Bodensee-Therme Überlingen

Anzeige
Die Bodensee-Therme Überlingen bei Nacht / (c) Bodensee-Therme Überlingen
Die Bodensee-Therme Überlingen bei Nacht / (c) Bodensee-Therme Überlingen

Als in Überlingen am Bodensee aufgewachsener Mensch muss ich leider sagen, war es lange Zeit eine Misere mit den Bädern in der Stadt. Man hatte schon immer den See, schön und gut – und im Winter? Zum Glück gab es in den 1970er, 80er und zu Beginn der 90er Jahre das alte Kurmittelhaus, denn dieses beinhaltete ein Hallenbad. Allerdings wurde mir die Geschichte zugetragen, die ich leider nich verifzieren konnte: das war nur eine Notlösung gewesen. Als man das Kurmittelhaus seinerzeit baute, wurde mir erzählt, stellte man fest, dass man tiefer graben musste als vorgesehen, um endlich auf festen Grund zu kommen. Man stellte sich die Frage, was tun mit dem tiefen Loch? Und die Antwort: Bauen wir doch ein Schwimmbad rein. Ob es wirklich so war, kann ich nicht einwandfrei nachvollziehen, aber wie eine Notlösung kam es einem dennoch vor, das Becken war klein und etwas ungünstig konstruiert, da es an der einen Seite extrem flach war. Schwimmwettbewerbe beispielsweise von Schulen ließen sich hier nur unter Schwierigkeiten durchführen. In den 1990er Jahren wurde das Kurmittelhaus abgerissen und an seine Stelle das „Parkhaus West“ gebaut. Einige Zeit war Überlingen also „hallenbadlos“.

Dann kam man auf die Idee, nach Thermalwasser zu bohren. Die Idee kam nicht aus dem Nichts, Überlingen hatte schon seit dem 15. Jahrhundert eine Thermalquelle gehabt. Allerdings versiegte diese im Jahr 1901. Die Gründe dafür werden viel diskutiert, die meisten machen den Bau der Eisenbahntunnels unter Überlingen dafür verantwortlich. Andere wiederum sehen eine Kombination von Ursachen, etwa dass die Quelle sowieso nicht mehr ergiebig war und der Tunnelbau ihr nur den Rest gegeben hat. Wie dem auch sei, die Quelle versiegte, aber von ihrer Existenz zeugt der noch immer vorhandene „Bad-Turm“ in Überlingen. Das Bauwerk mit quadratischer Grundform kann man heute noch sehen, wenn man an der Uferpromenade entlang läuft und am Kursaal vorbei kommt. Doch trotz des Versiegens der Quelle wurden in Überlingen weiter Badekuren betrieben (vor allem nach dem Besuch von Sebastian Kneipp im Jahr 1891), womit sich die Stadt im Verlauf der Zeit einen Namen machte. 1955 bekam Überlingen schließlich das Prädikat „staatlich anerkannter Kneipp-Kurort“.

Als solcher war es natürlich ein unhaltbarer Zustand, kein Hallenbad zu haben, das auch im Winter besucht werden konnte. Es wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben, das einen Punkt ermittelte, wo mach nach Thermalwasser bohren sollte: im Areal des Überlinger „Strandbad West“, oder „West-Bad“, wie die Einheimischen sagen. Auf diesem Areal sollte bei erfolgreicher Bohrung dann auch das neue Thermalbad entstehen. Dagegen regte sich Widerstand. Die Befürworter hielten den Standort für ideal, da man hier Thermal- und Strandbad miteinander kombinieren konnte und mit der Seenähe natürlich einen einmaligen Platz hätte; die Gegner wollten nicht, dass ein Teil der Liegewiese des Bades verbaut wird. Eine durchgeführte Bürgerbefragung verfehlte jedoch die erforderliche Mindestteilnehmerzahl, um verbindliche Gültigkeit zu erlangen, und so beschloss der Gemeinderat am 16. Mai 2000, eine Probebohrung vorzunehmen, die erfolgreich war: Aus 1.000 Metern Tiefe sprudelte 36,2 Grad warmes Wasser. Laboruntersuchungen ergaben, dass es sich dabei um flouridhaltiges Natrium–Hydrogencarbonat–Chlorid–Thermalwasser handelt. Es ist für therapeutische Zwecke zur äußerlichen Anwendung bei Schädigungen des Bewegungsapparates geeignet.

