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Schlagwort: Amrum

Die Magie der Winterstrände

Die Nordseeküste im Winter - Bild (c) Alexander Seidlich / www.nordseetourismus.de

Die Nordseeküste im Winter – Bild (c) Alexander Seidlich / www.nordseetourismus.de

Wenn der Sand nicht nur knirscht, sondern knistert. Wenn es am Strand auch im Gesicht prickelt, weil Winter an der Nordsee ist – dann wird aus dem Meer (und seinem Strand) pure Magie. Ob brüllende Böen oder ein eisiger, leiser Hauch; tiefes Durchatmen ist garantiert. Und wegen des einzigartigen Lichtes gibt es die Gänsehaut nicht nur wegen der Temperaturen, sondern auch wegen phantastischer, fast feierlicher Stimmungen. Dazu: Innere Ruhe, Abstand und Stille. Im Winter, wenn nicht nur das Meer glitzert, sondern nach einer frostigen Nacht auch das Land nebenan. Besonders schön an einer winterlichen Strandwanderung ist gewiss das Aufwärmen in der guten Stube danach. Die Behaglichkeit.

St. Peter-Ording

Die Seebrücke ist lang und leer, in sanften Wellen führt der Holzsteg vor St. Peter-Ording hinaus; über die Salzwiesen, an den Strand, und manchmal direkt ins Wasser. Der Himmel über der Nordsee ist pastellrosa, flieder und hellblau in zarter Sanftheit. Herbstliches Sauwetter ist fortgezogen, hat dem Winter Platz gemacht. Heute Abend, zur „Blauen Stunde“, wird auch er auf dem großen, grandios leeren Strand vor St. Peter-Ording angekommen sein. Nebelschwaden steigen aus der Salzwiese auf.

Bald werden die Laternen auf der Seebrücke ihr sanftes Licht in die beginnende Nacht werfen. Und dieser kalten Atmosphäre Licht und Wärme spenden, was ein schöner Kontrast ist. Im Dunst der Brandung ist die Silhouette eines Pfahlbaus zu erkennen; noch ist die „Arche Noah“ nicht illuminiert; doch nicht mehr lang, und die gastliche Stätte wird mit einladendem Licht gleichermaßen Verheißung wie Orientierung für die paar Leute sein, die sich noch in der dämmerigen Unendlichkeit auf dem Sand verlieren. Es wird Abend und die Sonne steht als milchiger, verlaufener Fleck orangerot knapp über dem Meer.

Aus dem Osten kriecht langsam die Nacht – klar und kalt – über die Dünen und das Gras knistert leise im frostigen Hauch. Ein sanfter, jedoch eisiger und unerbittlicher Zug weht vorbei und es prickelt im Gesicht. Nun bekommen Dünen, Sand und Strand einen blauen Schimmer, das Licht der „Blauen Stunde“ flutet über diese Szenerie. Eine Gänsehaut gibt es nicht nur wegen der Temperaturen, denn es ist schön und erhaben in der Reinheit und Stille, fast feierlich. Ganz zart und leise hat sich der Winter angeschlichen und auf dem feuchten Sand wachsen kleine Eiskristalle.

Diese Stunde, die Blaue, ist die wohl schönste am winterlichen Strand. Noch ist es nicht ganz dunkel, aber die Sonne steht schon hinter dem Horizont und leuchtet indirekt diese Landschaft in einzigartigen Blautönen aus. Auch der Meerschaum schimmert zaghaft blau, bevor er vom Wind verweht wird. In der Brandung leuchtet eine einzelne Bake und ihre orangerote Markierung ist ein Wegepunkt zum heutigen Ziel: Die Lichterkette des „Restaurant Arche Noah“ leuchtet festlich und wie eine freundliche Einladung. Was für ein Versprechen in dieser beginnenden, ersten Winternacht am Nordseestrand: Wohlig, warm und gut aufgehoben sein – zum Beispiel gleich hier – und ein paar Augenblicke später sieben Meter über dem Strand von St. Peter-Ording zusehen, wie der Winter gekommen ist.

Föhr

Es geht weiter in den Norden, hinüber auf die Inseln – dort liegen die großen Strände; riesige, leere Räume mit viel Platz für sich selbst. Das Wasser ist weit abgelaufen, erfrischender Wind weht über die offene Wattfläche. Wenn das Watt im Sommer manchmal muffig riecht, dann an diesem Morgen so, als ob man die Kühlschranktür öffnet und die Nase in einen Sack kalter Miesmuscheln steckt; nach dem Meer, klar und köstlich. Am Horizont stehen wie akkurat ausgeschnitten die Silhouetten der Halligen – Langeneß und Hooge vor dem reinen, ausgefrorenen Himmelsblau.

Allein die Möwen und deren sehnsuchtsvolle Rufe begleiten den einsamen Wanderer auf der zunehmend leerer werdenden Strecke von Wyk nach Westen. Föhr hat seinen Sandstrand im Süden der Insel zwischen Wyk und Utersum, das verspricht stille Stunden Spazierengehen. Zeit für den Gang durch den Sand und Muße, sich darin und dabei zu verlieren. Strandhafer in der Farbe von Messing wippt einsam im Wind, übrig geblieben vom letzten Sommer. Und leise klirren die Schritte dort, wo aus stillem Nordseewasser über Nacht Eis geworden ist.

Niemand stört oder steht dem Blick bis zum Horizont im Weg. Vor dem blauen Himmel wirken die Silhouetten der Kiefern beinahe schwarz, die Dünen leuchten im Kontrast. Das kalte, nordische Licht flutet auf eine aufgeräumte und vom Winterwind leergefegte Bühne. Bald ist der Weg nach Nieblum erreicht; wer mag, kann sich beispielsweise gleich hier im „Kliff-Café“ mit Kaffee und Kuchen, mit Waffeln und beim Meerblick stärken oder im nahen Friesendorf Nieblum mit seinen Bilderbuch-Reetdach-Häusern aufwärmen. Etwas weiter liegt das Dorf Alkersum, dort empfiehlt sich „Grethjens Gasthof“ im Museum Kunst der Westküste für einen stilvollen Ausklang.

Winterwanderungen am Strand führen oft zu einer Losgelöstheit; ist es die Leere, ist es das besondere Licht? Die Klarheit und die Reinheit? Alles zusammen? Oder liegt es daran, dass die Gedanken in dieser Aufgeräumtheit plötzlich Platz haben zu fliegen? An einer selten erlebten Unbeschwertheit und Leichtigkeit? Oder sind es – neben der Stille und Aufgeräumtheit – die ungezähmten Naturgewalten, wenn das Meer tobt und kracht und man selbst allenfalls eine Randnotiz ist und Spielball im Wind? Am winterlichen Strand findet sich etwas, das unbezahlbar doch völlig kostenlos ist: Ruhe. Auch innere. Und überhaupt: Kann man das aushalten. Es nennt sich Freiheit.

Amrum

Der Blick von Föhr reicht über das Meer hinüber nach Amrum, dort liegt vor dem wilden Wintermeer ein riesiger Strand. Im Winter ist dieser Sand wohl die ultimative Einsamkeit und Wildheit, da draußen, ganz weit weg. Vielleicht gibt´s sogar Schnee, denn heute Nacht zieht der Himmel zu. Amrum wird durch einen mächtigen Dünenwall vor der Nordsee geschützt. Zwischen den Dünen und der Nordsee liegt der Kniepsand. Eine gigantische Sandfläche, eine Wüste am Wasser, in der es manchmal sogar schneit. Endlos schlagen die Schritte in den Sand; erst durch die Hohlwege in der Dünenlandschaft, dann durch die Ebene des Kniep. Der Wind türmt in ewiger Abfolge kleine Sanddünen auf die Fläche, dahinter nun kleine Schneeverwehungen. Das ferne Grollen der Nordsee ist schon beim Abstieg durch die Dünen zu hören, nun schmeckt man das Meer und spürt es.

Sand jagt gemeinsam mit Schnee in Schlieren vorüber – hier draußen herrschen Einsamkeit und Wind und eine völlig surreale Atmosphäre. Ungefähr in der Mitte liegt ein Dünenfeld auf dem Kniepsand, es gehört nicht zur Dünenkette, die Amrum im Westen abschließt. Anfangs nur mit dem Fernglas zu erkennen, heben sie sich zögerlich unter dem Wind empor. Vielleicht holt sich die Nordsee dieses Land im nächsten Wintersturm schon wieder.

Kaum anderswo wird Vergänglichkeit so deutlich wie hier, aber Winterwanderungen am Strand bedeuten auch: den nötigen Abstand zum Alltag, Innehalten und Auftanken. Und was im Winter besonders schön ist (und das kriegt sommers kein noch so bunter Drink oder ein kühles Bier hinterher hin): das Aufwärmen danach. Sei es – im Falle Amrums – zum Beispiel mit Kaffee und Kuchen im Café Schult oder Hotel Hüttmann in Norddorf oder abends in der „Blauen Maus“, eine der besten Whisky-Bars Deutschlands, in Wittdün.

Sylt

In Deutschland ganz oben liegt Sylt. Die Nacht war kalt, die Feuchtigkeit fiel mit dem Frost und glitzernder Reif funkelt am frühen Morgen, die Dünen wie gezuckert. So knirschen die Schritte und klirren dort, wo Pfützen gefroren sind. Buhnen wie glasiert vom Eis, und wenn die Brandung nach starkem Frost Eisgrießel zusammenschiebt, dann ist der Strand eine magisch-schöne Kulisse.

Immer am Weststrand der Insel Sylt längs nach Norden und am Leuchtturm dann nach rechts auf den Ellenbogen. Unter dem Leuchtturm von List West geht es vorbei am Ostindienfahrer Huk – mit Namen wie zum Beispiel „Sansibar“ oder „Samoa“ hat Sylt schöne, exotische Ortbezeichnungen, die gerade im Winter die Phantasie anregen und Appetit auf was Wärmendes machen (das später bedient werden kann). Hier an dieser Ecke der Ostindienfahrer strandete einst ein Kaufmannsschiff. Ostindien! Das klingt nach Wärme und nach fernen Ländern. Schmeckt man schon im Geiste Spezerei und Kaffee? Heute sieht man hier eine weiße Brandung, die unter dem gleichmütig-grauen Himmel zischend auf dem Sand ausläuft. Hier biegt der Strand nach Osten ab, hier fängt der Ellenbogen an – ein langgestreckter Finger aus Sand, umtost von der See und der wohl einsamste Strand der Insel Sylt.

Und eben Deutschlands nördlichste Gegend, das Hoch im Norden. Der Wind nimmt zu, schiebt hier Wolken zusammen und reißt dort den Himmel auf, Lichtspiele zaubern wechselnde Szenen zwischen Himmel und Erde, Wolken jagen vorüber, Wellen rollen über den Sand. Der Ellenbogen ist urwüchsig, von Dünen gesäumt und mit stillen Heidetälern, in die sich Schafe ducken. Dies ist eine wilde, nordseetypische Szene und natürlich mit – noch einem – Leuchtturm obendrauf. Strandhafer wogt wie eine goldene Welle über die Hügel am Strand, ein Hohlweg führt durch die Dünen, es ist verwunschen. Das Leuchtfeuer von List Ost leuchtet in der Sonne.

Unten liegt das Meer; je nach Lichteinfall mal freundlich türkis, mal dunkel und drohend. Bunte Tonnen tanzen auf den Wellen. Die Luft schmeckt salzig. Und mitten im Nirgendwo taucht plötzlich ein kleines Schild auf, versteckt am Dünenrand, einsam und halb zugesandet: 55 Grad Nord, drei Minuten und ein paar Sekunden – Willkommen an der nördlichsten Landstelle Deutschlands! Auf dem Rückweg der Gedanke an behagliche, warme Wohnstuben. Am Ostindienfahrer Huk dann eine konkrete Idee; da war doch was …! Die Kaufleute zur See trotzen einst Wind und Wellen und brachen auf, und sie brachten etwas zurück an diese kalte Küste: Tee, Kaffee, Spezereien zum Beispiel.

