Horrorgeschichten in den Bewertungen gelesen. War schon so weit, daß ich umbuchen wollte, aber ich wurde nicht enttäuscht von Koral Blue.
    Es stimmt es gibt keinen Fernseher und Radio. Wir bekamen aber warmes Essen (das sehr gut war), Getränke gibt es zum Essen (keinen Alkohol, was für mich nicht wichtig ist). Es wird nur Englisch gesprochen (in den Urlaubsländern wird zum großen Teil nur Englisch gesprochen, und im Flieger sieht man das als Problem). Verspätung gab es beim Abflug von 20 Minuten, landeten aber pünktlich. Das Personal war sehr zuvorkommend und freundlich. Der Flieger war sauber und auch in den Toiletten war es sauber.
    Das Wichtigste ist die Sicherheit und da gab es überhaupt keine Mängel.
    Laßt auch von solchen Bewertungen nicht verrückt machen!!! Es gibt keinen Grund dazu.

  • 31. Januar 2011 um 13:24
    Permalink

    Bin auch mit KBR nachts von Hurghada nach DUS zurückgefolgen. Hatte (nach den Beurteilungen)die Hose tierisch voll. Aber der Flug war ok und die Crew freundlich.

    Dennoch sollte man überlegen, daß es mehrere Crews dort gibt und man vielleicht nur Glück hatte, die richtige zu erwischen.

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