Die Bodensee-Therme wurde 2003 eröffnet und war damit rechtzeitig vor dem Jubiläumsjahr 2005 anlässlich „50 Jahre Kneippheilbad Überlingen“ fertig gestellt. Das Gebäude erhielt 2005 beim Internationalen Architektur-Wettbewerb „ICO/IAKS Award“ die Goldmedaille. Die gesamte Front zum See hin besteht quasi aus Glas, womit man sowohl aus dem Schwimmbad- als auch aus dem Restaurantbereich immer einen Ausblick auf den Bodensee hat. Die Hauptkasse befindet sich im ersten Stock, wohin eine große Treppe führt – und natürlich ein Aufzug. Das Spindsystem des Bades funktioniert mit Chips, die während des Aufenthalts auch als Kredikarte fungieren. Jede Behandlung, jedes Essen oder Trinken oder auch den Besuch im Solarium wird auf den Chip aufgebucht und erst am Schluss, bei Verlassen des Bades bezahlt. Damit ist man nicht gezwungen, den Geldbeutel in den Badbereich mitzunehmen. Gleiches gilt während der Wintermonate auch für den Eintrittspreis, dieser wird erst beim Verlassen des Bades fällig. Der Chip ist auf einem Armband befestigt und einem bestimmten Spind zugewiesen. Im Bad gibt es Lesegeräte, auf denen man nachschauen kann, wie lange man schon in der Therme ist, was der Eintritt bislang kostet und was man bisher auf den Chip mit aufgebucht hat.

Während der Sommermonate, in der Regel von Mai bis September, muss allerdings den Eintritt schon beim Betreten des Bades bezahlen. Der Hintergrund ist der, dass man von der Therme aus auch in den Bereich des Strandbades kann und man vermeiden möchte, dass Gäste sich ohne zu bezahlen auf und davon machen. Allerdings gibt es da einen kleinen Haken: Wenn ein Gast seine bezahlte Badezeit überschreitet oder sich während seines Aufenthaltes etwas auf den Chip aufbuchen lässt (zum Beispiel Essen oder Trinken), wird der Chip für das Betreten des Strandbades gesperrt. Das heißt, der Gast muss erst seine Rechnung bezahlen, dann kann er wieder vom Therme- in den Strandbadbereich wechseln. Um Missbrauch zu vermeiden, gibt es allerdings kaum eine andere Lösung.

Der Umkleide- und Duschbereich befindet sich gleich hinter der Hauptkasse im ersten Stock. Von da aus geht es über eine Treppe oder einen Fahrstuhl nach unten, in den eigentlichen Badbereich. Dieser ist in drei Teilbereiche aufgeteilt: den Sport- und Thermalbereich, den Wellness- und den Saunabereich.

Im Sport- und Thermalbereich befindet sich ein 25-Meter-Sportbecken, zwei Rutschen, ein Eltern-Kind-Bereich, ein Dampfbad, ein zweigeteiltes Thermalbecken mit 33° Wassertemperatur und ein Whirlpool mit 36° Temperatur. Das Thermalbecken ist aufgeteilt in ein Innen- und ein Außenbecken. Vom Außenbecken aus blickt man direkt auf den Bodensee. Hier gibt es verschiedene Einrichtungen wie Sprudelliegen, Massagedüsen, Nackenduschen oder einen Strömungskanal. Gerade im Winter kann es sehr reizvoll sein, im warmen Wasser zu liegen und auf die verschneiten Wiesen zu blicken. Im Sommer befinden sich im Außenbereich noch verschiedene Flächen mit Liegen. Außerdem befindet sich hier der Durchgang zum Strandbad. Dieser ist mit einem Drehkreuz versehen. Um dieses zu passieren, muss man das Armband mit dem Chip vom Spind an eine Scannerfläche halten. Wie schon erwähnt wird man hier nur durchgelassen, wenn auf dem Chip kein Geldbetrag mehr offen ist. Im Sommer steht dem Gast damit das Areal des „Strandbad West“ ebenfalls zur Verfügung. Dieses wurde im Zuge des Thermebaus ebenfalls modernisiert, allerdings werden wir hier im EP-Blog auf dieses Bad in einem separaten Bericht eingehen. Der Zutritt zum Strandbad im Sommer ist im regulären Eintrittspreis der Therme mit eingeschlossen.

