Störtebeker-Festspiele 2016: „Auf Leben und Tod“

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Foto: Jens Köhler www.bildermeer.com / © Störtebeker Festspiele GmbH und Co. KG
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© Störtebeker Festspiele GmbH und Co. KG

Seit 1993 finden auf der Insel Rügen, genauer gesagt am Ufer des großen Jasmunder Boddens, die „Störtebeker-Festspiele“ statt. Dabei handelt es sich um ein Freilufttheater, in dessen Mittelpunkt der Seeräuber Klaus Störtebeker steht, der mit seinen Vitalienbrüdern Ende des 14. Jahrhunderts die Ostsee befuhr. Die Produktion ist sehr aufwändig gestaltet, mit über 140 Statisten, 20 Schauspielern, Pferden, anderen Tieren, Effekten und großen Kulissen. Die Produktion in diesem Jahr trägt den Titel „Auf Leben und Tod“.

Wir schreiben das Jahr des Herrn 1397. Eisige Winde wehen über die Baltische See. Der Krieg zwischen der mächtigen Dänenkönigin Margarete und Albrecht III. von Mecklenburg ist beendet. Den Piraten um Klaus Störtebeker und Goedeke Michels sind die Häfen verschlossen. Der Papst hat auf Druck der Kirche und der Hanse den Bannfluch über die Vitalienbrüder verhängt und sie für vogelfrei erklärt. Bei Sophia von Pommern-Wolgast, in Visby auf Gotland, haben sie Unterschlupf gefunden. Hier lässt die Herrin der Insel den dänischen Adligen Sven Sture, einen Piraten, das Zepter führen.

Das Mecklenburger Herrscherhaus, Königin Margarete von Dänemark, die Hanse und auch der Deutsche Orden müssen handeln. Haben sich doch inzwischen über 4.500 Piraten auf Gotland versammelt. Von dort aus ziehen sie raubend über die Ostsee, sodass fast der gesamte Handel zum Erliegen kommt.
Auf der Marienburg schlägt das Herz des Deutschen Ordens. Konrad von Jungingen, Hochmeister der Bruderschaft, ist mächtig, skrupellos und tiefgläubig. Mit dem Ziel, die Piraten endgültig zu vernichten, lässt er die größte Flotte aufstellen, die die Baltische See jemals gesehen hat: 84 Schiffe, besetzt mit 400 Pferden und 4.000 Mann in Rüstung, ausgestattet mit Vorräten und allem, was man zur Kriegsführung benötigt. Während es sich die Piraten auf Gotland gut gehen lassen, versuchen alle beteiligten Seiten, sich ihre Pfründe bezüglich Gotlands zu sichern. Aber alle Verhandlungen scheitern. Konrad von Jungingen ist nicht länger bereit, auf mögliche Unterstützer oder Allianzen zu warten. Mit seinem waffenstrotzenden Heer gelingt es ihm, unbemerkt nach Gotland zu segeln und alle kleinen Piratenstützpunkte auszuschalten. Gerade als Goedeke Michels und seine Fronica den Segen für die lang ersehnte Hochzeit erhalten sollen, zieht der Ritterorden vor die Tore Visbys.

Die Stadt wird unter Beschuss genommen. Aber Visby ist gut gerüstet. Da ein langer Kampf mit viel Blutvergießen droht, einigt man sich, wie es oft in der Geschichte mittelalterlicher Schlachten üblich war: Um Menschen und Land zu schonen, soll jede Partei einen Kämpfer stellen. Während Herzog Johann IV. von Mecklenburg die Stadt übergeben will, stellt sich Störtebeker der Herausforderung – unter der Bedingung, dass die Piraten im Falle eines Sieges freien Abzug erhalten. Von Jungingen stimmt zu. Es beginnt ein Kampf auf Leben und Tod…

Die Legende von Klaus Störtebeker

Die Sage von Klaus Störtebeker ist in verschiedenen Regionen verbreitet, was sicher auf den Aktionsradius der Vitalienbrüder im Bereich der Ost- und Nordsee zurückzuführen ist. So trifft man die Sage in Pommern, Mecklenburg, Hannover, Hamburg, Holstein und Ostfriesland an, was eine ganze Reihe unterschiedlicher Herkunftsorte und Familienzugehörigkeiten für Klaus Störtebeker und Goedeke Michels zur Folge hat. Hamburg, Halsmühlen bei Verden, Wismar, Rügen, Michaelsdorf bei Barth etwa, werden als Herkunftsorte der Seeräuber genannt. Die soziale Herkunft der beiden wird auch nicht einheitlich angegeben, sondern bewegt sich vielmehr in der Spannbreite zwischen Knechten und mecklenburgischen oder ostfriesischen Adligen.