Was Wärmendes in dieser Wildheit, ja, das täte gut. Schließlich ist man ganz oben angekommen. Tee, Kaffee und Schokolade. Und wo, wenn nicht auf Sylt – ein paar Beispiele zum Aufwärmen: für Tee empfiehlt sich das „Kontorhaus“ Keitum, für Schokoladen und Kuchen das „Café Wien“ in Westerland“, für Kaffee die „Kaffeerösterei Sylt“ am Hafen von Rantum.

Weitere Tipps für schöne Wintererlebnisse im Wattenmeer sowie Unterkunftsangebote finden sich in der Broschüre „nordsee Winterfrische“ sowie auf www.nordseetourismus.de/winterangebote

Quelle: Nordsee Tourismus

 

Wellness und Meer

Eine wohltuende Algenpackung im Syltness Center. Bild (c) Insel Sylt Tourismus Service

Eine wohltuende Algenpackung im Syltness Center. Bild (c) Insel Sylt Tourismus Service

Salz auf der Haut und eine erfrischende Brise vom Meer – das sind nur einige der Zutaten, aus denen sich das berühmte Reizklima an der Nordsee zusammensetzt. Spaziergänge am Flutsaum der Nordsee sind daher nicht nur gut für die Kondition, sondern auch pure Heilkraft. Denn mit jedem Atemzug wird jene Mischung aus fein zerstäubtem Meerwasser, Salz, Jod und Spurenelementen in die Lunge gepustet.

Eine ideale Ergänzung zu den natürlichen Heilfaktoren bilden die Wellness-Einrichtungen entlang der Küste und auf den Inseln, die mit Thalassoanwendungen und Heilschlick ebenfalls auf die Heilkräfte des Meeres setzen. Wellness im Winter ist ein wahrer Kurzurlaub für Körper, Geist und Seele: Meerwasserbäder beruhigen die Sinne, Hot-Stone-Massagen lösen Verspannungen. Schlickpeelings reinigen die Haut und verwöhnen sie mit kostbaren Mineralien. Anschließend kann man den Kreislauf beim Saunagang beleben und neue Lebensgeister sind garantiert geweckt.

Sylt

Auf Sylt findet sich das größte Angebot im Syltness Center, einem Day Spa in Westerland. Zwischen Brandung und Dünen gelegen, entspannt man hier im Meerwassersprudelbad oder genießt eine Algenbehandlung oder eine Schlickpackung. Sylter Heilschlick ist besonders feinkörnig und enthält Mineralien wie Kalzium, Kalium, Phosphor und Schwefel. Gerade nach einem langen Strandspaziergang erwärmt eine solche Packung die Haut langsam und schonend und regt Stoffwechsel und Durchblutung an. Und wem die Brandung an der Sylter Westküste nicht genügt, der kann die heilende Wirkung des Meeres mithilfe von Hightech noch erhöhen: Durch Ultraschall wird das Meerwasser im Syltness Center 200-mal feiner zerstäubt als die Nordseebrandung es kann, die heilenden Wirkstoffe dringen tief in die Atemwege ein und befreien sie.

Ein heißer Tipp für kühle Tage: Der Besuch einer der fünf Strandsaunen längsseits der Westküste ist ein Wechselbad der Gefühle zwischen Hitzewallung und Gänsehaut: Erst im Angesicht schäumender Wellen schwitzen, danach zur Abkühlung ein Tauchbad in den erfrischend-kühlen Fluten der Nordsee. Auch im Herbst und Winter sind einige Strandsaunen auf Sylt geöffnet, z.B. die Strandsauna in Hörnum und in Kampen.

www.sylt.de/sylturlaub-ist/wellness.html

Amrum

Auch in der kühleren Jahreszeit kann man auf Amrum die Nordsee genießen. Entweder draußen an einem der größten Strände Europas, auf dem man stundenlang an der Wasserkante Wind, Salz und gesunde Luftfeuchte inhalieren oder im Schutz der Dünen kilometerweit nur Himmel und Meer spüren kann. Oder drinnen: Das AmrumBadeland bereitet mit echten Nordseewasserwellen Badespaß bei wohlig-warmen Temperaturen. Eine großzügige Saunalandschaft, Solarium und Rasul laden zur Entspannung ein.

Die höchste Wellnessklasse lässt sich allerdings in der tiefen Kupferbadewanne des AmrumSpa erreichen – bei Kerzenlicht und guten Gesprächen zu zweit.

Die Therapiezentren auf Amrum bieten ein breites Spektrum von Therapieangeboten im Bereich der heilenden Medizin, Vorbeugung und Rehabilitation an.

www.amrum.de/aktiv-gesund/

Föhr

Rundum gut gehen lassen können es sich Föhr-Urlauber am besten im AQUAFÖHR. Zum Beispiel bei Wohlfühlmassagen, Thalassoangeboten oder Kosmetikanwendungen mit BIOMARIS-Pflegeprodukten. Auch die Saunalandschaft lädt zum Erholen ein. Badespaß pur für die ganze Familie gibt es im Meerwasserwellenbad. Wer es etwas aktiver mag, kann im Fitnessstudio an verschiedenen Geräten trainieren – traumhafter Blick auf die Nordsee inklusive! Für die kleine Stärkung zwischendurch und danach sorgt das angeschlossene Café & Bistro AQUAMARIN.

www.foehr.de/gesundheit-wellness

Husum

Husum bietet Nordseeluft und gesundes Reizklima – und für die entspannte Auszeit oder einen Wellness-Kurztrip auch die perfekte Unterkunft an der Nordsee. In der Husumer Bucht reicht das Angebot von Walking am Deich bis zu therapeutischen Behandlungen oder Wellness-Angeboten. So ist das Algenbad im Thomas Hotel ein maritimes Powerpaket aus Vitaminen und Mineralstoffen, das den Stoffwechsel anregt und remineralisiert. Das Hotel & SPA Rosenburg verwöhnt mit einem „Schatz aus dem Meer“ – eine Körperwaschung mit Peelinghandschuh und feinem Meeresschaum. Beim „Schlickbadritual“ des Hotel Lundenbergsand wirken sich die hohen Anteile aus basischen Salzen und Deichkräutern im Schlick positiv auf Immunsystem und Kreislauf aus.

www.husum-tourismus.de/Unterkunft-buchen/Unterkuenfte-nach-Themen/Wellness-und-Gesundheit

Weitere Informationen

Bei der Suche nach dem richtigen Gesundheitsangebot für die eigenen Bedürfnisse hilft der Nordsee Vital Kompass. Massagen, Schlickpackungen, Beautybehandlungen und viele weitere Anwendungen für Körper, Kopf und Seele stehen zur Auswahl bereit und können individuell zusammengestellt werden. → www.nordsee-vitalkompass.de

Viele weitere Tipps und Ideen für einen entspannenden Winterurlaub an der Nordsee Schleswig-Holstein finden sich unter www.nordseetourismus.de/winterangebote sowie in der neuen Broschüre “nordsee Winterfrische“, die kostenlos über 04841-89750 oder info@nordseetourismus.de erhältlich ist.

Quelle: Nordsee Tourismus

 

Eindrucksvolle Kirchen an der Nordsee

Sommerkirche Welt St. Michael (c) Foto Oliver Franke

Sommerkirche Welt St. Michael (c) Foto Oliver Franke

Pellworm

Gleich hinter dem Deich im Westen von Pellworm liegt St. Salvator. Die Turmruine war einst doppelt so hoch und ragte mehr als 50 Meter in den Himmel. Im 17. Jahrhundert stürzte der Turm ein, heute hausen hier Tauben und ein paar Turmfalken. Die Alte Kirche von Pellworm gilt als eine der ältesten in Nordfriesland, erbaut wurde sie wohl auf einer alten Thingstätte. Dafür spricht ihre Lage in der gleichen Himmelsrichtung und demselben Abstand zwischen den Kirchen von Tating/Eiderstedt, Nieblum/Föhr und Keitum/Sylt. Dies entspricht der Anordnung von Thingstätten, uralten Orten von Gemeinsamkeit und Gerichtsbarkeit. Hier spürt mancher Besucher eine spirituelle Kraft: „In der Alten Kirche einen Gottesdienst zu feiern, ist etwas Besonderes“, sagt Pastorin und Spiritualin Alexandra C. Teresa Hector, „dieser Ort ist seit vielen Jahrhunderten eingebetet und wurde vermutlich schon religiös genutzt, bevor die Kirche dort stand. Der Raum hat eine besondere Energiedichte, die in Richtung der Apsis – des ältesten Ortes der Kirche – zunimmt.“ Im Rahmen von Kirchenführungen lässt sie Gäste mit geschlossenen Augen in Richtung des Altarraumes gehen; die meisten Leute merken, wie sich etwas verändert, je näher sie der Apsis kommen. „Gehen die Gäste – nun mit offenen Augen – zurück, spüren sie, wie die Energie wieder nachlässt. Es ist, als schreite man durch einen Vorhang, wenn man unter dem Triumphkreuz hindurchgeht.“ Wer genauer hinsieht, wird auf dem Altar die Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu erkennen. Wer an einer Kirchenführung teilnimmt, darf den 16teiligen Bilderaltar bewundern, dessen Gemälde die Mariengeschichte erzählen und erfährt, was sich hinter der verschlossenen Rückwand befindet (zwei spannende Kirchengeschichten). Und sollte man das Glück haben, in dieser beeindruckenden Kirche ein Orgelkonzert zu hören (für Fachleute: Arp-Schnittger-Orgel von 1711, herausragendes Beispiel der Orgelbaukunst des 18. Jahrhunderts), der wird vielleicht ein klein wenig Gänsehaut bekommen – auch wenn er (noch) nicht all die Geschichten um diese Kirche, diesen uralten Kult-Ort, kennt.

Meldorf

Meldorf war früher, an der Westküste, einer der wichtigsten Orte zwischen Hamburg und Dänemark, schön ist das Städtchen noch heute. Der Kirchturm von St. Johannes überragt die Marsch und Meldorf selbst. Wenngleich frühe Reisende auf diese Wegmarke verzichten mussten – der Turm in seiner heutigen Form wurde erst im vorvergangenen Jahrhundert errichtet. Egal, aus welcher Himmelsrichtung man kommt, den Turm sieht man immer und zuerst; die Kirche ist noch heute Mittelpunkt Meldorfs. Wer das große Kirchenschiff betritt, wird sich sogleich geborgen fühlen in einer der wichtigsten und größten Kirchen an der Westküste. Die Marsch ist fruchtbar und war reich, in diesem Gotteshaus sieht und spürt man es: Die Gewölbemalereien sind ein wahrer kunstgeschichtlicher Schatz und „…in Norddeutschland einmalige Malereien“, heißt es. Diesen Wohlstand zeigen auch die kirchlichen Kunstschätze, zu jeder Zeit wollte der Anspruch der Geistlichkeit deutlich gemacht und gezeigt werden: „Zum Beispiel der Passionsaltar von 1520 im Altarraum und das prächtige Chorgitter von 1603 aus nachreformatorischer Zeit, im Stil der Renaissance geschnitzt, sowie bedeutungsvolle Epithapien, das sind Totengedächtnistafeln, dieser Zeit“, erfährt der Gast während einer Führung. Und doch ist dieses Haus mehr als nur ein Museum. Die Meldorfer Kirche ist auch heute noch Mittelpunkt einer lebendigen Gemeinde (beispielsweise mit Ausstellungen und Konzerten) und wesentlich mehr als nur ein Zeugnis bewegter Geschichte. Aber allein das lohnt einen Besuch im „Dom der Dithmarscher“. Ein Dom? Zu keiner Zeit hat hier ein Bischof residiert und damit die Bezeichnung Dom gerechtfertigt. „Jedoch bereits Adam von Bremen hat die Kirche als Mutterkirche bezeichnet, als erstes und zentrales Gotteshaus weit und breit, daher ist „Meldorfer Dom“ sicher gerechtfertigt und nicht wirklich falsch“ – wer mit den Stadtführern unterwegs ist, lernt eine Menge. Staunen und studieren. Und natürlich ist dies ein Haus für die Andacht und zum Innehalten – schon zur Zeit Jesu lebten und wärmten sich an dieser Stelle Menschen: rund drei Meter unterhalb der letzten Bänke hinten rechts fand man uralte Feuerstellen. Außergewöhnlich bis heute: „Etwas ganz Besonderes im Meldorfer Dom sind die vielfältigen Orgelkonzerte, z.B. zum Schleswig-Holsteinischen Musikfestival oder der Kirchengemeinde. Die Marcussen Orgel mit den spanischen Trompeten und die einzigartige Akustik im Dom lassen ein Konzert beim Besucher noch lange Nachklingen. Ja – oder Sie besuchen die Freitagsandacht oder den Sonntagsgottesdienst um 10.00 Uhr – ein Besuch lohnt sich!“