Bei den Rutschen handelt es sich um eine Reifen- und eine Breitrutsche, an denen vor allem jüngere Thermegäste ihren Gefallen finden dürften. Das Sportbecken hat Standardmaße und Startblöcke und ist daher zum Training sehr gut geeignet. Im hintern Teil des Thermebereichs befindet sich zudem ein Kneippbecken, wo man eine Kur nach Sebastian Kneipp machen kann (eine Tafel mit Erklärung befindet sich neben dem Becken).

Der Wellness-Bereich schließt sich unmittelbar an den Thermebereich an. Da dieser Bereich Zuzahlungspflichtig ist, muss man hier ebenfalls ein Drehkreuz passieren. Dabei wird einem der Aufschlag für den Wellnessbereich auf den Chip aufgebucht (natürlich nur einmal, danach kann man den Bereich so of verlassen oder betreten, wie man will). In diesem Areal befinden sich mehrere kleine Becken: ein Tauchbecken mit 14° Wassertemperatur, sowie kaskadenartig angeordnet mehrere Becken mit bis zu 37° Wassertemperatur. Hier gibt es ebenfalls Sprudelliegen und Massagedüsen. Außerdem wird in zwei der Becken Unterwassermusik gespielt. Gerade im obersten, dem wärmsten Becken, ist das sehr entspannend. Man legt sich auf eine Unterwasserliege, so dass die Ohren im Wasser sind und „relaxt“ bei Musik.

Zum See hin hat der Bereich noch eine Ruhezone mit Liegen, im Sommer kann man hier auch nach draußen. Auch von der Ruhezone aus hat man einen fantastischen Blick auf den See.

Vom Wellness- geht es direkt in den Sauna-Bereich. Auch hier wird nochmal ein Aufpreis fällig. Direkt hinter der Tür befinden sich zwei Duschen und Schränke für Taschen – hier beginnt der textilfreie Bereich. Der „Deutsche Sauna-Bund“ hat die Saunalandschaft der Bodensee-Therme mit dem Qualitätssiegel „SaunaPremium“ ausgezeichnet. Auch hier gibt es einen Innen- und einen Außenbereich. Der Innenbereich orientiert sich an japanischer Badekultur, es gibt ein Dampfbad und Saunaräume mit Temperaturen zwischen 60 und 80°.  Außerdem befindet sich hier ein Ruhebereich mit Becken für Fußbäder. Für die Abkühlung nach dem Saunagang findet der Gast verschiedene Duschen und ein Kältebecken.

Im Saunagarten stehen die See-Sauna und die Bootshaus-Sauna, sowie ein Ruhehaus. Die Saunas sind 90 und 85° warm und befinden sich direkt am See. Selbiger kann auch nach einem Gang zur Abkühlung benutzt werden. Allerdings sei darauf hingewiesen, dass der See im Winter ungefähr 4° C Wassertemperatur hat. Das ist nur für wirklich Hartgesottene etwas. In allen Saunas werden zu bestimmten Zeiten Aufgüsse unterschiedlicher Arten angeboten, von „normalen“ angefangen bis zu Salz- und Honigeinreibe-Aufgüssen.