Sicher hat der eigentümliche Name „Störtebeker“ zur Verbreitung des Seeräuberstoffes beigetragen, so wie er zudem dafür sorgte, dass Goedeke Michels dahinter zurücktreten musste. Der Name bezeichnet ursprünglich wohl ein Gefäß, einen „Becher mit Stürze oder Deckel“. Im übertragenen Sinne von „Stürz den Becher“ schien dieser Name die Trinkfestigkeit des Seeräubers zu beweisen. Und so will es die Sage, dass Störtebeker erst dann Aufnahme in die Mannschaft des Goedeke Michels fand, nachdem er gleich zweimal einen großen Becher in einem Zuge geleert hatte. So wie er auch ein Handeisen zerbrach und ein dreimal um einen Mast geschlungenes Hanftau zerriss.

Fast unübersichtlich ist die Sagengruppe, die sich mit den Schlupfwinkeln der beiden Likedeeler befasst. Im mecklenburgischen Raum gibt es besonders viele Höhlen und unterirdische Gänge, Burgen und Schlösser, die tatsächlich existieren, nicht mehr existieren oder aber niemals existiert haben. Auch Kirchen, Klöster und Türme, in die sich die Seeräuber zurückzogen, um vor Verfolgung sicher zu sein, soll es in Ostfriesland, Holstein und Mecklenburg gegeben haben. Zwei der bekanntesten Verstecke sind die Störtebekerhöhle bei Stubbenkammer auf Rügen und der Turm von Marienhafe in Ostfriesland. Neben der Höhle von Stubbenkammer werden noch eine Reihe weiterer Schlupfwinkel auf Rügen genannt.

Zu richtigen Seeräubern gehört natürlich auch ein Seeräuberschatz. Fast überall dort, wo Störtebeker sich verborgen haben soll, vermutet man einen Schatz, den natürlich noch niemand gefunden hat und wahrscheinlich auch nie jemand finden wird. Über den Inhalt des Schatzes gibt es höchst unterschiedliche Vorstellungen. Eine goldene Kette, eine goldene Wiege, ein goldener Backtrog, ein goldener Becher, eine silberne Tafel und kostbare Gewänder sollen dazugehört haben.

Einen großen Teil seines Reichtums hat Störtebeker angeblich in den Masten seiner Schiffe verborgen – darunter geschmolzenes Gold, Goldbarren, Kupfer oder auch Münzen, was nach seinem Tod entweder einem armen Tagelöhner oder Schuster, der die Masten ersteigert hatte, zufiel oder einem Zimmermann, der zufällig mit der Axt gegen einen der Masten schlug und dabei den verborgenen Schatz entdeckte.

Auch über die Verwertung dieser Reichtümer kursieren sagenhafte Mutmaßungen. Einer Version zufolge kamen sie der Hamburger Stadtkasse zugute, da danach die Hamburger Kirchen mit dem bei Störtebeker gefundenen Kupfer gedeckt worden sind.

Da Störtebeker und Michels in der Volkssage ausgesprochen beliebt waren und zwar als hart, aber gerecht und sozial eingestellt geschildert werden, haben die beiden der Überlieferung nach auch Stiftungen vergeben. So soll Störtebeker in Verden dafür gesorgt haben, dass den Armen und den am Dom Beschäftigten einmal im Jahr Brot und Heringe gespendet wurden. Diese Sitte hat sich bis in unsere Tage erhalten.

Der reale Hintergrund von „Auf Leben und Tod“: Die Vertreibung der Vitalienbrüder aus der Ostsee 1398

Die Hanse, die im Jahr 1397 keine Schiffe gegen die Seeräuber in die See gelegt hatte, und Konrad von Jungingen beschwerten sich bei Albrecht von Mecklenburg heftig über die von Gotland ausgehende Gefahr für den gemeinen Kaufmann. „Der König schrieb daraufhin dem Hochmeister, dass er nicht daran schuld sei, dass es so viele Seeräuber geworden seien, die Gotland in ihre Gewalt gebracht hätten, noch stünde es in seiner Macht, sie davonzujagen, noch würde irgendjemandes Recht gegen sie helfen. Also hielten die Seeräuber das Land mit Gewalt in ihrer Hand.“ Zwar mag der Mecklenburger mit dieser Antwort auch versucht haben, die Verantwortung für die von Gotland ausgehenden Raubzüge von sich zu schieben, aber man muss doch seine Einschätzung der Situation auf der Insel ernst nehmen. Denn nach diesem Briefwechsel mit dem Hochmeister und der Hanse versuchte er mit der Entsendung seines Vetters, Herzog Johanns des Jüngeren von Mecklenburg, die Kontrolle über die Insel wiederzugewinnen. Johann wollte mithilfe der Bürger von Visby Sven Sture unter Druck setzen, was aber an der Überlegenheit des Hauptmanns der Vitalienbrüder scheiterte. Auch der Bericht des Hochmeisters über diesen fehlgeschlagenen Versuch gesteht ein, dass die Bürger Visbys gegen Sven Stures Gefolge keine Chancen hatten.