Föhr

Einsam in der Marsch bei Süderende im Westen der Insel Föhr liegt die Kirche von St. Laurentii. Hat sich das Auge an das gedämpfte Licht gewöhnt, erkennt man an den weißgekalkten Gewölbedecken Malereien. Wirkt diese Kirche eher in klösterlicher Kargheit, faszinieren diese himmlischen Malereien umso mehr. „Diese barocken Kalkmalereien waren lange Zeit überstrichen“, sagt Ralf Brodersen, „erst 1954 wurden sie im Rahmen von Restaurierungsarbeiten freigelegt und wiederhergestellt. Gehören sie doch zu den wenigen und besonders interessanten Beispielen protestantischer Gewölbemalerei.“ Zu sehen sind unter anderem Darstellungen der Begegnung Jesu mit den Schriftgelehrten sowie die Gestalt des Henkers aus der Schilderung der Enthauptung Johannes des Täufers. „Diese Malerei kann man über der Orgel erkennen“, sagt Brodersen und weist darauf hin, dass der hohe Salzgehalt der Luft und die Heizung den Gewölbemalereien, ja dem ganzen Putz, derart zugesetzt haben, dass vor zwanzig Jahren erneut eine Restaurierung stattgefunden hat. Je länger man hinauf schaut, desto besser erkennt man die Malereien; es ist spannend. Brodersen geht zum Altar. Dahinter stehen in einem spätgotischen Altaraufsatz zwölf Figuren, darunter Christus und die gekrönte Maria, aber auch eine Heilige mit Schwert. Ralf Brodersen berichtet, dass diese Figuren mehr als fünfhundert Jahre alt sind und vermutlich in einer heimischen Werkstatt geschnitzt worden sind. Er kennt aber auch andere Geschichten der Seefahrer-Insel Föhr, weltlichere, und weist auf den Fußboden: „Vor dem Altar liegen Grabplatten. Sie erinnern an bedeutende Föhrer Persönlichkeiten, die hier bestattet wurden. Zum Beispiel an Pastor Ricardus Petri, der, neben seiner seelsorgerischen Arbeit, im 17. Jahrhundert der Föhrer Jugend kostenlosen Mathematik- und Astronomieunterricht gab.“ Wichtig war das für die Navigation auf See; auf, dass die Föhrer erfolgreiche Seefahrer wurden. Wie der „Glückliche Matthias“, kaum jemand erlegte mehr Wale als er. Auch Matthias Petersen fand seine letzte Ruhe einst vor diesem Altar. „Als seine Erben dafür nicht zahlen wollten, kam er auf den Friedhof“, sagt Brodersen. Aber das ist eine andere Geschichte, die steht draußen in Stein gemeißelt

Wesselburen

Wer durch den Vorraum in die Kirche St. Bartholomäus zu Wesselburen tritt, wird von einer feierlich-fröhlichen Orgelmusik empfangen. Das – ungewöhnliche – Tonnengewölbe schafft einen großen Raum, ohne Nischen und von durchgehender Offenheit. „Diese Kirche hat eine wunderbare Akustik“, sagt Stadtführerin Ruth Arnold und die Klänge schaffen eine Gänsehaut, voll Emotion, voll Ehrfurcht „…deshalb gibt es hier viele Konzerte.“ In der Tat ist dies eine ungewöhnliche Kirche, schon allein wegen des markanten Zwiebelturms. „Der fällt jedem Besucher schon von weitem auf“, meint die Stadtführerin, „Warum dies so ist? Nun, ganz einfach: Nach dem großen Kirchbrand von 1736 schuf Kirchenbaumeister Schott dieses Gotteshaus in der heutigen Form. Er stammte aus Süddeutschland – und setzte mit dem Zwiebelturm ein Zeichen seiner Heimat auf das Dach.“ Um den Turm ranken sich viele Legenden, die Wahrheit ist ebenso unromantisch, wie das was drin ist – in der „Zwiebel“ selbst die Stundenglocke. Zurück in diese außergewöhnliche Kirche. Auffällig ist der „Blaue Stuhl“, die vollständig mit Holz umkleidete und mit Figuren verzierte Empore. „Sie wurde für den Herzog gebaut und zur Eröffnung der Kirche nur ein einziges Mal benutzt.“ Heute ist der „Blaue Stuhl“ ein Lager für Technik. Durch die Fenster fällt das Licht und spielt dahinter in bunten Farben, im Kirchenschiff ist es sanft und gedämpft, mit den verhallenden Klängen der Orgel eine schöne Atmosphäre. Die mächtigsten Familien Wesselburens hatten mit der „Roten Loge“ nicht nur ihren, teuer bezahlten, eigenen Platz, sondern auch ganze Grüfte für die Verstorbenen. Als man vor rund hundert Jahren diese Grüfte freilegte, um die Toten umzubetten, fand sich „ein mumifizierter Leichnam mit weißer Zipfelmütze und Handschuhen“ (Ruth Arnold). Und sie erinnert beim Rundgang daran, dass eine Kirche Schutz bietet: „Als die Orkanflut 1962 das Land zu ertränken drohte, bereitete sich die Bevölkerung zur Flucht in die Kirche vor – das ist der höchste Ort hier weit und breit.“

Büsum

Doch, auch mitten im trubeligen Büsum gibt es ruhige Orte. Nur ein paar Schritte abseits der geschäftigen Hauptstraße liegt die St. Clemens Kirche. Ein wuchtiger Ziegelsteinbau mit weiß verputzten Wänden. Gelegen, und dies ahnt man in der Innenstadt kaum, auf einer hochgelegenen Warft – ein Vorgängerbau ging 1362 in einer Orkanflut unter. „Büsum war bis 1585 eine Insel mit mehreren Dörfern, hier lebten Schiffer, Fischer, Küstenbewohner; deren Schutzheiliger St. Clemens ist“, erklärt Gästelotse Raimund Donalies und führt in die „Fischerkirche“. Tritt man in die reich geschmückte Kirche ein, umgibt den Gast eine sakrale Stille, die dicken Mauern bieten Schutz vor allem, was da von draußen kommt. So scheint es. Doch bei der Allerheiligenflut im 16. Jahrhundert schwappten die Wellen an die Kirchenwand. Und noch etwas ganz anderes erschütterte zu dieser Zeit die Grundfesten der Kirche: Vor fünfhundert Jahren schlug Martin Luther seine Thesen an eine ferne Kirchentür, Jahre später erreichte die Reformation auch Dithmarschen. 1524 predigte der Reformator Heinrich van Zutphen in der Büsumer Mutterkirche zu Meldorf und wurde dafür ermordet. Zu den Anführern dieses Mordkomplotts gehörten auch Familien aus dem „Rat der 48er“, der Regierung der damals de facto unabhängigen Bauernrepublik Dithmarschen. Reformation, das sollte erst mal nicht sein. Links neben dem Eingang ist erhöht eine Empore. Donalies weist auf die Bänke, die unten in Kirchenschiff stehen, am Ende dieser Empore „Hier stehen ein paar wenige, besondere, Kirchenbänke: an der ersten Bank dieser kleinen Reihe befindet sich die Gestühlswange der Familie der Diekbolligmannen, ohne Zweifel gehörten sie zu den örtlichen Machthabern“, erklärt er. Darauf zu sehen ist – ein Abbild Martin Luthers. Geschaffen 1564 ist sie die älteste Darstellung des Reformators in Schleswig-Holstein. Viel älter ist die Bronzetaufe aus dem 13. Jahrhundert – Geschichte und Geschichten (fragen Sie am Taufbacken mal nach Piraten!), und doch ein Ort zum Innehalten.
Hallig Hooge
Wo sonst wird das Gefühl von Schutz und Geborgenheit so deutlich, wie auf einer sicheren Insel in tobendem Meer. Auch auf den meisten der Halligen gibt es ein Gotteshaus, obwohl es die kleinsten Gemeinden des Landes sind. So auch auf der Hallig Hooge, auf einer Erhebung, die den Namen Kirchwarft trägt. Ein kleines Gotteshaus; doch Schutz und Trutz. In einer Gegend weit draußen in der Nordsee, die so verletzlich ist und den Naturgewalten ausgeliefert. Land unter ist hier nichts Besonderes, dann steht St. Johannis mal wieder allen in wilder See. Der (leere) Sarkophag aus Stein, der an der Warftkante liegt, wurde einst bei einer Sturmflut freigespült. Überhaupt dreht sich in der Geschichte dieses Gotteshauses viel um die Flut: Obwohl die Hooger Kirche erst 1639 geweiht wurde, „…trägt eine Bank die Jahreszahl 1624“, berichtet die stellvertretende Pastorin Gertrude von Holdt-Schermuly „es ist die hintere Bank auf der linken Seite des Gestühls.“ Im Jahre 1624 wurde die Kirche von Osterwohld geweiht, zehn Jahre später versank das Kirchspiel bei einer mörderischen Orkanflut zusammen mit der zerstörten Insel Strand, auf der sie stand. Auch die meisten Kirchen gingen unter, Trümmer – auch die von Osterwohld – fanden sich im Watt und am Strand. „Auch die Backsteine der Hooger Kirche, das Taufbecken, die Stuhlwangen und die Kanzel stammen aus der zerstörten Kirche von Osterwohld“, erklärt die Pastorin. Die See nimmt, die See gibt – Männer von Hooge verließen damals die Hallig und verdienten ihr Auskommen mit dem Walfang. „Schauen Sie sich mal die Tür zur Kanzel genauer an“, meint sie und zeigt die „Walfischtür“, sie stammt aus dem 18. Jahrhundert, der Zeit des Walfangs, abgebildet ist eine Walkuh mit ihrem Kalb. Im hinteren Teil der Kirche hängt ein Votivschiff an der Decke: „Dies schenkten die Hooger dem dänischen König Frederik als Dank für seine finanzielle Hilfe und seinen Besuch auf der Hallig nach einer verheerenden Sturmflut 1825. Der König verfügte, dass das Schiff in der Kirche verbeiben sollte.“ Und warum hat die Kirche kein Fundament, warum nur ein lockeres Gemisch aus Muschelschalen und Sand? „Damit nach einer Sturmflut das Wasser besser ablaufen kann.“

Amrum

Ob die Amrumer Strandräuber, Seemänner und Matrosen nun damals wirklich auf den Kirchenbänken gesessen haben, wissen die meisten Gäste nicht. Aber voll ist Amrums Inselkirche St. Clemens zu den Gottesdiensten eigentlich immer. Und wer kommt, fühlt sich der friesischen Freiheit auch ein bisschen nah. Unter Reet, weiß getüncht, etwa 1240 gebaut, viel Holz, mit einem Taufbecken aus Eiszeit-Findling und dem Kronleuchter eines Grönland-Commandeurs an der Kirchendecke – in solch einer Umgebung mag man gern sitzen. Draußen hat ein Team von Inselliebhabern und -kennern dafür gesorgt, dass die berühmten sprechenden Steine, die einst grau und dunkel an der Kirchenmauer lehnten, nun frisch und stolz auf dem Kirchhof die alten Geschichten der Insel erzählen: von Seefahrern, Walfängern und Sklavenhändlern. Auch die Gemeinde ist lebendig. Unter der derzeitigen Vakanzvertretung wurde gerade eine neue Pastorenstelle ausgeschrieben: für jemanden mit dickem Fell, wie eine Zeitung schrieb. So eine Insel ist eben eine Herausforderung.