Der Sauna-Bereich ist auch Dreh- und Angelpunkt der einmal im Monat von der Bodensee-Therme veranstalteten „Mitternachtssauna„. Diese findet am letzten Freitag im Monat statt (Abweichungen können sein) und geht von 22.00 bis 2.00 Uhr. Für einen pauschalen Eintrittspreis bekommt man halbstündliche Spezialaufgüsse und ein Buffet geboten, die unter einem bestimmten Motto stehen (Japan, Brasilien, 1001 Nacht und mehr). Bei der Mitternachtssauna kann man zudem den Wellness-Bereich und das Thermalbecken im Thermalbereich textilfrei benutzen. Ich selbst habe die Mitternachtssauna bereits mehrmals besucht und bin jedes Mal wieder begeistert. Man lässt sich hier wirklich etwas einfallen und der Pauschalpreis für Saunabesuch und Essen angemessen.

Über dem Sport- und Thermalbereich befindet sich zudem das Restaurant der Bodensee-Therme. Hier gibt es kleine und große Speisen, Getränke, Snacks und Eis. Wer nicht die Badezeit dafür nutzen möchte, um zu essen, für den gibt es eine Alternative: das Restaurant hat einen zweiten Bereich direkt an der Kasse. Man kann das Bad also verlassen, womit die zahlungspflichtige Badezeit endet, und sich dort hinsetzen und beim Essen Zeit lassen. Das Restaurant wird ausgezeichnet, besonders Familienfreundlich zu sein und hat das Zertifikat „Gutes vom See“ erhalten.

Außerdem bietet die Therme noch verschiedene Anwendungen wie Massage  und Schönheitsbehandlung oder Wassergymnastik an. Direkt bei der Kasse gibt es zudem einen kleinen Laden. In diesem können Sie verschiedene Badeartikel, Badeanzüge und -hosen, Bikinis, Schwimmbrillen, Schwimmflügel, Handtücher und mehr kaufen. Sollten Sie also feststellen, dass Sie etwas vergessen haben, schauen Sie hier doch mal rein.

Thomas Gottschalk in der Bodensee-Therme Überlingen / (c) Bodensee-Therme Überlingen
Thomas Gottschalk in der Bodensee-Therme Überlingen / (c) Bodensee-Therme Überlingen

Sollten Sie mit dem Zug kommen, so ist der ehemalige „West-Bahnhof“, jetzt „Haltepunkt Therme“ der Punkt, an dem Sie aussteigen müssen. Die Therme befindet sich knapp 100 Meter weiter auf der anderen Straßenseite. Gäste, die mit dem Auto kommen, können auf dem großen Parkplatz beim Bahnhof kostenlos parken und auf dem Parkplatz direkt neben der Therme zu einem verbilligten Tarif. Dazu geben Sie Ihren Parkchip beim Verlassen der Therme an der Kasse ab, wo die Parkzeit gelöscht wird.

Mein persönliches Fazit: Egal, ob man ein paar Stunden Entspannung sucht oder einen ganzen Wellness-Tag (dafür gibt es übrigens auch spezielle Angebote) oder auch „richtig“ schwimmen möchte – die Bodensee-Therme Überlingen bietet hier für jeden etwas. Und der Standort direkt am See ist wirklich etwas besonderes.

Seit ihrer Eröffnung 2003 nahmen die Besucherzahlen beständig zu, so dass unter anderem der Saunabereich schon erweitert werden musste. Und nicht nur, dass hier schon mal ein Film gedreht wurde, auch Prominenz lässt sich ab und zu in der Bodensee-Therme sehen. Zum Beispiel Thomas Gottschalk, wie auf nebenstehendem Bild zu sehen. Sollten Sie also mal am Bodensee sein, schauen Sie sich das ganze doch mal an. Die Bodensee-Therme gehört übrigens mit den Thermen Meersburg und Konstanz zum so genannten „ThermeTrio“. Für einen vergünstigten Pauschalpreis erhalten Sie Tageseintritte zu diesen drei Thermen auf einem Ticket. Außerdem gibt es noch die Möglichkeit, sich Geschenkgutscheine ausstellen zu lassen. Für mehr Informationen, Öffnungszeiten und Preise werfen Sie doch einfach einen Blick auf die Webseite der Therme: www.bodensee-therme.de.

2 Gedanken zu „Bodensee-Therme Überlingen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.