Die Lage auf Gotland war den Mecklenburgern völlig entglitten, und die Seeräuber hatten unter der Führung der Witwe Erichs und Sven Stures einen umfangreichen Kaperkrieg gegen die Kaufleute in der Ostsee aufgenommen, unabhängig davon, woher sie stammten. Damit machten sich die Vitalienbrüder alle Mächte zu Feinden. Es war nur eine Frage der Zeit, wann die Hanse sich zu energischen Aktionen gegen Gotland aufraffen würde. Auch Königin Margarete sann auf Vergeltungsmaßnahmen, wie aus einem Brief vom 6. Juli 1397 hervorgeht, in dem sie in Lübeck anfragt, was die Hanse eigentlich zu tun gedenke, um „die Seeräuber mit Macht aus der See zu bringen“. Gegen Ende des Jahres 1397 begann Margarete, mit Erichs Witwe zu verhandeln, mit dem vermutlichen Ziel, Gotland wieder unter ihre Herrschaft zu bringen. Nun musste auch der Deutsche Orden irgendetwas unternehmen. „Für den Orden waren die faktischen Herren des Landes, die Vitalienbrüder, eine ständige Gefahr, mit der er gerade in Livland in diesem Jahr so heftig hatte ringen müssen. Außerdem litt der Handel der preußischen Städte jetzt unerträglich.“

Hinzu kam noch die Besorgnis des Deutschen Ordens vor einer Ausdehnung der Macht der durch die Kalmarer Union gestärkten Königin Margarete, sodass sich der Hochmeister nach der Bewältigung der Krise um Livland im Winter 1397/98 zu einer energischen Aktion gegen Gotland entschloss. Sein Eingreifen rechtfertige Konrad von Jungingen später so: „Danach (nach der gescheiterten Intervention Herzog Johanns) nahm der gemeine Kaufmann einen gar zu großen Schaden, besonders das Land Preußen und Livland; und dieses länger zuzulassen, wäre unverantwortlich gewesen.“

Anfang 1398 schickte Johann von Mecklenburg einen Gesandten zum Hochmeister, um ihn zu beschwichtigen und ihn zu überzeugen, dass in Zukunft keine Raubzüge mehr von Gotland aus unternommen werden würden. Der Hochmeister wurde sogar um Lebensmittellieferungen nach Gotland gebeten. Diese Botschaft stieß bei Konrad von Jungingen auf taube Ohren. Schon allein die realen Machtverhältnisse auf der Insel ließen eine berechtigte Hoffnung auf die Einlösung der Zusagen Johanns von Mecklenburg nicht zu. Im Übrigen waren die Würfel zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit schon gefallen, und die Vorbereitungen für eine militärische Intervention des Deutschen Ordens auf Gotland waren in vollem Gange. Entsprechend zurückhaltend fiel die Antwort des Hochmeisters aus. Die geplante Aktion wurde noch streng geheim gehalten. Vor allem Königin Margarete sollte so lange wie möglich nichts über die Pläne des Deutschen Ordens erfahren, aber auch die Hanse blieb zunächst uneingeweiht. Der Alleingang wurde später damit gerechtfertigt, dass man einer Zusammenführung der Seeräuber aus allen Gebieten der Ostsee zuvorkommen wollte. Außerdem verwies der Hochmeister auf den Nutzen, der „dem Kaufmann“ aus der Aktion des Ordens erwachse. Und die Geschichte nahm ihren Lauf.

Die Störtebeker-Festspiele sind eröffnet!

Die Bühne der Festspiele liegt direkt am großen Jasmunder Bodden, unterhalb von Schloss Ralswiek. Wobei „Bühne“ als Bezeichnung nicht ganz zutrifft, hier finden sich keine Bretter, stattdessen ist ein Strandabschnitt umfunktioniert worden. Große Kulissen und Effekte unterstützen die Schauspieler beim Erzählen der Geschichte und selbst das Wasser wird eingebunden: Störtebekers Kogge geht genauso vor Anker wie Schiffe anderer Beteiligter in der Handlung. Jeden Abend gibt es zudem ein Feuerwerk.