Eiderstedt

Aus drei Inseln entstand durch Landgewinnungsmaßnahmen die Halbinsel Eiderstedt. Daraus resultiert eine einzigartige Kirchendichte voller kultureller Schätze. Die im wahrsten Sinne auf Sand gebauten Gotteshäuser sind wie die hiesigen Bewohner von den rauen klimatischen Einflüssen geprägt, vor allem Sandverwehungen und Sturmfluten machten ihnen immer wieder zu schaffen. Früher gaben Kirchtürme Seemännern Orientierung, heute fahrradbegeisterten Touristen – denn an jedem Ort der Halbinsel ist immer mindestens ein Turm in Sicht. Schon im 12. Jahrhundert veranlassten die wohlhabenden Landwirte den Bau der ersten Kirchen, noch heute steckt hinter jeder der 20 von ihnen eine spannende Geschichte. Die meisten werden sich wundern, was die Kirchen für Überraschungen bergen, es lohnt sich also auf Schatzsuche zu gehen.
Geprägt durch die einzigartige Landschaft direkt am Weltnaturerbe Wattenmeer, wird Westerhever gerne als Oase der Ruhe gesehen, dass es hier früher unter den Wogemännern heiß herging, ahnt heute keiner mehr. Mitten drin liegt St. Stephanus auf einer Warft, einer kleinen Erhebung, die vor den Wassermassen der Herbststürme der Nordsee schützen soll. Nichtdestotrotz wurde das Kirchenschiff der ursprünglich 1370 gebauten Kirche bei einer Sturmflut zerstört und erst 1804 wieder aufgebaut. Der Kirchturm ist noch in seiner Ursprünglichkeit erhalten und damit der älteste der Halbinsel Eiderstedt. Der „steile“ Aufstieg zur Kirche wird von einem prächtigem Taufengel, dem antiken Taufstein und einer pastellfarbenen Gesamtatmosphäre belohnt, die Ruhe und Friedlichkeit ausstrahlen.
Regionale Rivalitäten mit den damals befeindeten Dithmarschern machten auch vor der Kirche St. Michael nicht halt, so musste sie nach der Zerstörung 1415 wieder aufgebaut werden. Die Kirche verinnerlicht das Sinnbild der lokalen Kirchenarchitektur, auch durch die nach dem Eiderstedter Typ geschaffene hölzerne Kanzel aus dem Jahr 1578. Außerdem können die Gemälde, der besonders prunkvoll geschmückte Altar oder die Klänge der Orgel Besucher und Gläubige beeindrucken. Mittlerweile ist die St. Michael überregional bekannt als die „Sommerkirche Welt“, die in den Sommermonaten ein beliebter Treffpunkt als Kultur- & Veranstaltungszentrum mit Lesungen, Vorträgen und Konzerten für alle Altersklassen ist.

Weitere Tipps und Ideen für einen Winterurlaub an der Nordseeküste gibt auf www.nordseetourismus.de oder über die Broschüre “nordsee Winterfrische“, die über 04841-89750 oder info@nordseetourismus.de kostenlos erhältlich ist.

Quelle: Nordsee Tourismus

 

Nordsee: Von urigen Kneipen und maritimen Lokalitäten

Die Blaue Maus - Bild Copyright von der Meppen / www.nordseetourismus.de

Die Blaue Maus – Bild Copyright von der Meppen / www.nordseetourismus.de

Sag Hafen und die Leute denken an Seemanns-Spelunken. Doch Klabautermann und Co. haben sich rar gemacht an der Küste. Die Umschlagszeiten sind viel zu kurz, als dass die Matrosen noch ausgiebig durch die Kneipen ziehen, einen drauf machen und ordentlich Seemannsgarn spinnen. Doch an der Nordsee-Küste Schleswig-Holsteins gibt es noch urige Kneipen und Gaststätten mit ordentlich Flair vom Meer, mit authentischen Erinnerungen und Leuten, die das leben. Mit Liebe, Lust und Leidenschaft. Und manchmal ist ein echter Hafen auch ganz in der Nähe.

„Blaue Maus“ / Amrum

Aus einem Backsteinhaus mit Reetdach zwischen Wittdün und Süddorf auf Amrum fließt warmes Licht aus den Fenstern, nicht weit weg steht der Leuchtturm und schickt sein Führlicht in die beginnende Nacht. Im nahen Yachthafen klingeln die Taue an den Masten der Schiffe; jetzt wäre etwas zum Wärmen von Innen nicht schlecht – also hin: die „Blaue Maus“ gehört zu den besten Whisky-Bars in Deutschland. Schottische Whiskies sind die Liebe und die Leidenschaft des Amrumer Kneipiers Jan von der Weppen. Romantik und authentisches Flair hat sie auch: Bilder zeigen, dass dies hier einst eine echte Seemannskneipe war. „Früher, bis in die 1960er Jahre, war die Kneipe – sie hieß damals ,Zum Leuchtturm´ – die Kneipe für Fischer und Matrosen schlechthin. Hier wurde dermaßen gefeiert, dass manche Frauen zu Hause blieben mussten“, sagt Barbara von der Weppen, die damals ein kleines Mädchen war und diese Zeiten nur als Geschichten kennt. Heute gibt es auf der Insel nur noch einen einzigen Krabbenfischer, aber die Segler aus dem nahen Yachthafen finden ihren Weg regelmäßig in die „Blaue Maus“ – und die haben schließlich auch was vom Meer zu erzählen. Und maritimes Flair hat diese Kneipe immer noch, dafür sorgen schon die Fundstücke vom Strand, die drinnen und draußen an die nahe Nordsee erinnern: Fischkisten und Helme, Handschuhe und Rettungsringe, das was das Meer wieder hergibt. Die Kneipe selbst ist urig und gemütlich mit Strandgut und Souvenirs aus der ganzen Welt, an der Wand hängen auch Seekarten und Schiffsbilder. Und dann, wenn die Einheimischen zusammen mit den Gästen sitzen und klönen und bei Live-Musik Shanties erklingen. Und: Sag Seefahrt, und die Leute denken auch an Rum. In der „Blauen Maus“, das verrät Barbara von der Weppen, reift der Zuckerrohschnaps aus der Karibik in einem Holzfass.

„Zum Glücklichen Matthias“ / Föhr

Der Dielenfußboden knarrt und an der Decke hängen Fischreusen und eine Harpune. In den Fensternischen stehen schöne Schiffsmodelle und die Gallionsfigur reckt ihre Brust in den Gastraum. Der ist gemütlich und voll wie fast immer – willkommen im Restaurant „Zum Glücklichen Matthias“ in Wyk auf Föhr. Der Glückliche Matthias war ein erfolgreicher Walfänger und wer es gern maritim mag und was Leckeres aus dem Meer, sollte vorbei schauen (und sicherheitshalber vorher reservieren). Stimmengewirr wabert durch den Gastraum und aus der Küche hört man das Zischen in den Pfannen. Kerzen spenden gemütliches, fast feierliches Licht und eine schöne Stimmung; es ist gediegen und gemütlich, fast so wie zu Hause. Der Gastraum ist in verschiedene Zimmer unterteilt – bei offenen Türbögen -, was das Familiäre dieser Gaststätte noch unterstreicht. Diese kleinen, fast intimen, „Einheiten“ zwischen den pastellfarbenen Wänden und der Messing-Zier vermitteln ebenfalls das Gefühl bei Freunden im heimischen Ess- oder Wohnzimmer zu sitzen – mit dem Flair vom Meer. Bei Seefahreratmosphäre und Nordsee-Romantik kommt der Appetit für Leckeres aus dem Meer natürlicherweise von selbst. Was also essen? Labskaus! Kennen Sie nicht oder ist Ihnen irgendwie suspekt? Unbedingt probieren! Wer Seefahrt sagt und an Küstenkulinarik denkt, muss es versuchen. Und es schmeckt …. Köstlich! Echt und authentisch, so wie das Restaurant „Zum Glücklichen Matthias“ auf Föhr.

„Thalamegus“ / Sankt Peter Ording

Schaurig-schöne Masken aus Indonesien und Speere aus dem fernen Afrika, Souvenirs aus der Seefahrt – das ist sehenswert, das ist einmalig: Willkommen im Thalamegus, dieser wundersamen, schönen kleinen Kneipe in Sankt Peter Ording. Seit fast fünfzig Jahren steht Christine Menden hinter der Theke dieser Gaststube, sie ist die dienstälteste Wirtin in Sankt Peter Ording – und sie kann zu fast jedem Stück eine Geschichte erzählen. Sie selbst fuhr nicht zur See, aber ihr Mann Claus-Joachim jahrzehntelang auf den Meeren dieser Welt. Von ihm – und auch von ihr, sie reiste ihm früher oft hinterher und zusammen machten sie Ausflüge – stammen diese meist schönen, manchmal skurrilen Stücke. „Früher hatten die Seeleute genügend Landgang bei drei, vier Tagen Liegezeiten – und Claus durfte als Erster Offizier das Schiff ja verlassen!“ In Afrika, in Asien und anderswo in den exotischen Häfen der weiten Welt. Und im „Thalamegus“ erzählt nicht nur Christine Menden von dieser Zeit, sondern auch die Artefakte, als Seefahrt – auch – noch romantisch war und exotisch. Die Kneipe selbst ist herrlich gemütlich mit dem Charme lägst vergangener Zeiten; die Jukebox steht hier (und das Zwei-Mark-Stück dazu gibt´s an der Kasse), bequeme Stühle, eine Uhr tickt und Christine Menden verteilt Knabberkram auf den Tischen. Zapft dann die Biere für die Einheimischen und die Gäste, von denen viele längst Stammkunden sind. Denn Kneipen wie diese, wo man das Gefühl hat zu Hause zu sein, sind sehr, sehr selten geworden. Es ist diese gewachsene, authentische Mischung aus Exotik und liebgewonnener Eck-Kneipe, die den Gast im „Thalamegus“ sich wohl und aufgehoben fühlen lässt. Sie zapft noch ein Bier und dann erzählt sie die Geschichte zum großen Steuerrad, die von der „Durban Castle“, die einst Linie fuhr zwischen England und Südafrika. Ein Ort voller Nostalgie ist das hier. Ach! Man mag gar nicht mehr aufstehen bei diesem spannenden Klönschnack und diesen Erinnerungen an die weite Welt.

„Goldener Anker“ / Husum

Husum hat einen richtigen Hafen – und eine richtige, urige Kneipe auch: In Husum gibt es seit 50 Jahren den „Goldenen Anker“, die Kneipe mit dem Charme einer echten Eck-Kneipe und direkt am historischen Binnen-Hafen gelegen. Birte Lausen poliert am Vormittag die Gläser, der Blick aus dem Fenster schweift über das Hafenbecken mit den historischen Schiffen, hinüber zu den alten Lagerhäusern. Auf der anderen Seite der Bundesstraße ist echter, maritimer Betrieb im Hafen; aber „…echte Seeleute treffen, das gibt´s nicht mehr. Viele Matrosen dürfen vielleicht gar nicht mehr von Bord“, vermutet die Frau hinter der Theke, „und die Liege- und Umschlagszeiten sind heute ja viel kürzer als früher.“ Früher, ja früher war das hier eine richtige Hafenkneipe – und heute … ist sie es doch auch: Steuerrad und Gallionsfigur an der Wand, Buddelschiff und Bilder vom Meer – das ist echt und authentisch, gewachsen und gemütlich. Kleine Preise sowieso. „Und manchmal kommen Gäste rein und sagen: Hej, das ist ja eine richtige Kneipe!“ Das ist der „Goldene Anker“ natürlich; hier trifft sich die Knobelrunde und der Skatclub, geschnackt wird an diesem Morgen auf Platt – und wieder reicht der Blick auf das Hafenbecken, über dem die Möwen schreien und die Schiffe liegen. „Ab und zu kommen die Krabbenfischer vorbei, wenn sie Zeit haben“, sagt Birte. Auf jeden Fall ist der „Goldene Anker“ ein authentischer Ort zum Sitzen, Gucken und zum Träumen von der Seefahrt und der Romantik. An einem echten Hafen, in einer echten Kneipe.

„Domicile“ / Büsum

Es ist die „allerletzte Kneipe vor Helgoland“ und der Hafen ist nicht weit weg: willkommen im „Domicile“, der gemütlichen Keller-Kneipe an der Nordsee-Küste von Dithmarschen. Seit 1979 zapft Norbert Lutz, er hat das „Domicile“ aufgemacht, und klönt mit seinen Gästen. Diese Kneipe ist, sie hat Klasse. Die Wände, die Decken – voll mit Souvenirs einmal rund um die Welt. „Ich bin selbst viel gereist; durch Asien, nach Südamerika“, sagt Norbert, „…und viele Sachen sind Souvenirs von meinen Gästen!“ Und da sind: Skulpturen aus Kolumbien und Figuren aus Afrika, Masken aus Thailand und Kronleuchter aus Messing. Dazu die Geldscheine aus fremden, fernen Ländern – allein hier kann man in Gedanken auf Reisen gehen, Seekarten als Tapeten. „Mein Vater war Matrose in der Kriegsmarine und mein Onkel U-Boot-Kommandant“, sagt Norbert, „hier hängen auch viele Bilder aus dieser Zeit – historische Aufnahmen aus China oder Japan zum Beispiel.“ Da kann man stundenlang schauen und der Wirt freut sich, wenn die Gäste sich umschauen. Und er freut sich noch viel mehr, wenn sie ihm Fragen stellen. Wo ist das? Wie war das da? „Das ist doch was zum Gucken und zum auf Reisen gehen im Kopf. Und dann überlegen die Leute – Wie kommt das denn hierher? Jedes Stück hat seine eigene Geschichte!“ Und Norbert Lutz kann sie alle erzählen, sehr gern sogar. Die Kneipe hat eine eigene, schöne Atmosphäre, die heutzutage selten geworden ist. Nicht nur wenn Norbert zum Schlagzeug greift und mit der Band Musik macht; Rock, Blues, solche Sachen. Und: Das „Domicile“ liegt nahe am Büsumer Hafen; einem richtigen Umschlagsplatz für Waren, dem Heimathafen etlicher Krabbenkutter, Liegeplatz für Off-Shore-Arbeiten. „Ab und an kommen doch noch Seeleute vorbei“, sagt Norbert, „der Hafen ist ja nicht weit weg.“ Und dann kann es manchmal sogar sein, berichtet der Wirt, dass man mit Matrosen aus den Philippinen an der Theke sitzt. Im Winter dann auf einen Eiergrog, DIE Spezialität im „Domicile“. Und sich Geschichten erzählen lässt. Die von der großen, weiten Welt. Am Hafen von Büsum.

Weitere Tipps und Ideen für einen genussvollen Urlaub an der Nordsee-Schleswig-Holstein unter www.nordseetourismus.de

Quelle: Nordsee-Tourismus-Service GmbH

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Auf den Spuren der Strandvögte

Zu Fuß zur Insel Amrum

Bohlenweg durch die Duenen von Nieblum nach Wyk auf Foehr. Bild (c) Föhr Tourismus GmbH / Moritz Kertzscher

Bohlenweg durch die Duenen von Nieblum nach Wyk auf Foehr. Bild (c) Föhr Tourismus GmbH / Moritz Kertzscher

Das Wasser ist abgelaufen. Drüben, jenseits von Föhr, scheinen die Halligen von Langeneß über dem Meer zu schweben. Was hat die Nordsee heute Nacht auf den Strand geworfen? Wracks und Wohlstand – Strandgut war in früheren Jahren ein fester Posten im Ein- und Auskommen der Insulaner. Hier auf Föhr wie anderswo an der Küste. Noch heute wird mancher Insulaner nervös, wenn – sagen wir mal: – Bauholz über Bord geht. Früher achtete ein Strandvogt darüber, dass auch die Obrigkeit ihren Teil abbekam, eine Art Steuererheber für den Strand war er also auch. Heute kann man auf seinen Spuren wandern: Von Wyk auf Föhr bis nach Wittdün auf Amrum führt der Weg – und dazwischen durch das Watt.

Das Meer glitzert silbrig unter der Morgensonne und ein historisches Segelschiff zieht vorüber. Bald wird es zunehmend einsamer am Strand von Föhr. Auf dem Wattboden liegt hier und da ein Stück Treibholz. Auch das war den früheren Bewohnern was Wert, es diente auf den waldarmen Inseln als begehrtes Brennholz. Heute bücken sich Leute nach besonders formschönen oder von Wasser und Wellen fein gemaserten Stücken. Zwei Menschen sind als Silhouetten weit draußen an der Wasserkante zu erkennen, immer wieder heben sie etwas auf. Der Wind frischt auf und rauscht in den seltsam verbogenen Bäumen hinter den Dünen.

Der Umriss des alten Segelschiffes scheint auf dem Horizont zu verweilen. Sonst ist diese Szene seltsam leer; beinahe wie ein Bild aus alten Tagen. Als die Leute nicht zum Vergnügen am Strand unterwegs waren, sondern um was zu suchen. Früher war es eine Fron und heute macht es Freude. Wer einmal etwas Schönes gefunden hat – sei es sogar mit sehr viel Glück ein funkelndes Stück Bernstein -, wird den Blick kaum mehr vom Boden lösen können. Und wird diese seltsame Fiebrigkeit der Friesen verstehen, wenn es an den Strand geht. Was liegt da auf dem Wattboden? Schon bewegen sich andere Leute darauf zu… Es stellt sich als ein Findling heraus. Ein Schemen im glitzernden Restwasser auf endloser Fläche und eine Versuchung hinzugehen gewiss.

Die sanfte Strand- und Dünenlandschaft weicht einem Durcheinander aus Findlingen und angeschwemmten Algen. Hier greift die Nordsee stärker an; erkennbar an den kleinen Kliffs, dem vermehrten Strandgut, den freigespülten Torfschichten. Und hier mündet die Godel in die Nordsee und schafft damit eine Landschaft, die selten geworden ist – eine Salzwiesenlagune. Hinweisschilder mahnen an den Umweg über die Straße; das Gebiet der Godel-Niederung und- mündung ist für Vögel und Pflanzen wertvoll.

Hinter der Mündung liegt Treibgut hoch auf den Strand aufgeworfen; eine Palette und etwas Plastikmüll. Auch Placken von Seegras liegen weit über der normalen Hochwassermarke. Hier steht auch eine Box, in die der Müll aus dem Meer geworfen werden kann. Konnte früher alles, selbst Seegras als Matratzen-Füllung, verwendet werden, ist heute vieles Abfall. Und gefährlich für Fische und Vögel; sie verletzten sich damit oder kommen zu Tode. Auch wenn modernes Strandgut nicht immer zu was Nütze ist, es aufzuheben und vom Strand fortzubringen macht Sinn.

Bald kommt Sylt in Sicht. Amrum scheint zum Greifen nah – und doch ist der Wattweg hinüber nach Amrum ohne Ortskenntnis und Erfahrung gefährlich und sollte nie ohne fachkundige Begleitung stattfinden. In Utersum endet die erste Etappe. Am kommenden Morgen geht es von Dunsum hinüber nach Amrum – und das in einem großen Bogen. Die Direkte von Utersum zur Nordspitze der Nachbarinsel ist vor Föhr durch einen tiefen Priel versperrt, der auch bei tiefster Ebbe nicht passiert werden kann. Es ist gut zweieinhalb Stunden vor Niedrigwasser als die Gruppe die Treppe auf den Meeresboden hinabsteigt. Zweieinhalb Stunden vorher deshalb, erklärt der Wattführer, weil unmittelbar vor Amrum ebenfalls ein Priel verläuft, der nur bei Niedrigwasser gequert werden kann. Bis dahin muss er die Gruppe an den Rand dieses „Flusses auf dem Meeresboden“ geführt haben.

Noch eilt Wasser in kleinen Prielen der Nordsee hinterher. In der Ferne ist Sylt mit seiner Südspitze und dem Leuchtturm von Hörnum zu erkennen. Ein Muschel-Kutter schiebt sich in der Weite hinten vorüber. Auch das macht den Reiz aus, auf den Spuren des Strandvogtes zu wandern – die Vielfalt der Eindrücke. Gestern die Reetdachromantik und heute führt die Wanderung über den Meeresboden in eine faszinierende, fremde Welt, in der der Mensch eigentlich nichts zu suchen hat.

Ungezählten Schiffen wurde die Küste Nordfrieslands – und gerade hier im Bereich von Amrum – zum Verhängnis. Vieles davon ist längst verschwunden, die „City of Bedford“ allerdings kann man noch besichtigen. Vielmehr: das, was noch davon übrig ist – Spanten stecken im Meeresboden und skizzieren den Umriss des Schiffes. Die Sonne taucht das Watt in ein freundliches, klares Licht, der Boden glitzert golden und sanft. Kaum zu glauben, dass sich hier Tragödien abspielten. Ein steter Wind weht durch diesen leeren Raum und in ein paar Stunden wird das Wasser wieder zweieinhalb Meter hoch stehen.

Hier ertranken im Februar des Jahres 1825 drei Menschen. Die „City of Bedford“ war auf dem Weg von England nach Dänemark und wurde durch ein Unwetter in diese Gewässer getrieben und ging unter. Ein Fall für den Strandvogt; er war auch für das Bergen verantwortlich. Die Toten liegen auf dem Friedhof von Süderende auf Föhr begraben. Und das Holz der „City of Bedford“ konnten die Insulaner gewiss gut gebrauchen. Die zahlreichen Schiffsunglücke waren ein fester Posten im Einkommen der Leute von Föhr und Amrum. Mit falschen Feuern (diese zu verhindern war auch Aufgabe des Strandvogtes), so die Legenden, lockten sie einst Schiffe in den Untergang. Um sich am Strandgut zu bedienen oder Bergelohn zu kassieren. So mancher Balken in den historischen Häusern auf den Inseln stammt aus solchen Unfällen und hat die Jahrhunderte überdauert.

Sandbänke und Priele wechseln sich in immer wilderer Folge ab, je näher die Wanderung an den großen Priel vor Amrum führt. Immer wieder führt der Weg durch knietiefe Lagunen und auf ebenso hohe, steile Sandwälle hinauf. Die Gruppe macht eine Pause, manche Leute ziehen die Hose aus. Der Priel vor Amrum reicht heute bis über die Knie. Das Wasser darin strömt mit einem irritierend starken Zug. Ein paar Schritte noch und Amrum, die dritte Etappe, ist erreicht. Wer mag, kann in Norddorf Quartier nehmen. Dann bleibt für den Nachmittag genug Zeit, die Nordspitze Amrums, die Odde, zu umrunden. Hier hat die Natur freie Bahn; Wind, Wasser und Wellen formen und verändern diese ungebändigte Landschaft ständig. Im wilden Westen, an der Nordsee-Seite, schmiegt sich eine der größten Sandmassen Europas an die Insel – der Kniepsand. Der Weg führt in schöner Einsamkeit hinauf zur nördlichen Spitze von Amrum. Dort steht eine kleine Plattform, von der man mit etwas Glück und einem Fernglas Seehunde – und manchmal sogar Kegelrobben – beobachten kann.