Die Störtebeker-Festspiele 2016 beginnen am heutigen 18. Juni und haben die letzte Vorstellung am 3. September. Die Aufführung findet von Montag bis Samstag statt, beginnt um 20.00 Uhr und endet gegen ungefähr 22.30 Uhr. Die Ticketpreise für erwachsene Einzelpersonen beginnen bei 12 Euro, es gibt Ermäßigungen für Familien und Gruppen. Außerdem gibt es noch ein Vorprogramm mit dem Titel „Könige der Lüfte“, das optional mit besucht werden kann, allerdings einen kleinen Extrapreis kostet. Aktuelle Informationen, Preise und Buchungsmöglichkeiten gibt es auf der offiziellen Webseite der Festspiele.

Fürs leibliche Wohl ist gesorgt: Gasthaus „Zum Störti“

Seit nunmehr 20 Jahren werden die hungrigen und durstigen Gäste auf dem Gelände der Störtebeker Festspiele vom hauseigenen Störtebeker Catering Service versorgt. Jeden Spieltag ab 17.30 Uhr stehen bis zu 45 Mitarbeiter bereit, um den Ansturm von tausenden Besuchern zu bewältigen. Besonders beliebt bei den Gästen sind das „Störtifeuer“, ein Kräuterlikör, der extra für das Gasthaus produziert und abgefüllt wird, sowie der „Störtisekt“ und „Störtwein“. Der Sekt und Wein werden mit dem jeweiligen Jahresplakat bedruckt und sind so zu einem begehrten Sammlerartikel bei den Gästen geworden.

Seit 16 Jahren öffnet zudem jährlich von April bis Silvester das Restaurant „Zum Störti“ direkt neben unserer Naturbühne Ralswiek. Eine regionale, frische Küche steht den Gästen hier
zur Verfügung. Ob nun „Störtis Kinderkochschule“ oder Familien- und Betriebsfeiern, das Küchen- und Serviceteam erfüllt fast jeden Wunsch. Ebenso werden die Mitarbeiter und Künstler der Festspiele jährlich mit bis zu 3.700 „Personalessen“ bekocht, weshalb das Restaurant von Ihnen auch oft liebevoll „Kantine“ genannt wird. Ganz nah dran ist auch der Eisbecher – über 5.000 Kugeln Eis werden aus der Küche gerollt.

Mehr Informationen finden Sie auf der offiziellen Seite des Gasthauses „Zum Störti“.

Noch mehr Wissenswertes über Klaus Störtebeker in Buchform

(c) Campus Verlag
(c) Campus Verlag

Professor Doktor Matthias Puhle ist Fachmann für die Geschichte der Hanse an der Ostsee. Dass man dabei auch über die Gestalt von Klaus Störtebeker stolpert, ist fast unvermeidlich. Professor Puhle hat dem berühmten Seeräuber und seinen Mannen ein ganzes Buch gewidmet, in dem er dessen Geschichte und die der Vitalienbrüder aufzeigt, die Legenden auf ihren wahren Kern untersucht und in einen historischen Kontext stellt. Damit handelt es sich um das ideale Begleitmaterial zu den Festspielen, entweder als Einstimmung auf die Vorführungen oder als Nachbereitung – was ist wahr, und was ist Legende? Denn dass Klaus Störtebeker wirklich existiert hat, das ist unbestitten.

Das Buch „Die Vitalienbrüder: Klaus Störtebeker und die Seeräuber der Hansezeit“ kann hier direkt bestellt werden*.

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Und noch mehr: Konzerte und andere Veranstaltungen

Rügen bietet noch mehr, das den Rahmen dieses Artikels aber spregen würde, deshalb kommen wir in den nächsten Tagen nochmal darauf zurück. Eine Sache sollte allerdings noch erwähnt werden: Auf der Naturbühne Ralswiek finden zwei Konzerte der Gruppe Santiano statt. Eigentlich war es eine Veranstaltung, da diese aber schon nach kurzer Zeit ausverkauft war, wurde am 9. September ein Zusatztermin eingerichtet. Mehr dazu auf der Webseite des Veranstalters Krauß Events.

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Quellen:

  • Offizielle Pressemappe der Störtebeker-Festspiele Rügen
  • Professor Dr. Matthias Puhle: „Die Vitalienbrüder: Klaus Störtebeker und die Seeräuber der Hansezeit“, ebenfalls der Pressemappe der Störtebeker-Festspiele Rügen entnommen
  • Offizieller YouTube-Kanal der Störtebeker-Festspiele
  • Offizieller YouTube-Kanal von Universal Deutschland
  • Bild: www.bildermeer.com, lizensiert durch Störtebeker-Festspiele Rügen

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