Die letzte Etappe führt am kommenden Tag von Norddorf wieder zurück an den Strand, von dort geht es nach Südosten, das Ziel ist Wittdün. Der Strand wird immer breiter. Die Dünen sind im Dunst kaum noch zu erkennen, draußen läuft die Nordsee dröhnend auf den Kniepsand. Die Welt hier draußen ist ein Refugium auf Zeit, bei Sturmflut rollen die Wellen bis an den Inselrand, überfluten den Kniep, formen ihn, räumen Dünen ab. Aber:

Die Nordsee nimmt, die Nordsee gibt. Zwischen den Dünen am Inselrand duckt sich eine kuriose Bude. Sie ist erbaut und eingerichtet aus allem, was das Meer hergab. Errichtet aus Brettern und Balken. Heute geht sehr viel seltener etwas über Bord, so dass es für die Buden-Erbauer schwieriger wird, Materialien zu finden. Wer aber die Tür zu „Achim´s Strandburg“ öffnet, betritt ein Kuriositätenkabinett, dessen was das Meer hergibt. Eine Figur mit Haaren aus rotem Netz wacht am Eingang, die Tür ist mit Sand zugeweht und muss freigeschaufelt werden. Im Inneren stehen Tisch und Bänke aus Treibholz, ein Wandschrank gefertigt aus einer hölzernen Weinkiste. Das Hüttenbuch vermerkt Besucherkommentare und manch einsamer Wanderer hat hier drin schweres Wetter abgewartet. An der Decke baumelt ein Mobile aus Silberpapier und Muscheln, ein Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiel – ebenfalls aus Fundstücken gebastelt – wartet auf den Zeitvertreib. Turnschuhe hängen an der Wand und ein Tierskelett.

Weiter, auf dem Weg nach Wittdün, entstehen im Sommer auf dem Kniepsand richtige kleine Lauben. Im Herbst werden sie zerlegt und flutsicher im Sand vergraben. Eine Piratenflagge knattert im Wind, die Hängematte darunter schaukelt. Einst entstand hier jedes Jahr eine richtige Kolonie dieser Strandhäuschen. Damals, als es noch einen Strandvogt gab und reichlich Treibholz. Wolken bauen sich auf und strahlen weiß vor einem zunehmend dunkler werdenden und drohenden Hintergrund. Der Weg nach Wittdün führt in eine wilde und romantische Dünenlandschaft. Es wird wieder Sturm geben über der Nordsee und die Wellen werden was auf den Strand werfen. Und manch Insulaner wird wieder unterwegs sein. Am Strand; kontrollieren und was sammeln. Lange, bevor das irgendjemand sieht.

Infos zu den Touren

Der „Strandvogt-Weg“ ist kein ausgewiesener Fernwanderweg wie in den Alpen oder Mittelgebirgen. Er ist Idee und Anreiz, auf den Spuren der damaligen Strandvögte auf den Inseln Föhr und Amrum, sowie im Rahmen einer geführten Tour im Watt zwischen den Inseln zu wandern. Strandvögte vertraten in früheren Jahren die Interessen der Obrigkeit zum Beispiel bezüglich Strandfunden und Strandungen von Schiffen und waren zum Beispiel verantwortlich für die Bergung, sowie für das Ermitteln von Steuern und Bergelohn aus solchen Fällen. Dieser Törn verlauft am Strand entlang – aber es lohnen sich Abstecher ins Hinterland: Auf Föhr zum Beispiel in das Friesendorf Nieblum mit seinen hübschen Reetdachhäusern oder zur historischen Stätte „Lembecksburg“. Auf Amrum zum Beispiel über die Vogelkoje mit dem rekonstruierten Steinzeithaus in das Friesendorf Nebel – ebenfalls Reetdachromantik! – mit seiner Windmühle. Zwischen den Inseln wird im Watt gewandert – und das nur mit fachkundiger Führung! Termine für geführte Wattwanderungen von Föhr nach Amrum oder umgekehrt sind unter www.foehr.de/veranstaltungskalender oder www.amrum.de/veranstaltungen zu finden.

Es empfiehlt sich, den Strandvogt-Törn in drei Etappen zu bewältigen; mit Übernachtungen in Utersum/Föhr und Norddorf/Amrum. Bei diesem Tourenvorschlag ergibt sich eine Gesamt-Streckenlänge von ca. 34 Kilometern. Start und Ziel ist Wyk bzw. Wittdün (oder andersherum), geführte Wattwanderungen gibt es ganzjährig, mit dem Schwerpunkt während der Urlaubsaison (Anmeldung!). Die Strecke ist kurzweilig und in ihren Abschnitten familientauglich, die Wanderung über den Meeresboden ein besonderes Erlebnis dieser Tour. Außerdem ist sie abwechslungsreich – interessant von den Blumen der Salzwiesen, den Vögeln des Meeres bis zu Kegelrobben und Seehunden. Beindruckend hinsichtlich der Landschaft wie den Dünen, dem endlosen Kniepsand und dem Watt. Ein toller Trip zu jeder Jahreszeit.

Karten- und Informationsmaterial ist in den Tourist-Informationen auf Föhr und Amrum kostenpflichtig (ab 2,50€) erhältlich.

Föhr Tourismus GmbH
Telefon: 0 46 81 – 300
urlaub@foehr.de
www.foehr.de

Amrum Touristik AöR
Telefon: 0 46 82 – 94 03 0
info@amrum.de
www.amrum.de

Quelle: Nordsee-Tourismus-Service GmbH

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Seeräuber-Geschichten und Politmorde an der Nordsee

Grabstein auf Föhr. Bild  (c) www.nordseetourismus.de

Grabstein auf Föhr. Bild (c) www.nordseetourismus.de

Herbststürme jagten über die Inseln und die Westküste. Endlos und unergründlich verliert sich die See nach dem Sturm in Gleichmut bis zum Horizont. Dort hinaus fuhren sie früher, um ihr Glück zu suchen – manche kamen wieder und zu Reichtum, andere starben im ewigen Eis oder an tropischem Fieber. Um die Türme der alten Kirchen auf Amrum und auf Föhr heult der Wind, zerrt an den kahlen Kronen der Kastanien auf dem Friedhof von Lunden in Dithmarschen. Novemberwetter; und Zeit zum Erzählen – auf manchen Friedhöfen stehen Steine, die Geschichten erzählen und auch von denen, die einst Geschichte machten. Eine besondere Entdeckungsreise. Von Seeräuber-Geschichten in 1001 Nacht und Politmorden in der Provinz.

Kapitänsgeschichten auf dem Friedhof von Nebel auf Amrum

Der Friedhof der St. Clemens Kirche in Nebel auf Amrum ist einer der außergewöhnlichsten in Deutschland – hier stehen mehr als 150 Grabsteine, die Geschichten erzählen. Lebensgeschichten. Und die wohl verrückteste dieses steinernen Geschichtsbuches ist die von Hark Olufs. Und hier steht sein Stein: Mit eingemeißelter Krone und Schwert, mit Köcher, Pfeil und Bogen, mit Trompeten und ganzem Lebenslauf: „(…) bald darauf in sein jungen Jahren von den türkischen Seeräubern zu Algier ist er anno 1724 (…) gefangen genommen worden. In solcher Gefangenschaft aber hat er dem türkischen Bey zu Constantine (…) elf und ein viertel Jahr gedient. Bis ihm endlich dieser Bey anno 1735, den 31. Oktober, aus Gewogenheit zu ihm seine Freiheit geschenket, da er denn das folgende Jahr darauf anno 1736, den 25. April glücklich wieder (…) auf seinem Vaterland angelanget ist. Und sich also anno 1737 in den Stande der heiligen Ehe begeben mit Antje Harken.(…)“
Geboren wurde Hark Olufs im Sommer 1708 in Süddorf. 1721 wurde er Matrose, drei Jahre später im Ärmelkanal von Seeräubern gefangen genommen und mitsamt Schiff und Mannschaft nach Algier verschleppt. Hark Olufs wurde auf dem Markt von Algier verkauft und landete beim Bey von Constantine, dem Statthalter dieser damaligen osmanischen Provinz. Dort bewährte sich der junge Mann und stieg zum Oberbefehlshaber einer Militäreinheit auf. Olufs fügte sich und konvertierte sogar zum Islam. 1735 wurde Hark Olufs von seinem Bey, wohl auch als Dank für seine militärischen Verdienste, freigelassen und kehrte ein Jahr später nach Amrum zurück. Dort begegnete ihm, dem Wohlhabenden und Muslim, nicht nur Freude, sondern auch Misstrauen. Erst nach Rekonvertierung zum Christentum, Konfirmation und Heirat kehrte er endgültig in die Gemeinschaft der Insulaner zurück. Olufs starb im Alter von nur 46 Jahren.

Wer sich, wie die Kapitäne und deren Familien, diese Grabsteine (bis zwei Meter hoch und oft eine Tonne schwer) leisten konnte, hatte etwas aus seinem Leben zu berichten. Und war wohlhabend, denn: „Das Material wurde aus dem Weserbergland herbeigeschafft und die bildlichen Darstellungen sind manchmal derart aufwendig und detailreich, dass die Anfertigung ein Vermögen gekostet haben muss“, so Inselpastor Georg Hildebrandt. Angefertigt wurden diese zumeist zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert.

Ab dem Jahr 2009 wurden die Steine restauriert. „Einige Grabsteine standen jahrzehntelang einfach an die Friedhofsmauer gelehnt, andere waren gar zerbrochen. Nun ist der größte Teil aufgefrischt und steht nach Familien sortiert wie eine Allee auf dem Kirchhof von St. Clemens in Nebel. Wer den Friedhof betritt, findet sie auf der linken Seite“, erklärt Georg Hildebrandt. Man kann hier viel Zeit verbringen, und sich die Geschichten auf den restaurierten Steinen anschauen und sie auch viel besser lesen: „Die Inschriften sind nach der Restaurierung wesentlich plastischer – und manche Grabsteine sind mit einem QR-Code versehen, sodass Sie den Text über Ihr Mobiltelefon lesen können“, sagt Georg Hildebrandt.

Infos zu Amrum
www.amrum.de/aktuelles/veranstaltungen
www.amrum-kirche.de (mit Erklärung der Steine)
• Tel. Kirchenbüro St. Clemens / Nebel 0 46 82 – 2389

Föhr und die Geschichte vom glücklichen Matthias

Das Gräberfeld auf dem Friedhof von Süderende auf Föhr. Der Wind heult um den Turm von St. Laurentii, zerrt an den Zweigen und schiebt dunkle Wolken vorüber. Novemberwetter und auf dem Feld endloser Ruhe liegen auch hier diejenigen begraben, die etwas zu erzählen haben – mag das Leben endlich sein, ihre Geschichten sind unsterblich. Zumindest so lange, wie der Sandstein hält, auf dem sie geschrieben stehen. Bis zu zwei Meter hoch und tonnenschwer zeugen auch auf Föhr Grabplatten vom Leben und Wirken berühmter und weniger berühmter Bürger. „…und ein berühmter Mann war der glückliche Matthias“, sagt Ralf Brodersen, der Mann aus Süderende, der die Geschichten hier kennt wie kaum ein zweiter, „kommen Sie mal mit, ich zeig´ Ihnen den Stein.“ Und erzählt dann auch gleich vom glücklichen Matthias. Der wurde 1632 auf Föhr geboren.
Wie viele andere Männer von den Inseln und Halligen suchte auch Matthias Petersen sein Glück auf See, denn an Land gab es kaum Möglichkeiten für ein Auskommen. „In Süderende hatte Richardus Petri, der Pastor von St. Laurentii, eine Navigationsschule eingerichtet; hier erhielt Matthias Petersen seine seemännische Ausbildung. Bereits als 20jähriger hatte er das Kommando über ein Walfangschiff“, erzählt Ralf Brodersen. Die Schiffe fuhren unter holländischer Flagge in das Nordmeer, hinauf bis Grönland und Spitzbergen. Es war eine meist riskante Reise in dieser wilden Welt – um dort Wale zu jagen, begehrt war seinerzeit der Tran als Lampenöl. Man konnte sein Glück machen, doch mancher kehrte nicht zurück. Wie viele Föhrer Familien blickten im Herbst bang auf die See und erwarteten die Rückkehr ihrer Männer und Väter? Petersens hatten mit Matthias gutes Glück:

„Matthias fuhr zu einer Zeit, als die Wale noch so zahlreich waren, dass man sie einfach in die Buchten treiben konnte, um sie dort zu erlegen. Die gefährliche Jagd auf hoher See setzte erst später ein. Innerhalb von 50 Jahren erbeuteten die Schiffe unter seinem Kommando 373 Wale – damit gehört er zu den erfolgreichsten Walfängern der Westküste“, berichtet Brodersen weiter. Der „glückliche Matthias“ kam also zu großem Reichtum, auf seiner letzten Fahrt geriet er in die Hände französischer Freibeuter und musste sich und seine Mannschaft freikaufen – das Geld dafür hatte er.
Und auch hierfür: „Kommen Sie mal mit in die Kirche“, sagt Brodersen. Die Kirche ist uralt und wunderschön, eine umarmende, friedvolle Stimmung erfasst den Gast. Zwei gewaltige Kronleuchter aus Messing hängen an der Decke. „Die haben Matthias und sein Sohn gestiftet“, sagt Brodersen, „wir benutzen sie noch heute.“ Und weil Matthias viel Geld hatte, war er ursprünglich auch vor dem Altar beerdigt. Sehr viel der Ehre, die Kirche sollte dafür auch sehr viele Goldtaler von den Erben bekommen. Bekam sie aber nicht, also wurde Matthias kurzerhand nach draußen umgebettet – dorthin, wo heute die Grabplatte steht. Und vom „Glücklichen“ berichtet, der „…mit Zustimmung aller den Namen `Der Glückliche´ annahm.“ So steht es geschrieben auf Stein in Süderende auf Föhr.

Infos zu Föhr
www.foehr.de/veranstaltungskalender
www.st-laurentii.de (mit Erklärung ausgewählter Steine) Kirchenbüro 0 46 83 – 350
• Der Friedhof des „Friesendoms“ St. Johannis in Nieblum hat mit 265 Grabplatten- und Steinen den größten Bestand an historischen Grabsteinen nordfriesischer Friedhöfe: www.friesendom.de und Kirchenbüro 0 46 81 – 44 61
• Auch auf dem Friedhof von St. Nicolai in Boldixum stehen „erzählende“ Grabsteine. www.kirche-st-nicolai-foehr.de

Die Geschichte eines Politmordes in Dithmarschen

Die Kronen der kahlen Kastanien rauschen im Wind nahe von St. Laurentius in Lunden / Dithmarschen. Im Schatten von Kirchturm und Kastanie stehen und liegen Grabplatten, grau vom Wetter der Jahrhunderte und dennoch sind auf einigen Verzierungen zu erkennen, laden ein zur Geschichtsstunde. Erzählen die Gräber auf Föhr und Amrum von den Geschichten der Seefahrer, so berichten diese Steine von Männern, die Geschichte schrieben: Dithmarschen war im ausgehenden Mittelalter de facto ein eigenständiger Staat mit einer Regierung bestehend aus 48 mächtigen Männern, vornehmlich reichen Bauern; dem „Rat der 48“ – den „Regenten“. Anführer von Familiensippen, den „Geschlechtern“.

Auf dem Geschlechterfriedhof in Lunden, der in seiner Anlage noch weitestgehend so erhalten geblieben ist, wie er angelegt wurde, sind einige dieser Familien beerdigt. Der Weg über den Friedhof führt auch zu Hügeln; darunter sind Grabkeller. 13 dieser Grüfte sind bis heute erhalten. Eine enge Treppe führt hinab, Hans-Jürgen Löbkens hat den Schlüssel und öffnet die Tür zu Gruft. Einer dieser schaurigen Keller ist öffentlich zugänglich.
Es riecht feucht und modrig, nach nasser Erde. Die Grabkammer besteht aus zwei Räumen, die Nebenkammer ist abgesperrt mit einem Gitter. Weißgetüncht war die Gruft einst und nun blättert es überall ab, Algen wachsen an den Wänden. Die kleine Kammer ist von schwachem gelbem Licht beleuchtet, auf einem Gestell steht ein Sarg. Natürlich liegt dort niemand drin, hier wird demonstriert, wie einstmals – zuletzt in den 1950er Jahren – bestattet wurde. „In den Kellern wurden die Särge entweder auf Ziegelreihen oder auf eiserne Gestelle gesetzt“, erklärt Löbkens. Die Grüfte wurden aus Ziegeln errichtet und haben in der Regel über zwei Luftschächte.
Die Grabplatten und Stelen wiegen bis zu zwei Tonnen. Geöffnet und verschlossen wurden die Platten bei Beerdigungen mit Pferden. Fast allen Steinen sind die vier Symbole in den Ecken gemein: Engel und Löwe, Stier und Adler – „…sie stehen für die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Die Auferstehung war das Wichtigste, so steht im Zentrum stets ein Engel mit den Familienwappen in den Händen“, so Löbkens.
Auch in Lunden erzählen die Steine ganze Geschichten. Eine Besondere ist die des Regenten Peter Swyn. Der „48er“ setzte sich für die Abkehr von der katholischen Kirche hin zum neuen Glauben, der Reformation, ein. Die sich daraus ergebenen notwendigen Änderungen im Rechtswesen (Abschaffung des Fehderechtes und Reformierung der Eideshilfe) versuchte er mit umzusetzen, so Löbkens.
„Andere Geschlechter, vornehmlich die Russeboligmannen, befürchteten durch die Auflösung der Geschlechterbundbriefe erheblichen Machtverlust. Daraufhin haben Auftragsmörder Peter Swyn bei einem Alleinausritt – zur Kontrolle der Arbeit der Tagelöhner auf seinen Ländereien im Moor – aufgelauert, ihn vom Pferd gerissen und erschlagen. Die Mörder sind später gefasst und ihrer gerechten Strafe zugeführt worden“, sagt Löbkens. Auf dem Gedenkstein oberhalb seines Grabes ist die Szene seiner Ermordung dargestellt. Auf der Vorderseite, geschrieben in gotischen Minuskeln, steht: „Im Jahre des Herrn 1537 am Abend Marien Himmelfahrt ist hier erbarmlich zu Tode gebrocht der hochlöbliche Peter Swyn alt gewesen 57 Jahr“.
Auf der Rückseite: „Auch wahr ist verräterisch ermordet der ehrbare Peter Swyn dem Gott der Herr gnädig will sein. Er ist diesem Lande so ratsam Treu gewesen also bei vielen Herren, Städten und Landen auserlesen die Freiheit dieses Landes so frei zu bewahren, dabei Leib und Leben nicht geschont. Der ein guter Dithmarscher ist der beruft sich dieses Mordes.- Das ist gewiß“.
Der Wind jagt durch die Kronen und ein Rauschen weht über’s Land, die fahle Herbstsonne lässt die Schatten auf diesem Friedhof spielen. Dort, wo die Toten ruhen, ihre Geschichten aber in solchen Augenblicken seltsam lebendig sind und sich eine Gruft auch von Innen öffnen lässt. Und wer mag nur wegen des Novemberwetters eine Gänsehaut kriegen?
Infos Geschlechetrfreidhof Lunden
Die Gruft, sowie die Kirche ist täglich von 9:00 bis 17:00 in der Zeit von „Ostern“ bis „Ernte Dank“ geöffnet. Der Geschlechterfriedhof ist ganzjährig geöffnet. Durch sein Wegesystem wird der Besucher von Grabstelle zu Grabstelle geführt. Durch kleine Infotafeln an den wichtigsten Stellen wird der Besucher informiert. Zusätzlich steht auf dem Geschlechterfriedhof noch ein Info-Pavillion mit vielen interessanten und spannenden Information zum Geschlechterfriedhof und der Bauernrepublik Dithmarschen. Mögliche Führungen können über das Kirchenbüro 04882-360 erfragt werden. www.kirchengemeinde-lunden.de

Weitere Tipps und Anregungen für einen erlebnisreichen Herbst- und Winterurlaub finden sich im Nordseeurlaubsplaner, der kostenlos unter www.nordseetourismus.de heruntergeladen werden kann.

Quelle: Nordsee-Tourismus-Service GmbH  

Das Meer gibt’s her – Strandgut und was man daraus macht!

Strandgut an der Nordsee (c) Carlos Arias Enciso - www.nordseetourismus.de

Strandgut an der Nordsee (c) Carlos Arias Enciso – www.nordseetourismus.de

Sturmzeit ist Strandgutzeit – und was man an der Nordseeküste alles finden kann, ist erstaunlich: Da gibt es Kunst aus Holz und Metall, das die See formte. Da gibt es feinen Schmuck aus Scherben, die das Meer zu halben Edelsteinen polierte. Da gibt es sogar eine Schuhsammlung der besonderen Art – und dort kann man sich wirklich fragen, woher die kamen und warum man ausgerechnet Schuhe ans Meer verliert?

Strandgut sucht man nicht, man findet es. Es lässt sich von denjenigen finden, die mit offenen Augen am Strand unterwegs sind mit Blick für das Kuriose oder das Kostbare, für das Schöne und Skurile. Mit dem Blick für das Besondere unter dem Banalen. Und aus Strandgut kann man ganze Hütten bauen…

Auf Amrum gibt es sogar zwei „Kolonien“ solcher Lauben – in Höhe Wittdün werden zu Beginn der Badesaison seit vielen Jahren Buden gebaut und zwischen Nebel und Norddorf gibt es in den Vordünen welche, die auch im Winter stehen bleiben und von denen eine wie eine künstlerische Installation anmutet. Südwind stürmt über den Kniepsand, die einsamen Wanderer marschieren gen Nord, bis die Vordünen südlich des Quermarkenfeuers erreicht sind. Holztrümmer liegen verstreut herum, ein Surfbrett steht senkrecht im Sand und trotzt dem Sturm, eben lag ein Kasten im Wasser, auf dem das Wort „Hüttenbuch“ stand: Diese Hütte wurde von Wind und Wellen zertrümmert und ist dorthin verschwunden, woher sie einst kam – im Meer. Weiter Richtung Insel sind zwei Verschläge zu erkennen, geduckt in den Dünen. Eine Figur mit rotem Haar aus Plastiknetz begrüßt die Wanderer, nachdem der Sand fortgeschaufelt wurde, lässt sich die Tür zu dieser sonderbaren Hütte öffnen. Drinnen kann man sich stundenlang verlieren; mit Tischen und Bänken ist´s gemütlich wie in Nachbars Gartenlaube, die Fenster sind aus Plastikplanen und man kann prima im Hüttenbuch schmökern. Und was es zu bestaunen gibt – ein selbst gebasteltes „Mensch Ärgere Dich Nicht Spiel“, aus Strandgut zusammengefügte Bilder und Puppen, liebevoll und lustig. Ein Mobile hängt an der Decke gefertigt aus Papierschiffchen. Vor der Hütte steht ein gelber Eimer – der ist übrigens für den Müll. Ordnung, so schienen es die Bauherren dieser bewundernswerten Buden zu schätzen, muss sein – auch in den Lauben aus Strandgut. // www.amrum.de

Verrostetes Metall aus dem Meer und natürlich polierte Holzstücke vom Strand – dies sind die Materialien, die Greg Baber für seine Skulpturen verwendet. Der 64jährige ist „Strandchef“ von Kampen auf Sylt und fast jeden Tag mit dem Traktor oder dem Landrover am Strand unterwegs. Greg ist verantwortlich für die Sicherheit der Wege und Holztreppen, die Strandkörbe, den Strand – und er ist auch Herr über das Strandgut, das an stürmischen Tagen angespült wird. Zu Beginn des neuen Jahrtausends begann er mit der Umsetzung seiner künstlerischen Ideen. Die erste Ausstellung erfolgte im Jahr 2004, einige Skulpturen stehen im Avenarius- (ehem. Dorf-)Park in Kampen, andere werden bisweilen verkauft. „Ein großer Teil des Erlöses fließt wieder in den Küstenschutz zurück“, sagt er. Mit Stücken aus alten Eisenbuhnen fing es einst an, mit seinen geschweißten und geschliffenen Kombinationen aus Holz und Metall ist er längst zu einem gefragten Künstler geworden. „Ich sammle die Stücke, ohne anfangs genau zu wissen wofür. Während der Arbeit bekomme ich dann schnell eine Vorstellung, was aus dem wird, was Wasser, Wind und Wellen in der Nordsee formten und der Sand auf Sylt polierte“, erklärt Greg sein künstlerisches Schaffen, „Strandgut ist Rohstoff, mit dem ich etwas ausdrücken kann!“. Mal sind es mannshohe Skulpturen, mal kleine filigrane Arbeiten. „Out of the deep“ heißt ein Kunstwerk, an dem er zurzeit arbeitet „…dabei folge ich im wesentlichen meiner Intuition. Oft schaue ich mir die Stücke lange an. Dann bekomme ich eine Vorstellung, wie es weiter geht!“ Wenn sich Greg nicht um die Sicherheit und den Zustand des Strandes kümmert, hämmert und poliert der Strandchef und Meeres-Künstler zwischen Dünen und Heckenrosen weiter an den Skulpturen, die vom Meer erzählen. Und die Phantasie anregen – „…Mutter Natur gibt uns viel vor!“ Und damit meint derjenige, den die Nordsee vor mehr als vierzig Jahren in den Bann schlug und nie mehr los ließ, gewiss nicht nur das Strandgut allein. // www.kampen.de

„Eines Tages fand ich einen Schuh am Deich, ich nahm ihn mit“, erinnert sich Werner Boyens. „Und am nächsten Tag lag da schon wieder einer!“ 1994 war damit auf Hallig Hooge eine ungewöhnliche Sammel-Leidenschaft geboren. An die 300 Schuhe stehen auf den Regalen vor seiner kleinen Galerie auf der Hanswarft. Heute malt der ehemalige Seemann Motive von der Hallig. Wenn er nicht gerade unterwegs ist, um die Schuhsammlung zu vergrößern. Dort steht alles, was Mann, Frau und Kind an den Füßen tragen können – von Arbeitsclogs vermutlich Größe 50 bis zu Stiefeletten mit Absatzhöhe zehn Zentimeter. Badelatschen ebenso wie Trekkingsandalen – Strandgutschuhe, Fundstücke von wer weiß wo her. „Ich gehe oft auf dem Deich rund um die Hallig oder fahre mit dem Rad, da liegen sie dann am Spülsaum“, sagt der 73jährige, „ich finde oder suche die Schuhe nicht – die kommen zu mir!“ Erklärt der freundliche Mann mit einem Augenzwinkern. Die Schuhe in den Regalen unterm Reetdach sind allesamt Fundstücke von der Hallig Hooge oder vom vorgelagerten Japsand. Es ging damals los, wie so oft – da lag noch ein schöner Schuh, dann noch einer, und dann dieser dort. Wer mag den wohl getragen haben. Stammt der Arbeitsschuh vom Fischkutter? Hat ein Fluss die Stiefelette in die Nordsee gespült? Und warum verliert man ausgerechnet Schuhe an das Meer? Schon war eine Leidenschaft geboren. „Jeder Mensch hat doch irgendeine Sammlung. Wenn ich wieder was Schönes gefunden hab, freue ich mich und nehme den Schuh mit nach Hause.“ Oft fragen ihn die Leute, was er da tue oder mit den Schuhen macht. „Und meist stehen diese Leute dann mit einem Lächeln vor dem Regal – auch mit alten Schuhen kann man Menschen Freude machen! Die vergangene Wintersaison war übrigens ein schlechtes Schuhjahr. Ich habe bislang nur zehn Stück gefunden, in guten Jahren sind es locker doppelt so viele“, sagt er. Zu besichtigen auf der Hanswarft/Hallig Hooge. „Die besten Chancen einen Schuh und Strandgut überhaupt zu finden, ist nach stürmischen Tagen mit kräftigem Wind aus westlichen Richtungen – dann heißt es Los auf den Deich! und die Augen offen halten…!“ // www.hooge.de

„Ich nehme, was sich anbietet, ich nehme, was ich sehe. Die Stücke warten auf mich – ich finde sie beim Spazieren gehen. Sie sind schon dort, wo ich hinkomme. Ich muss mich nur entscheiden und auswählen“ – so lauten die Gedanken der Sylter Goldschmiedin Edda Raspé zu Steinen und Schönem aus der Natur. Und wer kennt Diese nicht – die kleinen, bunten Stücke vom Strand, oft mit einer matt-schimmernden Oberfläche, wie geschliffen und gefrostet. Sie glitzern im ablaufenden Wasser wie Edelsteine; die Formen sanft, die Farben wie Pastell. Das ist Seeglas, auch Strand- oder Meerglas genannt. Es gibt sie in allen Farben – grün, weiß und braun sind am häufigsten. Aber blaue, orangefarbene oder gar rote Stücke zu finden, ist so selten wie einen Bernstein aufzuheben. Denn Seeglas-Stücke, das waren ist erster Linie einmal Flaschen, in seltenen Fällen Geschirr, Medizinflaschen oder Autorücklichter. Letztere wurden zu der Zeit, als das schöne Strandglas seinen Ursprung nahm, nämlich aus Glas hergestellt – vor vielen Jahrzehnten oder gar einem Jahrhundert. So lange sind die bunten Stücke schon im Meer und werden im Kontakt mit Sand gerundet, im Laufe vieler Jahre bekommen sie ihre feine, mikrokristalline Oberfläche, die sie so geheimnisvoll schimmern lässt. Auf Sylt kann man sich ein wahres Schmuckstück daraus fertigen lassen. Edda und Jonas Raspé fertigen auf Wunsch in ihrer kleinen, feinen Manufaktur in Morsum nach den Vorstellungen ihrer Kunden eine individuelle Kette, einen Ring oder Armreif daraus. Aus solchen Funden lassen sich persönliche Stücke fertigen, erklärt Goldschmiedemeister Jonas Raspé. Der zusammen mit seiner Mutter Edda dieses Atelier betreibt. „Seeglas hat etwas Geheimnisvolles“, sagt er, „und die Schmuckstücke einen besonderen Bezug zum Meer. Häufig kommen Kunden mit einem Bernstein, den sie gefunden haben und möchten ein besonderes, individuelles Schmuckstück als Erinnerung an die Nordsee gefertigt bekommen – und manchmal bringen sie auch Seeglas mit“, sagt er. Weil sie am Nordsee-Strand was Schönes gefunden haben. // www.edda-raspe.de
In Friedrichskoog finden regelmäßig „Spülsaumwanderungen“ statt. Der Spülsaum markiert den höchsten Wasserstand der letzten Flut bzw. die Linie, bis zu der die Wellen gelaufen sind. Man bezeichnet ihn auch als Flutsaum. Hier wird alles zusammengeschwemmt, was im Meer treibt. Einige Strandfunde sehen auf dem ersten Blick unscheinbar aus, andere dagegen fallen schon aus der Ferne auf.
Wer schon immer wissen wollte, zu wem die weißen Mini-Platten gehören, die es auch in Zoohandlungen gibt oder welche Bedeutung die schwammähnlichen Gebilde haben, die es hier zu entdecken gibt, sollte an einer Spülsaum-Exkursion unter fachkundiger Führung teilnehmen. Die nächste Wanderung ist am 22. Juni 2016 um 17 Uhr am Friedrichskooger Strand. // www.friedrichskoog.de

Ein sehr begehrtes und doch so seltenes Fundstück an den Küsten ist Bernstein. Das fossile Baumharz ist bekannt für seinen goldigen Glanz nach dem Polieren. Wer möchte, kann sich bei einem Kurs der Schutzstation Wattenmeer z.B. auf Nordstrand, Pellworm, in St.Peter-Ording oder auf Föhr ausführlicher über das „Gold der Nordsee“ informieren und sich ein Schmuckstück daraus herstellen. // www.schutzstation-wattenmeer.de/veranstaltungen

Quelle: Nordsee-Tourismus-Service GmbH

Auf den Spuren der alten Friesen: Flüsternde Grabsteine und historische Kirchen

Zeugen vergangener Zeiten: Die Inschriften nordfriesischer Grabsteine erzählen die Geschichten der Verstorbenen – Bild: www.nordseetourismus.de/Constanze Höfinghoff

Sie sind Zeitzeugen der Seefahrergeschichte: An der Nordsee in Schleswig-Holstein stoßen Urlauber auf zahlreiche uralte Gedenktafeln und mittelalterliche Kirchen. Windschief und verwittert berichten die Grabsteine zum Beispiel auf der Insel Föhr aus längst vergangenen Zeiten. Nicht nur persönliche Daten wie Geburt, Heirat und Tod regen hier die Fantasie des Betrachters an. Auch die Geschichten des Seefahrers oder Walfängers und das Schicksal ihrer Familien werden auf den Steinen dokumentiert. Der weltweit erfolgreichste Walfangkommandeur Matthias Petersen wurde zum Beispiel 1632 in Oldsum auf Föhr geboren und kam laut Inschrift auf 373 Walfänge. Fortan wurde er der „Glückliche Matthias“ genannt. Sein Grab finden Besucher auf dem Friedhof von St. Laurentii in Süderende/Föhr. Aufmerksame Betrachter entdecken zudem häufig florale Motive auf Föhringer Grabsteinen. Mit tulpenähnlichen Blumen sind links der Mann und die Söhne der Familie dargestellt, die Frau und die Töchter finden sich rechts in Form von vierblütigen Blumen. Viele der Inschriften sind in hochdeutscher Sprache verfasst. Plattdeutsch, das bis etwa 1700 Amts- und Kirchensprache war, findet sich nur auf einer Stele. Inschriften auf Friesisch, der Föhringer Sprache, gibt es auf den neueren Grabsteinen des 20. Jahrhunderts. www.foehr.de

Die Lebensläufe der Verstorbenen aus der Zeit von 1670 bis 1830 erzählen auch die Grabsteine in Nebel auf Amrum. Seefahrer und Walfänger sowie der erste Müller der Insel sind hier begraben. Sein Grabstein ziert eine Mühle. Die Symbole sind in Sandstein gemeißelt, kunstvoll, detailreich und mit aufwändigen Ornamenten verziert. Zahlreiche Steine sind auch auf der Rückseite beschriftet. Einer der bekanntesten Grabsteine ist der von Hark Oluf. Der Amrumer wurde 1724 mit seinem Schiff auf dem Weg von Nantes (Südfrankreich) nach Hamburg von algerischen Kaperern entführt und auf dem Sklavenmarkt in Algier verkauft. 1735 unterstützte er die algerische Armee bei der Eroberung von Tunis und wurde zum Dank freigegeben. Sein Grabstein ist daher mit einem Turban geschmückt. www.amrum.de

Historische Grabsteine gibt es auch auf dem Festland. Auf dem Friedhof der St. Laurentiuskirche zu Fahretoft in der Gemeinde Dagebüll finden Besucher zum Beispiel die Gedenksteine des Mathematikers und Künstlers Hans Momsen (1735-1811) sowie von Christian Jensen (1839-1900), Missionar und Gründer der Schleswig-Holsteinischen Evangelisch-Lutherischen Missionsgesellschaft. www.nordfrieslandtourismus.de

Auf eine kulturelle Zeitreise können Gäste zudem auf der Halbinsel Eiderstedt gehen. Die 18 historischen Kirchen auf kleinem Raum sind ein besonderes Zeugnis der Kulturgeschichte im protestantischen Norden. Die hohe Anzahl der Kirchen ist Zeichen für den Wohlstand der Bauern, die auf der Halbinsel Eiderstedt unabhängig blieben. Die älteste Kirche wurde 1103 für die Landschaft UtholmTating errichtet. www.tz-eiderstedt.de

Zu den ersten Kirchenbauten in Nordfriesland gehört die Alte Kirche zu Pellworm. Noch heute steht die markante Turmruine aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Der Turm war ehemals Zufluchtsort, Seezeichen und Glockenturm. Unterhalb des Turms sehen Besucher den Heimatlosenfriedhof. Hier wurden meist unbekannte, am Strand angetriebene Leichen christlich bestattet. www.alte-kirche.de

Mehr Informationen zu den historischen Sehenswürdigkeiten an der Nordsee erhalten Interessierte telefonisch unter 0 48 41 – 89 75 0 sowie im Internet unter www.nordseetourismus.de.

Quelle: Nordsee-Tourismus-Service GmbH

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